pleasuredome

Galerie im Schlösschen, 28. April bis 24. Juni 2018

Pleasuredome

Dorothee Haller & Frank Hoffmann

Zwei künstlerische Positionen aus Dresden führt die Ausstellung »pleasuredome« zusammen. Die Werke von Frank Hoffmann und Dorothee Haller fokussieren auf physische und psychische Zustände im Kontext elementarer Stimmungen. In der Verbindung von Begriffen wie Schönheit und Urtrieb, Pathos und Tristesse, Klischee und Leidenschaft entsteht ein ungewöhnliches, teils irritierendes Zusammenspiel, welches sich gerade durch die Kontrastierung in einer ausdrucksstarken Balance hält.

Frank Hoffmann erschafft in seiner Malerei flirrende, unreal wirkende Lichtsituationen, die einerseits nahezu  übertrieben schön und gleichzeitig verwirrend tief, einsam und abgründig wirken. Eine nebulöse Sehnsucht nach dem »verlorenen Paradies« bricht aus der Oberfläche der Bilder, aus der Idylle hervor und konfrontiert den Betrachter subtil mit eigenen archaischen Empfindungen.

Dorothee Haller bespielt das emotionale Energiefeld von der entgegengesetzten Seite. Indem sie die wie eben ausgegraben wirkenden Stahlelemente bearbeitet, ausbalanciert und veredelt, verschafft sie ihnen ein geistiges Eigenleben in einer imaginären Realität, das sich ebenso wuchtig und massiv wie fragil, erhaben und geheimnisvoll äußert.


Dorothee Haller Kapsel 800

Dorothee Haller

In den skulpturalen Arbeiten von Dorothee Haller sind meist Ähnlichkeiten zu industrieller und architektonischer Funktionalität zu finden, während ihnen eine surreale Aura anhaftet. Die recycelten Materialien sind allein durch ihre Herkunft mit Geschichten und Erinnerungen aufgeladen und schildern durch die Spannung zwischen Massivität und Zerbrechlichkeit, zwischen Härte und Fragilität auch psychische und physische Strukturen und Verfassungen.

Die überwiegend aus Stahl bestehenden, geschweißten Skulpturen zeigen archetypische Muster und Bilder, die mit ganz grundlegenden Zuständen assoziiert werden können, welche gleichsam durch Statik, Strenge und Begrenzung der klaren Form wiederum zu Balance und Stabilität finden.

C.G. Jungs Idee des kollektiven und persönlichen Unbewussten blitzt in den Arbeiten auf und zeigt sich unterschwellig insbesondere auch bei Hallers Themen aus der Mythen-, Märchen- und Sagenwelt unterschiedlicher Kulturkreise.

Der präzise und reduzierte Aufbau, die Kombination und Anordnung der Formen ist partiell von Ordnungen aus organischen und kristallinen Naturformen inspiriert, aber auch von rituellen Gegenständen verschiedener Kulturkreise, Alltagsdesign und Technik.

Kurzbiografie

1966 geboren in Frankenberg
1988 Geburt der Tochter
1991 – 1992 Künstlerisches Abendstudium, HfBK Dresden
1993 – 1998 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden
1998 Diplomabschluss (Theaterausstattung/Theatermalerei)
1999 Studienreise nach Ägypten
2001 verstärkte Hinwendung zur Bildhauerei
auch Zeichnung, Grafik, Fotografie und Installation
2002 – 2003 Studienreise nach Asien (Thailand, Vietnam und Kambodscha)
seit 2004 Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler
seit 2008 vertreten von der Galerie Kunstausstellung Kühl
lebt und arbeitet in Dresden


Frank Hoffmann romantische ironie 800

Frank Hoffmann

Frank Hoffmann fasziniert die Überlagerung von authentisch empfundenen Stimmungen mit klischeehaften Vorstellungen, die wiederum im Spannungsfeld von Begriffen wie „Schönheit“ und „Pathos“ mit ihrem jeweiligen kunst- und ideengeschichtlichen Hintergrundrauschen stehen. Somit bewegen sich die Bildthemen zwischen figürlicher Konkretisierung und stärkerer Abstraktion. Die Ideen dafür entstehen meist collageartig in einem Mix aus analogen und digitalen Arbeitsschritten. Gleichzeitig wird für ihn die Malerei in ihren künstlerischen Möglichkeiten immer mehr selbst zum Thema.

Für ein ganz ähnliches Konzept eines ständigen Wechsels zwischen Werk und immanenter Selbstreflexion, zwischen Illusionsaufbau und -störung prägten die Frühromantiker ja ursprünglich für den Bereich der Literatur den Begriff der „romantischen Ironie“. Genau dieser dialektische Ansatz des Schwebens, der Andeutungen in formaler und inhaltlicher Hinsicht charakterisiert Hoffmanns Arbeit. In engem Zusammenhang dazu steht das eigentlich filmische Prinzip des „suspense”, das er auf seine Bildserien überträgt.

Begleitend zur Malerei beschäftigt sich Hoffmann in den letzten Jahren intensiv mit der Algrafie. Diese Arbeiten basieren zum Teil auf den Kohlezeichnungen, die die Vorzeichnung auf den Leinwänden bilden.
Eine weitere im direkten Kontext zur Malerei stehende Werkgruppe ist die der Maskierfolienobjekte. Hier verarbeitet er die im Malprozess verwendeten Maskierfolien weiter. Es entspricht ein wenig der (Hinter-)glas-malerei, die Folien nehmen von hinten die Kohlezeichnung auf, von vorn kommt die Ölfarbe darauf. Nun befinden sie sich zwischen zwei Glasplatten “schwebend” in magnetischen Rahmen ohne Rückwand.

Vita

1972 geboren in Görlitz
1991 – 1997 Studium Kunst und Germanistik in Dresden
1994 / 1995 Erasmus-Stipendium Kopenhagen
1999 – 2009 Lehrauftrag am Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der TU Dresden
neben Malerei und Grafik auch Produktion mehrerer Animationskurzfilme
seit 2000 verstärkte Hinwendung zur Malerei
seit 2006 Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler
2018 Stipendium Cleveland/Ohio der Stadt Dresden
lebt und arbeitet in Dresden