Newsflash

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Am 14. Mai 1920 bricht Lamberty mit einer kleinen Schar von Anhängern von Hartenstein im Erzgebirge aus zu einem Zug durch Franken und Thüringen auf. Erste größere Station des Zuges ist Kronach, wo gerade ein Pfingsttreffen der ehemaligen Wandervogel-Feldsoldaten stattfindet und bei dem der „Kronacher Bund der alten Wandervögel” gegründet wird. Lamberty nutzt das Treffen zu einem seiner ersten öffentlichen Auftritte. Er ruft zur Bildung einer „Neuen Schar” auf und hält eine Rede:

„Nach Einbruch der Dunkelheit sammelten sich oben auf der ehemaligen Festung etwa 40 bis 50 junge Menschen. Sie lagerten auf der Wiese, und mitten unter ihnen stand Muck-Lamberty. Sein scharfes Profil hob sich gegen die untergehende Sonne ab, und alle lauschten andächtig. Noch heute sehe ich ihn vor mir, ohne sagen zu können, was mich – und die anderen – seinerzeit so faszinierte. Er sprach über Gott und die Welt, über die „Neue Zeit”, die eine „Not-Zeit” sei und daß man zu einer „Not-Wende” kommen müsse, indem man den verderblichen Strömungen begegne, als da seine: Alkohol und Tabak, „Trottel-Fox” (gemeint war der Modetanz Foxtrott) und die „Schiebermützen” (American Style war ellerletzter Schrei). Mit einer Schar wolle er nun durch die Lande ziehen und die Menschen zur Besinnung aufrufen. Wer bereit sei, mit ihm zu gehen, solle sein Geld in die ausgebreitete Zeltbahn werfen.” (Harry Wilde) Schon am nächsten Tag zieht die „Neue Schar” los, mit Klampfe, Fidel und blauem Fähnchen, nach eigenem Bekunden „25 junge Handwerker, Arbeiter, Kaufleute, Lehrerinnen usw. aus dem ganzen Lande, die nichts von dem gehässigen Parteileben wissen wollen und zur Volksgemeinschaft streben” Ihre Route führt über Coburg, Sonneberg, durchs Saaletal über Saalfeld nach Rudolstadt und Jena, nach Weimar, Erfurt, Gotha und Eisenach, wo sie im September ankommen. Bekleidung und Verhaltensweisen der jungen Leute fallen auf, wo immer sie auftauchen.

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