Unsere Vortragsreihe zum 200. Geburtstag des in Naumburg geborenen Ägyptologen Richard Lepsius.

NDZ | Jakobsgasse 12 | 06618 Naumburg (Saale) | Tel. Auskunft: 03445-703503

Samstag, 12. März 2011, 15:00 Uhr  im Nietzsche-Dokumentationszentrum

Von der Zeichnung an die Wand
die verschiedenen Bilder der Lepsius-Expedition und ihre Bedeutung

Vortrag von Mariana Jung, Leipzig

In diesem Vortrag geht es um die verschiedenen Ägyptenbilder, die während und nach der Lepsius-Expedition 1842–1845 entstanden sind. Es handelt sich dabei um ein großes Konvolut an Zeichnungen, Aquarellen und ihre Übertragung in Stiche und Lithografien, bis hin zu den Wandbildern im Neuen Museum in Berlin. Das Ziel der Expedition war es, nicht nur wertvolle Denkmäler für das Ägyptische Museum zu erwerben, sondern auch das Land und die altägyptische Kultur zu erforschen. Sie brachten daher nicht nur über 1500 Objekte mit nach Berlin, sondern auch zahlreiche Zeichnungen bedeutender Monumente und Abschriften aus den altägyptischen Gräbern und Tempeln. Diese wurden in dem monumentalen Werk „Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien“ (1849–1859) publiziert. Sie waren die Vorlage für die Wandgestaltungen im Neuen Museum, die ausschließlich von Karl Richard Lepsius bestimmt wurde und wegweisend für künftige Ausstellungskonzeptionen war.

Sowohl die Zeichnungen, als auch die Lithografien und Gemälde ein und desselben Motivs sind in ihren Ausführungen jedoch immer unterschiedlich. Die in Ägypten angefertigten ‚dokumentarischen‘ Zeichnungen dienten zwar als Vorlage für die Publikation, die Gemälde und die Wandbilder, wurden allerdings immer wieder abgeändert, obwohl Lepsius für ein rein wissenschaftliches Ägyptenbild plädierte. Bei der Betrachtung der Bilder stellt sich daher die Frage, welchen Eindruck man von Ägypten hatte und wie dieser verändert wurde. Welches Ägyptenbild entsprach den Bedürfnissen und Erwartungen des zeitgenössischen Publikums? Es werden in diesem Zusammenhang bisher kaum beachtete Bildfolgen gezeigt, die die Unterschiede zwischen den einzelnen Medien, wie Grafik, Druck und Gemälde, verdeutlichen und ihre Bedeutung für die Ägyptologie und Kunst hervorheben.

Mariana Jung: Studium der Kunstgeschichte und Ägyptologie an der Universität Leipzig von 2003-2008; seit Jan. 2010 Promotion über das Ägyptenbild im 18. und 19. Jahrhundert in Europa; seit Okt. 2010 Mitglied des trinationalen Graduiertenkollegs "Gründungsmythen Europas in Literatur, Kunst und Musik" der Universitäten Bonn, Paris und Florenz; seit Okt. 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Leipzig im Fachbereich Ägyptologie und Mitarbeit im Projekt "Dictionary and Database of Greek Loanwords in Coptic" (DDGLC)

Samstag, 26. Februar 2011, 15:00 Uhr  im Nietzsche-Dokumentationszentrum

Dekrete, Totenbuch, Zauberpapyri
Karl Richard Lepsius und die Erforschung altägyptischer Quellen

Vortrag von Dr. Franziska Naether, Universität Leipzig

Der französische Ägyptologe Jean François Champollion gilt als Entzifferer der Hieroglyphen im Jahre 1822. Ihm gelang die Entschlüsselung der Texte eines Priesterdekretes vom 23. März 196 v. Chr., die in Hieroglyphen, Demotisch und Altgriechisch abgefasst worden waren.

Totenbuch

Karl Richard Lepsius' Verdienst ist es, die Erkenntnisse Champollions über die ägyptischen Sprachen und Schriften klassifiziert und systematisiert zu haben. Im Laufe seiner Karriere als Wissenschaftler veröffentlichte er Erstbearbeitungen von Texten auf Papyri, Statuen oder Inschriften. Einige davon hat Lepsius im Rahmen seiner Expedition nach Ägypten und Nubien von 1842 bis 1846 mit nach Berlin gebracht.

Der Vortrag geht zum einen der Geschichte der Entzifferung der Hieroglyphen nach, zum anderen stehen die antiken Quellen wie der Dekretstein von Kanopos, ein Papyrus mit Zaubersprüchen oder das Totenbuch im Zentrum des Interesses. An deren Erforschung hat Lepsius maßgeblichen Anteil. Um manche Entdeckung lassen sich spannende Geschichten erzählen.

Zusätzlich wird auf Lepsius? umstrittene Studien zur Entwicklung eines Standardalphabets eingegangen. Dies diente im 19. Jahrhundert dazu, dass afrikanische Sprachen leichter gelernt werden konnten. Es wurde über Jahrzehnte in der christlichen Mission angewandt.

Dr. Franziska Naether: Studium der Ägyptologie, Alten Geschichte und der Kulturwissenschaften (Soziologie/Marketing/PR) an der Universität Leipzig, Mai 2004 Magister; 2005-07: Promotionsstipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung. 2005-08: Mitarbeiterin im deutsch-belgischen Projekt "Multilingualism and Multiculturalism in Graeco-Roman Egypt" an der Universität zu Köln, Datenbank "Trismegistos". 2008-09: Stipendiatin des Albertus-Magnus-Vereins. Juli 2009: Promotion in Ägyptologie, Dissertation: "'Du wirst deine Geliebte heiraten, aber es wird dir leid tun' - Problemlösungsstrategien im römischen Ägypten nach den Sortes Astrampsychi und den Ticket-Orakeln." Seit September 2009 wissenschaftliche Assistentin am Ägyptologischen Institut/Ägyptischen Museum der Universität Leipzig (Vertretung PD Dr. Tonio Sebastian Richter) und zeitweise Beschäftigung im Projekt "Dictionary and Database of Greek Loanwords in Coptic" (DDGLC). Seit September 2010 Stipendiatin der Robert-Bosch-Stiftung im Programm "Fast Track".

Samstag, 12. Februar 2011, 15:00 Uhr  im Nietzsche-Dokumentationszentrum

Von Naumburg an den Nil, Lepsius und sein Team in Ägypten und Nubien.

Vortrag von Dr. Elke Freier

Gustav Erbkam: Situationsplan von GisehIn den letzten Wochen wurde schon viel über die für Richard Lepsius und die Ägyptologie entscheidende Expedition nach Ägypten und Nubien berichtet und dabei die offizielle Version dargestellt. In diesem Vortrag sollen die privaten Äußerungen von Lepsius und dem mitreisenden Architekten Georg Erbkam einen Blick  hinter die Kulissen der Expedition gestatten. Sie werden die große Leistung und die immensen Anstrengungen , die dazu geführt haben, auf eine persönlichere Weise illustrieren. Es sollen die Glücksfälle aber auch die Gefährdungen der Reise mit Hilfe der Briefe von Richard Lepsius an seinen Vater und die von Erbkam an seine Mutter zur Sprache kommen. Außerdem stehen die minutiös geführten Tagebücher von Erbkam zur Verfügung.

Dr. Elke Freier: Nach der Promotion bei Siegfried Morenz in Leipzig arbeitete sie in Berlin an der damaligen Deutschen Akademie, später Akademie der DDR, im Bereich Alter Orient an einem Lexikon, an Übersetzungen und religionsgeschichtlichen Themen, seit 1990 in der Arbeitsstelle Ägyptisches Wörterbuch an der Erschließung religiöser Texte für die Aufnahme in den Computer.

Neben diesen Arbeiten beteiligte sie sich von 1980 an an der Inventarisierung der Zeichnungen der Preußischen Expedition und schrieb zusammen Stefan Grunert eine Darstellung des Ablaufs der Expedition durch Ägypten, die 1984 zum 100. Todestag von Richard Lepsius erschien. Aus diesem Anlaß war ich an der Vorbereitung einer Ausstellung in Naumburg und einer Tagung in Halle beteiligt, deren Ergebnisse ich zusammen mit Walter Reineke herausgab.

Seit ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben arbeitet Dr. Freier an der Erschließung der schriftlichen Materialien, die sich als Leihgaben der Staatlichen Museen zu Berlin SMPK im Altägyptischen Wörterbuch der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften befinden.


Samstag, 29. Januar 2011, 15:00 Uhr im Nietzsche-Dokumentationszentrum

Jenseits von Ägypten.
Auf den Spuren der Lepsius-Expedition im Sudan

Vortrag von Helmar Heyken, Hamburg

Ernst Weidenbach: MeroeErnst Weidenbach: Panoramaansicht von Meroë (Sudan)

Carl Richard Lepsius, der „Vater der deutschen Ägyptologie“ wurde als Leiter der „Königlich Preußischen Expedition“ berühmt, die  von 1842-1844 nach Ägypten und in den Sudan führte. Der (meist wenig beachtete) Teil „jenseits von Ägypten“, der ein halbes Jahr dauerte, trug ganz entscheidende Ergebnisse zum Verständnis des antiken und heutigen Sudan bei. Helmar Heyken war Anfang 2010 auf den Spuren dieses Expeditionsteils mit der „Sudan-Archäologischen Gesellschaft zu Berlin e.V.“ im sudanesischen Teil Nubiens.

Reproduktionen der alten Lithografien und der damaligen Dokumentation wurden vor Ort mit dem heutigen Zustand und dem jetzigen Forschungsstand verglichen. Die Ergebnisse sollen später in einer Ausstellung in der Humboldt-Universität in Berlin und im Stadtmuseum Naumburg vorgestellt werden.

Die Expedition in Meroë 2010Die Expedition in Meroë 2010Der Vortrag zeigt zahlreiche eindrucksvolle Bilder der Lepsius-Expedition, die heutige Sicht auf die Altertümer und was es heißt, heute im Sudan zu reisen.

Helmar Heyken war nach mehreren Ägypten-Reisen im Jahre 2007 das erste Mal im Norden des Sudan. Fasziniert von der Geschichte, der Kultur, der Landschaft und nicht zuletzt von den freundlichen Menschen beschäftigte er sich (gemeinsam mit seiner Frau) mehr mit der Region und stieß dabei auf den etwas in Vergessenheit geratenen sudanesische Teil der Lepsius-Expedition. Dies führte zur Organisation einer zweiten Reise 2010 „auf den Spuren von Lepsius“, dem Ausstellungsprojekt mit der Humboldt-Uni Berlin sowie einem Engagement für die Sudanarchäologische Gesellschaft, deren stellvertretender Vorsitzender er inzwischen ist.

Obwohl die seit längerem geplante Ausstellung zum 200. Geburtstag Karl Richard Lepsius auf das Frühjahr 2012 verschoben werden musste, soll der Geburtstag in Naumburg nicht unbeachtet bleiben. Eine kleine, abwechslungsreich zusammengestellte Vortragsreihe im Nietzsche-Dokumentationszentrum soll für die aufgeschobene Ausstellung entschädigen.


11. Dezember 2010, 15 Uhr
Dr. Hartmut Mehlitz, Buchautor und Lepsius-Spezialist aus Berlin
“Richard Lepsius. Ägypten und die Ordnung der Wissenschaft“”

14. Januar 2011, 19 Uhr
Prof. Dr. Dr. Rainer Lepsius, Urenkel von Karl Richard Lepsius
Festvortrag im Rahmen des Lepsius-Kolloquiums in Schulpforte