Juni 2013: Neuerwerbung

Ein Siegel Nikolaus von Amsdorfs

Manchmal sind die Wege verschlungen, auf denen ein Objekt seinen Weg in die Museumssammlung findet. Dr. Peter Kritzinger, Althistoriker an der Universität Jena, beschäftigt sich mit antiken (also vorwiegend römischen) Siegeln. Da dies ein bisher kaum beackertes Gebiet der Wissenschaft ist und deshalb in öffentlichen Sammlungen relativ wenige Beispiele zu finden sind, beobachtet er aufmerksam den Handel, in dem immer wieder solche Objekte auftauchen, was seine Kollegen natürlich wissen und unterstützen. Vor einigen Wochen erhielt er nun einen Tipp aus Köln: Prof. Johannes Heinrichs, der unlängst vertretungsweise in Jena gelehrt und die Umgebung kennen und schätzen gelernt hatte, wies darauf hin, dass im Katalog eines Münchener, auf Numismatik spezialisierten Auktionshauses ein frühneuzeitliches Siegel aus Naumburg angeboten werde. Ob das für Kritzinger, obwohl natürlich nicht in sein primäres Arbeitsgebiet fallend, dennoch interessant sei? Da die Zeit bis zur Auktion nur noch kurz war, entschloss sich Dr. Kritzinger spontan, ein Gebot abzugeben und diese Frage später zu klären. Und tatsächlich: er erhielt den Zuschlag und hielt nach wenigen Tagen das erworbene Siegel in der Hand. Da er sich sicher war, dass das gute Stück in Naumburg auf Interesse stoßen würde, kontaktierte er sogleich das Naumburger Stadtmuseum und bot an, das Siegel gegen die Erstattung der Auslagen weiterzugeben. Natürlich nahmen wir diesen Vorschlag dankbar an.

nikolaus-amsdorf-siegelSiegel Nikolaus von AmsdorfsDiese Neuerwerbung ist ein wirklich interessantes Stück. Zum einen handelt es sich um ein sehr gutes Exemplar des Siegels Nikolaus von Amsdorfs (1483–1565) aus seiner ja recht kurzen Amtszeit als Bischof von Naumburg (1542–46/47). Das Siegel zeigt einen viergeteilten Wappenschild mit dem Stiftswappen (Schlüssel und Schwert, Felder 1, 4) und dem amsdorfschen Familienwappen (springender Bock, 2,3). Über dem Wappenschild zwei Helme, deren Zier wiederum die entsprechenden Attribute zeigen: links ragen zwei Stiftsfahnen aus einer Mitra, rechts der springende Bock des Familienwappens aus einer Krone. Die Umschrift des im Durchmesser 51 mm messenden Siegels lautet: "NICLAS VON AMSDORF. BISCHOF ZU NAUNBURG".

Der Neuzugang weist einige feine Brüche und drei kleine Fehlstellen auf, ist aber sonst sehr schön erhalten. Für Ausstellungszwecke ist das Siegel besonders gut geeignet, weil man es – was heute kein verantwortungsvoller Archivar/Sammler mehr tun würde – aus einem besiegelten Schriftstück herausgeschnitten zu haben scheint. Obwohl man dies aus unserer heutigen Sicht – und auf den ersten Blick – nur als Vandalismus bezeichnen könnte, erhält das Siegel gerade hierdurch eine weitere historische Dimension. Der "man", der da unter Verdacht steht, die Schere angesetzt zu haben, scheint nämlich niemand anderer als der jedem Naumburger bestens bekannte Carl Peter Lepsius (1775–1853) gewesen zu sein. Dies  ergibt sich daraus, dass sich das Siegel in einer gedrechselten Kapsel befindet, deren Deckel beschriftet ist. Dort liest man: "Wappen Niclas von Amsdorf Bischof zu Naumburg. Andenken vom Herrn Landrath Lepsius in Naumburg am 3ten Febr. 1836." Wir können daraus also schließen, dass Carl Peter Lepsius das Siegel irgend jemandem zum Abschied geschenkt hat, wir wissen allerdings (noch) nicht, wem.

Lepsius hatte sich intensiv mit den Naumburger Siegeln beschäftigt, sowohl die Siegel der Bischöfe als auch die der Stadt und diejenigen der Innungen hatten sein Interesse gefunden. Aber ging sein Interesse so weit, dass der Nestor der mitteldeutschen "Altertumsforschung"  historische Urkunden zerschnitt, um Abschiedsgeschenke für verdiente Mitarbeiter oder sonst jemanden zu basteln? Der zweite Blick zeigt, dass wir dies zu unserer Erleichterung nicht annehmen müssen. Das Siegel ist auf ein relativ rauhes, graublaues Papier aufgebracht, das wir aus dem Nachlass des Naumburger Landraths gut kennen. Er hat z. B. die Blätter seiner Sammlung historischer Stiche auf Bögen vergleichbarer Papierqualität aufgeklebt. Dies ist kein Papier, auf das man jemals wichtige Texte geschrieben hätte, zumal uns diese Sorte Papier in Akten des 16. Jahrhunderts noch nicht begegnete. Andererseits wissen wir aber, dass Lepsius eine umfangreiche Sammlung von Petschaften (Siegelstempeln) zusammengetragen hatte, zu denen auch dasjenige des oben beschriebenen Siegels gehörte. Unser Siegel, so können wir also mit einiger Sicherheit sagen, ist ein Abdruck, den Lepsius selbst angefertigt hat. Dies schmälert allerdings seinen Anschauungswert in keiner Weise.

Nachtrag:
So wenig wir wissen, wie die historischen Petschaften damals ihren Weg in die Sammlung von Carl Peter Lepsius gefunden haben, so wenig wissen wir was aus ihnen geworden ist, weshalb wir für Hinweise über den Verbleib speziell der Amsdorf-Petschaft natürlich sehr dankbar wären...

19. Juni bis 29. September 2013

Eine Fahrt nach Auschwitz

klassenfoto-auschwitzfahrtGruppenbild mit dem Zeitzeugen Waclaw DlugoborskiWenn eine Schulklasse nach Auschwitz fährt, dann mag das für sich noch keine Nachricht sein, die wir auf diesem Weg verbreiten müssten. Der Besuch von Erinnerungsorten wie Auschwitz, Buchenwald oder auch Kreisau gehört durchaus zum regelmäßigen Programm engagierter Schulen, die den Anspruch, ihre Schüler mit der deutschen Geschichte umfassend bekannt zu machen, nicht aufgegeben haben. Schüler der 9. und 10. Klassen der Freien Schule Burgenland sind über das normale Besuchsprogramm aber noch einen Schritt hinausgegangen: Sie haben eine Ausstellung zusammengestellt, die wir ab Mittwoch, dem 19. Juni in der “Hohen Lilie” zeigen werden. Die Ausstellung veranschaulicht, wie die Schüler sich dem Thema genähert haben und wie hilflos junge Menschen heute der unvorstellbaren Gewalt und Grausamkeit des Geschehens gegenüberstehen.

Lichtbildvortrag am 28. Mai, um 18:15 Uhr in der Galerie im Schlösschen

"Die Malerei geht ins Freie. Das Bild der Natur im Jahrhundert des Impressionismus"

Joakim Skovgaard: "Ein heißer Sommertag"Joakim Skovgaard: "Ein heißer Sommertag"

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung "Dänische Malerei 1830-1910. Die Sammlung Lührs", die bis zum 2. Juni 2013 in der Galerie im Schlösschen präsentiert wird, referiert am Dienstag, dem 28. Mai 2013 um 18:15 Uhr der Kunsthistoriker und Referent der Kulturdirektion Erfurt Dr. Wolfram Morath-Vogel in seinem Lichtbildvortrag zu folgendem Thema:

"Die Malerei geht ins Freie. Das Bild der Natur im Jahrhundert des Impressionismus"
Die Anfänge der modernen Freilichtmalerei liegen in Rom und der "bildschönen" italienischen Landschaft, wo der französische Landschaftsmaler und Rom-Stipendiat Pierre-Henri de Valenciennes seine im Atelier komponierten Bilder schon seit den späten 1770er Jahren durch Studien vorbereitet, die er im Freien malt. Nicht nur der junge Corot und zahlreiche französische Maler, sondern auch deutsche Romantiker und dänische Realisten, die es in Scharen nach Rom zieht, folgen seinem Beispiel. Das Erlebnis des Lichts und des farbigen Sehens ist im Freien ein anderes als im Atelier. Ab etwa 1830 formiert sich in Frankreich ein Zusammenschluss gleichgesinnter Maler am Rande des Waldes von Fontaineblau, die "Schule von Barbizon". Doch zum unaufhaltsamen Welterfolg wird die Konzeption des neuen Sehens erst mit dem Impressionismus. Als künstlerische Erkenntnishaltung erlangt er seine reinste Ausprägung in Frankreich. Und von einem seiner zentralen Repräsentanten werden auch die extremsten Konsequenzen der impressionistischen Wahrnehmungskonzeption gezogen, nämlich im Spätwerk des großen Claude Monet (1840 - 1926). Der Vortrag erörtert nicht die nationalen Varianten des Phänomens im 19. Jahrhundert, vielmehr akzentuiert er die  Bedeutung des Impressionismus für die Entwicklung einer neuen Bildlichkeit, deren geschichtliche Dynamik bis hin zur amerikanischen Avantgarde nach 1945 verfolgt werden kann.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

7. Juni bis 28. Juli 2013 - Ausstellung im Schlösschen

Auf den Spuren der Hussiten

hussiten-plakat 4001415 wurde der tschechische Reformator Jan Hus als Ketzer hingerichtet. Unter seinem Namen entbrannte in Böhmen eine Revolution, die in Kriege mündete. Sie traumatisierte ganze Epochen und viele Nachbarländer, prägte aber auch mit sozialen Ideen den Vorabend der Neuzeit.
Die Ausstellung motiviert, der Hussitenzeit und ihren Folgen auf Exkursen durch Geschichte, Regionen und Kulturtraditionen nachzuspüren. Exponate, Filme und Animationen bieten intensive Einblicke für jeden, der sich für unsere Wurzeln interessiert.
Autoren aus drei Ländern erstellten diese Aufarbeitung eines schwierigen Kapitels der Nachbarschaftsgeschichte.

6. April bis 2. Juni 2013, Galerie im Schlösschen

Dänische Malerei 1830–1910

Die Sammlung Lührs

Die dänische Malerei des "goldenen Zeitalters" und der darauf folgenden Jahrzehnte bis zu den "Skagensmalern" ist ein spannendes und bisher in unseren Breiten wenig beachtetes Kapitel der europäischen Kunstgeschichte. Der Privatsammler Wolfgang Lührs, Naumburg, hat mit Geduld und Spürsinn eine umfangreiche Sammlung dänischer Gemälde zusammengetragen, die einen schönen Überblick über die Entwicklung der Malerei jener Zeit in unserem nördlichen Nachbarland bietet.

Die Sammlung, die zwischenzeitlich beim Museum Altona eingelagert war, wurde bereits in Hamburg, Stade, Rostock und im dänischen Viborg gezeigt. Das Stadtmuseum Naumburg hat ca. 70 Gemälde ausgewählt, die vom 6. April bis 2. Juni in der Galerie im Schlösschen ausgestellt werden.

Die Ausstellung wurde am 6. April durch den Naumburger Oberbürgermeister Bernward Küper in Anwesenheit des dänischen Botschafters Per Poulsen-Hansen eröffnet.


Begleitpublikation zur Ausstellung:

Siegfried Wagner (Hg.): Dänische Malerei 1830-1910. Die Sammlung Lührs. Mit Beiträgen von Wolfgang Lührs, Kristin Gerth und Stefan Gregor. Stadtmuseum Naumburg, 2013.
110 Abbildungen, 112 Seiten, 7.00 Euro.

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Galerie im Schlösschen, Markt 6, 06618 Naumburg
Eintritt: 3,00 Euro (ermäßigt: 2,00 Euro; Kinder und Schüler: frei). Die Eintrittskarte gilt auch für das Stadtmuseum Hohe Lilie.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10-17 Uhr; Montag Ruhetag.

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