Newsflash

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen bleiben alle unsere Häuser – zu unserem größten Bedauern – bis auf Weiteres geschlossen.

Adam_100Heinz Adam (Santa Rosa / Brasilien)

Eine brasilianische Familie in Naumburg

Ich bin am 29. Mai 1937 in Joinville Staat Santa Catarina in Brasilien geboren. Meine Mutter kam mit ihren Eltern im Alter von 15 Jahren nach Brasilien, sie stammte aus Bitterfeld.

Adam_174Sie heiratete meinen Vater (Deutsch-Brasilianer) und kaufmänischer Angestellter. 1938 wollte Vater die Heimat der Mutter kennen lernen, ich war gerade ein Jahr alt. Es folgten verschiedene Reisen und Besuche alter Verwandter, auch in Naumburg, wo damals Familie Alicke wohnte. Alles lief gut ab, bis es plötzlich hieß, der Krieg sei ausgebrochen.

Damit waren alle Reisen ins Ausland per Schiff oder Flugzeug gestrichen. So saßen wir fest, blieben in Naumburg. Konnten dann mit Hilfe von Verwandten in der Humboldtstraße 30 untergebracht werden, wo dann bis zum Jahr 1950 unser Zuhause war. 1942 wurde Vater eingezogen (obwohl brasilianischer Staatsangehörigkeit), kam 1944 in englische Gefangenschaft, wo er 1948 freigelassen wurde und nicht in die Ostzone sondern nach Brasilien zurückkehrte. In der Stadt Panambi, 600 Km von Porto Alegre entfernt im Staat Rio Grande do Sul und der Heimat seines Vaters und seiner Geschwister, ließ sich Vater erst mal nieder, um eine Existenz zu gründen und die Reise für die zurückgebliebene Familie zu bezahlen. Nach Bescheid des Deutschen Konsulats aus Berlin machten wir uns auf den Weg, um aus dem Osten zu fliehen, was uns auch gelungen war. Die Einschiffung fand in Rotterdam statt, so daß wir glücklich am l. Januar 1950 in Brasilien anlegten, wo sich Familie Adam wieder getroffen hat.

Einschulung

Adam02Als die Jahre herangekommen waren, musste ich zur Schule (In die Georgenschule). Als einziges Kind in der Familie (Muttersöhnchen) total verwöhnt, brüllte ich in der Klasse wenn Mutter in den ersten Schultagen den Unterrichtssaal verlassen musste. Keiner konnte mich halten. Mutter lief weg, ich rannte hinterher, kein Lehrer, kein Schüler, niemand konnte mich halten. Die Lösung dazu: eine Fuchsidee. Mutter brachte sich ein paar Schuhe in der Tasche mit. Als es hieß: "Die Mütter müssen jetzt den Saal verlassen", verschwand sie mit und lies die Klassentür etwas geöffnet und klemmte dazwischen das mitgebrachte Schuhpaar. So glaubte ich, es ist alles in Ordnung, Mama steht an der Tür. Sie erschien dann am Ende kurz vor Mittag um mich nach Hause zu nehmen. Die Zeit verwischte alles, ich wurde ein guter eifriger Schüler, bin dann bis zur 7. Klasse geblieben wegen unserer Abreise nach Brasilien. Heute bin ich stolz darauf die deutsche Sprache schriftlich und mündlich gelernt zu haben, was mir hier im Lande viele Möglichkeiten gibt. Die Zuckertüte blieb mir auch im Sinn als gutes Erlebnis.

Brotkrumen