Newsflash

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen bleiben alle unsere Häuser – zu unserem größten Bedauern – bis auf Weiteres geschlossen.

Helmut Kitzmann

Kriegsende

Am 17. Januar 1945 verließen wir unsere Heimat im Warthegau. Es war höchste Zeit, denn die sowjetischen Truppen waren weit vorgedrungen, ein Spähtrupp kam schon auf Sichtweite heran. Ein Treck wurde zusammengestellt, und dann ging es über Breslau, Lieg-nitz, Görlitz, Pirna, Chemnitz in Richtung Westen. Unser Pferdewagen kam am 28. Februar in Schellsitz an. Unterwegs immer die bange Frage, werden wir eine neue Heimat finden, wo werden wir landen. Wir hatten sehr viel Glück, denn eigentlich sollte der Treck ja durch Dresden fahren, und das am 13. Februar - am Tag des verheerenden Bombenangriffs. Ein Zufall verhinderte das.

In Schellsitz bekamen wir von den örtlichen Behörden ein Zimmer zugewiesen. Unsere Familie bestand aus neun Personen, es war sehr eng, aber wir waren glücklich, unbeschadet diese weite Tour überlebt zu haben. Aber der unselige Krieg war ja noch nicht zu Ende. Der Einmarsch der amerikanischen Truppen stand bevor. Wird alles gut gehen? Ein Tag vor dem Einmarsch, am 11. April, bekam ich den Auftrag, in Grochlitz einzukaufen. Es war bereits Voralarm. Ich befand mich mit zwei weiteren Kunden im Laden von Bäcker Meier, als plötzlich Jagdbomber auftauchten. Wir rannten zwischen den Gärten in Richtung "Alter Felsenkeller", da fielen schon die ersten Bomben. Beim dritten Anflug schlugen die Bomben etwa 40 Meter von uns entfernt ein. Glücklicherweise erreichte ich, meine beiden Begleiter hatte ich verloren, den Stollen am Zuckerberg, der als Luftschutzbunker eingerichtet war. Dort konnte ich das Ende des Angriffs abwarten.

An nächsten Tag, 12. April, rückten die amerikanischen Truppen in Naumburg ein. Unsere Familie hielt sich vorsichtshalber im Keller auf. Es war aber ruhig, Kämpfe fanden nicht statt, und so begaben wir uns bald ins Freie. Wir sahen die amerikanischen Fahrzeuge auf der Straße oberhalb des Felsenkellers in Richtung Schönburg fahren. Nach Schellsitz kamen sie erst am 13. April. Erstmalig sahen wir "Amis", die besonders zu uns Kindern sehr freundlich waren.

An eine Begebenheit erinnere ich mich gern: Der Schellsitzer Fährkahn war plötzlich verschwunden. Zum Übersetzen gab es nur als Aushilfe einen kleineren Fischerkahn. Ich habe einige Tage den Fährmann "gespielt". Eines Tages standen 18 amerikanische Soldaten da, die unbedingt auf einmal übersetzen wollten. Es war nicht einfach, der Kahn lag tief im Wasser, aber ich habe es geschafft.