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Bei Kriegsausbruch meldete sich Muck Lamberty als Freiwilliger. Er wurde einer auf Helgoland stationierten Gruppe zugeteilt, die der Marine-Artillerie unterstand und rein vegetarisch verpflegt wurde. Nach seinen eigenen Schilderungen setzte er sich dort unablässig für die anderen Soldaten ein. Eine 14-tägige Haftstrafe soll er wegen eines Verstoßes gegen die Uniformordnung erhalten haben.

Gegen Ende des Krieges schloss er sich der protofaschistischen, 1917 gegründeten „Deutschen Vaterlandspartei” an. Seinen ersten Urlaub aus dem Kriegsdienst nutzte er im Sommer 1918 zur Teilnahme an der „Völkischen Woche” in Witzenhausen an der Werra, wo er sich zu den völkischen „Jungdeutschen” gesellte. Aufgrund einer Fußverletzung, die er sich bei einem Wettlauf zugezogen hatte, wurde er ins Reservelazarett Hannoversch-Münden eingeliefert, wo er zugleich gegen „Alkohol, Schmutz und Schund” agitierte und einen „Ausschuss zur Beschaffung guter Büchereien für die Reserve-Lazarette zu Hannoversch-Münden” gründete. Im Lazarett erlebte er auch die Revolution. Gerüchten, er habe sich an den Matrosenaufständen beteiligt, trat er später, als es opportun war, heftig entgegen.

Er verfasste nun Flugblätter, in denen er die Vorgänge der Zeit in seinem Sinne zu deuten suchte. Ohne mit einem ausgeprägt analytischen Verstand ausgestattet zu sein, trachtete er danach, im Zusammenbruch des alten Reiches und der Revolution Anzeichen für das „Werden der Volksgemeinschaft” zu finden. „Wir jungen Heimatsucher”, schrieb er, „Heimatgestalter und -erhalter müssen zur Stelle sein, um in dieser Stunde vorzuschnellen, anzutreten als eine Gemeinschaft von Führern aller aufsteigenden, verjüngenden Ideen der Heimatgenesung; einer aus dem Boden, unserer Art, aufsteigenden Kultur.” („An die Freideutschen”, 14.11.1918)

Lamberty vermengte in seinen Flugblättern völkische („Deutschbewußtsein”, „Volksgemeinschaft”) mit jugendbewegten („Erziehungsgemeischaft”) und lebensreformerischen Themen (Alkoholabstinenz, handwerkliche Wertarbeit) zu einem eigenartigen Gemenge, das sich, stilistisch an Religionspamphleten orientiert, mehr als pseudoreligiöse Heilslehre denn als Beitrag zur rationalen politischen Diskussion zu erkennen gab.

Bei verschiedenen Gelegenheiten versuchte er sowohl den Generalstab (Flottenchef Admiral von Scheer) als auch Politiker (Philipp Scheidemann) von seinen Erkenntnissen zu überzeugen, ohne dabei jedoch sonderlich ernst genommen zu werden.

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