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Die „Werkschar” begann ihre Tätigkeit 1921 in Naumburg, Neidschützer Str. 27, als Handwerkergemeinschaft mit gemeinsamen Wirtschaftsbetrieb. Auch wenn Muck Lamberty nicht müde wurde, die auf „Gemeinschaft” beruhende Grundidee des Unternehmens zu betonen, so war doch bald klar, daß er der unumschränkte Chef des Betriebes war. Spätestens mit dem Eintritt seiner Schwägerin nach 1926 wurde die Werkschar zum normalen Gewerbebetrieb mit Muck als alleinigem Unternehmer.

1933 machte Muck Lamberty seine Schwägerin, die bis dahin schon viel für die wirtschaftliche Entwicklung der Firma getan hatte, zur Geschäftsführerin.

Die Erzeugnisse wurden in dem von Mucks Frau Paula geleiteten Laden mit Handweberei am Bismarckplatz 4 (ab 1933 am Domplatz 20), über Dürer-Häuser und andere Kunstgewerbeläden vertrieben. Im Herbst 1923 war man bereits auf der Leipziger Messe vertreten. Seit Mitte der 20er Jahre bestanden Geschäftskontakte nach Schweden und Holland. Von 1933-35 leitete Paula Lamberty eine Zweigstelle in Holland.

Mit der Expansion des Geschäftes ging Lamberty nun immer mehr dazu über, Arbeiten an andere Betriebe zu delegieren und diese unter seinem Namen zu vertreiben. Es entwickelte sich eine Art Verlagssystem. In den 30er Jahren waren bis zu 250 Zulieferer beschäftigt. Aus dem Sauerland, aus Schwaben und Thüringen wurden Holzarbeiten angeliefert. 1938 bekam Muck über den ehemaligen Wandervogel Anton Riefener Kontakt nach Südtirol, von wo er dann Schnitzarbeiten bezog.

Die Erzeugnisse waren sehr begehrt. Das Auftragsvolumen wuchs ständig und der Betrieb expandierte. Im Jahre 1926 soll der Umsatz etwa 41.000 Reichsmark betragen haben. 1936 wurden für ca. 500.000 RM Waren verkauft. Dementsprechend vergrößerte sich die Mitarbeiterzahl. Waren es zu Beginn 10–15 Personen, arbeiteten Mitte der 20er Jahre 32 und 1928 etwa 60 Mitarbeiter im Betrieb. Für die 30er Jahre werden folgende Zahlen genannt (Mitarbeiter im Betrieb, Heimwerker und selbständige Subunternehmer):

1935 1936 1937 1938 1939
195 206 244 244 209

Begünstigt wurde das Wachstum der Firma durch die Bestrebungen zur „Volkskunsterneuerung” und die ideologische Überhöhung des Werkstoffes Holz, die, in Verbindung mit dem Kult um den „Deutschen Wald”, nach 1933 neuen Höhepunkten zustrebte.

Nachdem bereits ein Umzug der Werkschar von der Neidschützer Straße in die Kleine Salzgasse erfolgt war, verlegte man 1928 die Werkstatt in die ehemalige Artilleriekaserne in der Weißenfelser Str. 42. 1933 mußte die Firma diese Räume verlassen, denn dort zog wieder das Militär ein. Lamberty konnte nun die Schneiderschen Werkstätten am Domplatz 20 anmieten. Im Laufe des Jahres 1937 kam es zu einem Konflikt mit der „Deutschen Arbeitsfront”, die die Bezeichnung „Werkschar” für ihre Werkgruppen beanspruchte. Lamberty versuchte zwar in zahlreichen Eingaben, den Firmennamen zu retten, musste aber dann doch nachgeben und der Firma einen neuen Namen geben: „Friedrich Lamberty-Muck Handwerkstätten”. Der Streit tat der Geschäftsentwicklung kaum Abbruch und bis in die Kriegsjahre hinein florierte der Betrieb.

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