Newsflash

 

 

Vom 1. November bis (voraussichtlich) 30. November 2020 sind auch die Naumburger Museen zur Pandemieeindämmung geschlossen.

 

 

MKPlakat2020 07Max Klinger-Haus Naumburg-Großjena
5. April bis 1. November 2020

Das Grab im Weinberg

Max Klinger (1857–1920).
Zum 100. Todestag.

- Am 4. Juli 1920 starb der Grafiker, Maler und Bildhauer Max Klinger auf seinem Weinberg in Großjena. Am 8. Juli wurde er unter großer öffentlicher Anteilnahme hier auch beigesetzt. Der 100. Todestag gibt Anlass, die Umstände seiner Beerdigung sowie die Entstehung und Bedeutung der Grabanlage näher zu beleuchten.

Dass Klinger seine letzte Ruhestätte nicht in seiner Geburts- und Heimatstadt Leipzig fand, sondern auf seinem Großjenaer Weinberg, geschah auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin. Eine Beisetzung auf privatem Grund war keineswegs selbstverständlich, denn in Preußen bestand wie auch in anderen Ländern ein allgemeiner Friedhofszwang. Auch die Aufstellung der lebensgroßen Bronzeplastik eines niederknienden Athleten, die als Sinnbild des Ringens des Künstlers mit sich und seiner Zeit verstanden werden kann, hatte Klinger selbst verfügt.

Die weitere Gestaltung der Grabanlage wurde von Johannes Hartmann realisiert, einem mit Klinger befreundeten Leipziger Bildhauer. Für den Zugang zur Grabstelle schuf er 1921 zwei marmorne Hermenfiguren mit dem Antlitz Klingers sowie dessen Ehefrau Gertrud. Ihre Aufstellung erfolgte auf Wunsch der jungen Witwe, die Klinger nur ein Dreivierteljahr vor seinem Tod im Rahmen einer Nottrauung im November 1919 nach einem Schlaganfall geheiratet hatte und die ihn bis zu seinem Tod unterstützte und pflegte. Die Hermen mit ihren idealisierten Bildnissen nobilitieren und verklären die Beziehung zwischen dem Künstler und seinem einstigem Modell und betonen den privaten Charakter der Gedenkstätte, die an keiner Stelle einen Hinweis auf die Bedeutung des Verstorbenen als Künstler gibt.

Die Ausstellung zeichnet anhand von grafischen und plastischen Arbeiten, historischen Fotografien, Archivmaterialien sowie eines Filmdokuments den Tod und die Beisetzung Klingers sowie die Entstehung der Grabstätte und ihrer Kunstwerke nach. Im Mittelpunkt steht dabei die Figur des Athleten, für die Klinger 1901 ein Berufsathlet Modell gestanden hat.