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Vom 1. November bis (voraussichtlich) 30. November 2020 sind auch die Naumburger Museen zur Pandemieeindämmung geschlossen.

 

 

Wahlverwandtschaften Plakat

Galerie im Schlösschen, Naumburg (Saale) - 3. Oktober - 22. November 2020

Wahlverwandtschaften: Künstler um Max Klinger.

Sammlung Bodo Pientka

Allmählich neigt sich das 100. Todesjahr Max Klingers seinem Ende zu. In zahlreichen Ausstellungen wurde des Leipziger Künstlers gedacht, das Museum der bildenden Künste widmete ihm ein Großprojekt, das ab 15. Oktober in Bonn eine noch gewaltigere Fortsetzung finden wird. In bescheidenerem Umfang thematisierte das Stadtmuseum Naumburg im Max-Klinger-Haus Großjena dem Anlass entsprechend den Tod Klingers, das Begräbnis und die Grabgestaltung, während in der Galerie im Schlösschen unter dem Titel „Griffelkunst“ eine umfangreiche Ausstellung von Radierungen stattfand, die Klingers Meisterschaft in den grafischen Künsten abermals eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Was nach wie vor offen bleibt, ist die Frage nach Klingers Nachwirken. Mit diesem Thema beschäftigt sich eine Schau, die ab 3. Oktober ebenfalls in der Galerie im Schlösschen am Markt zu sehen sein wird. Unter dem vielsagenden Titel „Wahlverwandtschaften“ hat der der Kunsthistoriker Dr. Richard Hüttel - vor seiner Pensionierung stellvertretender Leiter des Museums der Bildenden Künste in Leipzig - zusammen mit dem Leipziger Sammler Bodo Pientka eine umfangreiche Auswahl von Arbeiten zusammengestellt, die unmittelbar aus dem Künstler-Kreis um (und in der Nachfolge von) Max Klinger stammen.

Als eine „fast magische Anziehungskraft gegen einander“ hatte Goethe in seinen „Wahlverwandtschaften“ die sanfte Gewalt, die Liebende zusammenhält beschrieben. Man kann wohl von einer solchen Wahlverwandtschaft zwischen Max Klinger und zahlriechen Künstlern seiner Zeit sprechen, die zu einer mal stärkeren, mal schwächeren, ja manchmal auch – wie in Goethes Roman – zu einer leidenschaftlichen Anziehungskraft führte. Max Klinger war die Zentralgestalt eines lebhaften, inspirierenden Kreises, der aus Otto Greiner, Sascha Schneider, Bruno Héroux, Paul Horst-Schulze, später auch Richard Müller, Otto Richard Bossert, Alois Kolb, Erich Gruner, Fritz Zalisz, Walter Hammer, Otto Weigel und anderen bestand.

Es gehört zu den Ironien der „Geschichte der Moderne“, dass Max Klingers Impulse und seine Bedeutung für die Kunst des 20. Jahrhunderts heute weitgehend vergessen zu sein scheinen, obwohl er „ein ganzes Universum neuer Inhalte“ geschaffen hat. Noch vergessener ist sein Kreis, dem man erst in letzter Zeit zubilligt, dass er wie Klingers „Griffelkunst“ sowohl technische als auch geistige Maßstäbe weit über Leipzig hinaus gesetzt hat.

Es wird Zeit, sich des Vergessenen zu erinnern, Künstler wieder zu entdecken, von denen man sehr lange nichts mehr gehört hat. Die Sammlung Bodo Pientka, von der mit ca. 100 Arbeiten nur ein geringer Teil gezeigt werden kann, gibt eine hervorragende Gelegenheit, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Zur Ausstellung, die vom 3. Oktober bis 22. Oktober läuft, ist eine vom Museumsverein herausgegebene, aufwändig gestaltete Begleitbroschüre erschienen, die neben kurzen Aufsätzen zum Thema knappe Biographien aller beteiligten Künstler und zahlreiche Abbildungen aufweist (ca. 90 Seiten, EUR 5,00.)