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Martina Grunert, Naumburg (1977)

Meine Erstkommunion

Am 15. Mai 1977 sollte es nun für mich soweit sein und das große Ereignis der Erstkommunion eintreten, dem Grundschulkinder aus katholischen Familien mit großer Spannung entgegenfiebern. Die Eltern hatten in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, sicherlich nicht zuletzt wegen der großen Feier, die in ihrem Ausmaß nur mit Jubiläen, Hochzeiten oder auch einer Konfirmation zu vergleichen ist. Und die Oma, welche im gleichen Haus wohnte züchtete Myrthe und meinte einmal zu mir: “Das wird der Myrthenkranz, mit dem dein Haar zu deiner Erstkommunion geschmückt wird!”

grunertGeschmückt werden! Das ist sicherlich nicht zu viel versprochen, denn am Morgen des 15. Mai 1977 putzten Mutter, Oma und Patentante an mir herum, so dass es mir, einer vor einer Woche 8 Jahre alt gewordenen schon etwas zu viel wurde. Die weiße Glitzerstrumpfhose durfte keine Falte haben, das ebenso weiße Kleid musste sitzen wie angegossen, der Myrthenkranz im Haar mit Klammern festgesteckt und die Kommunionskerze mit einer Myrthenschlinge ebenso “zurechtgemacht” werden wie ich.

War ich aufgeregt? Ich glaube nicht, denn ich war viel zu klein, um “Lampenfieber” zu haben. Außerdem gingen 14 weitere Kinder im Alter von 8 bis 10 mit mir zur Erstkommunion. Und so fühlte ich mich nicht allein, zum Beispiel beim großen Einzug in die Kirche usw.

Mit den anderen Kindern, die größtenteils aus Naumburg-Stadt, aber auch aus dem Ortsteil Henne sowie aus Laucha kamen, hatten wir uns während des 1jährigen Kommunionunterrichts intensiv auf das große Ereignis vorbereiten können. Unser Pfarrer Karl-Heinz Uhle war eine Seele von einem Menschen. Wenn ich ihn heute als Erwachsene einschätzen soll, kann ich nur sagen: “Wir Kinder spürten damals, dass er es ehrlich meint(e) und ein guter Seelsorger war.”

Das Lehrbuch, das uns während des Kommunionunterrichts begleitete hieß: “Kinder des Lichts”. Es war in einzelne Kapitel unterteilt und so aufgebaut, dass als erstes eine Geschichte über Kinder erzählt wurde, die im Zusammenhang mit den 10 Geboten stand: da hatte ein Kind ein anderes nicht mitspielen lassen, ein weiteres der Mutter etwas aus dem Portemonnaie genommen, es aber wegen den Gewissensbissen wieder hineingelegt (“die Mutter tut für dich alles - und du bestiehlst sie!”), wieder ein anderes gelogen - und der Schwindel war letztendlich aufgeflogen. Andere Kinder hatten Käfer zertreten und so die Schöpfung missachtet ...... Wir sprachen über diese Begebenheiten und über das Verhalten eines Kindes, das sich zu Gott gehörig fühlt. Am Ende stand immer ein Gebet, welches auf das Kapitel abgestimmt war. Ich erinnere mich, dass wir viel dazu gemalt haben - im Unterricht wie auch als Hausaufgabe - und, dass im Buch auch stand, dass wir immer die Wahrheit sagen, über andere auch nichts Böses erzählen, Kinder die immer am Rand stehen ins Spiel einbeziehen, nie etwas stehlen sollten. Eine brennende Kerze auf dem Tisch durfte während des Erstkommunionunterrichts nicht fehlen. Jede Stunde wurde durch Spiele aufgelockert. Der Renner war: “Die Montagsmaler”. Jedes Kind durfte sich einen Gegenstand ausdenken, diesen malen - und wer ihn erraten hatte, der durfte weitermachen.

Eine Woche in den Winterferien 1977 waren wir zu gemeinsamen Tagen in den Räumen der Kirchengemeinde eingeladen. Thema war auch hier die bevorstehende Erstkommunion und zwar ganz speziell die 1. Beichte, die im März folgen sollte und auch das Einüben und die Schrittfolge bzw. die Aufstellung für den “Festtag”. Mittagessen gab es im damaligen katholischen Kinderheim am Kirschberg. Die Woche ist mir und den anderen Kindern in guter Erinnerung geblieben, auch sie wurde durch “Spielelemente” wie Schneeballschlachten aufgelockert.

Nun will ich aber endlich vom eigentlichen Tag meiner Erstkommunion berichten: der oft geübte große Einzug klappte 1A, die Kirche war brechend voll, denn viele Verwandte und Freunde waren angereist. Pfarrer Uhle predigte über einen afrikanischen Jungen, der wie wir die 1. Hl. Kommunion empfing - aber unter anderen Umständen. Er durfte nämlich nicht wie wir auf viele schöne Geschenke und eine grossartige Feier hoffen, sondern musste am Tag seiner Erstkommunion viele Kilometer laufen, um zur Kirche zu kommen und sich sehr beeilen, um ja nicht zu spät zu kommen. Ansonsten spielte er nicht wie wir, wenn die Schule beendet war, sondern hütete die Kühe. Aber dieser Tag seiner Erstkommunion war ihm sooo wichtig und er war richtig froh es rechtzeitig bis zur Kirche geschafft zu haben.

Der wichtigste und aufregendste Moment war natürlich der Empfang der geweihten Hostie. Zum Schluss der Messe standen wir mit der Erstkommunionkerze vorm Altar und warteten auf den Segen. Aber ach! Der Tropfenfänger, welcher meine Kerze zierte, fing plötzlich Feuer. Ich erschrak, doch meine Patentante kam schnell zu mir gelaufen und löschte. Die Lieder waren grösstenteils Kinderkirchenlieder. Das Schlusslied: “Fest soll mein Taufbund immer steh’n ...” ist mir noch sehr in Erinnerung geblieben, nicht zuletzt wegen des Inhalts, dem Glauben treu zu bleiben. Gerade das hatte uns der Pfarrer mehrmals ans Herz gelegt.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich treu blieb, mich aber zu den katholischen Christen zähle, die sich durchaus ihre eignen Gedanken machen und nicht blind dem folgen, was der Papst meint. Die Anbindung an eine christliche Gemeinde finde ich gar nicht so schlecht. Es hat für mich auch eine soziale Komponente. In der Pfarrgemeinde fühlt man sich füreinander verantwortlich. So findet man bei persönlichen Problemen dort schon mal Gesprächspartner. Meine Zeit in der Pfarrjugend am Ende der 80iger Jahre möchte ich nicht missen, wir haben viel unternommen und das war gerade zu DDR-Zeiten eine “Nische”, wo man mal sagen konnte, was man denkt und kein zwangsverordnetes FDJ-Studienjahr, dem sowieso kein Mensch glauben konnte. Die Kurse des Jugendbildungshauses Rossbach (bei Naumburg) an denen ich teilnahm, sind mir ebenfalls in guter Erinnerung. Auch habe ich ministriert und 8 Jahre eine Ministrantengruppe geleitet sowie Sternsingergruppen auf ihren Wegen begleitet. Ministrantenstunden und Sternsingeraktionen haben immer sehr viel Spass bereitet, unter uns Teens und Twens kam immer Gaudi auf, es war alles andere als streng.