Mai/Juni 2015 Stadtmuseum Hohe Lilie

Fotos von Anja Klintzsch: Naumburg 1990 ff.

klintzsch 1990ff 500Zur diesjährigen Museumsnacht am 16. Mai hatten wir eine kleine Sonderausstellung mit Fotos von Anja Klintzsch zusammengestellt. Vor genau 25 Jahren hatte die heute in Schleswig-Holstein lebende Fotografin zum ersten Mal nach vielen Jahren die Saalestadt Naumburg wieder besucht. Sie kannte Naumburg aus ihren Kindheitstagen, da sie 1943 als zehnjähriges Mädchen aus Berlin nach Naumburg evakuiert worden war. Bis 1949 hatte sie hier gelebt, als sie in den Westen flüchtete. Doch eine heimliche Sehnsucht nach Naumburg blieb immer bestehen, so die Fotografin.

Erschüttert vom Verfall der historischen Bauten fotografierte Antje Klintzsch nun bei ihren Besuchen die baufälligen Häuser und Straßenzüge Naumburgs. Mehrere Jahre in Folge zog es sie mit der Kamera in die Saale­stadt, wo sie auch den Sanierungsfortschritt in der Altstadt miterleben konnte.

Nach einer kleinen Ausstellung in Bargteheide, die auch in der Sparkasse in Naumburg zu sehen war, überließ Frau Klintzsch Abzüge Ihrer Fotos dem Stadtmuseum Naumburg zur dauerhaften Archivierung.

Die Ausstellung mit den Klitzsch-Fotos wurde von den Besuchern der Museumsnacht so gut aufgenommen, dass wir uns entschlossen haben, die Bilder vorerst noch hängen zu lassen um so auch denen die Gelegenheit zur Betrachtung zu geben, die zur Museumsnacht dazu keine Gelegenheit fanden.

ab 21. Februar 2015 - Stadtmuseum Hohe Lilie

SED - Wenn du nicht gehst, dann gehen wir!

Plakat: SED - Wenn du nicht gehstIm Stadtmuseum Hohe Lilie am Markt wird vom 21. Februar bis 17. Mai eine Ausstellung der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn gezeigt, die bereits in Halle, Wittenberg und Magdeburg zu sehen war. Die Ausstellung unter dem Titel "SED - wenn du nicht gehst, dann gehen wir!" entstand in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Sie dokumentiert die Friedliche Revolution in der DDR und den Prozess, der zur deutschen Einheit führte.

Ausgangspunkt dieser Ausstellung bildet die gefälschte Kommunalwahl vom 7. Mai 1989, welche den Anfang vom Ende der DDR markiert. Die Ausstellung möchte ein breites Publikum an den Herbst 1989 erinnern und zum Nachdenken über die Bedeutung der Jahre 1989/1990 für die Gegenwart und Zukunft anregen. Das Hauptaugenmerk der Ausstellung gilt den Protagonisten der Bürgerrechtsbewegung, deren Aktionen entscheidend zum Sturz des SED-Regimes, zur Durchlässigkeit der innerdeutschen Grenze und schließlich zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten beitrugen.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Aktivitäten der oppositionellen Basisgruppen sowie der Ausreiseantragsteller im Frühjahr 1989, mit der im Sommer 1989 einsetzenden Fluchtwelle, der Formierung neuer Bürgerbewegungen und Parteien, den landesweiten Demonstrationen und Kundgebungen im Herbst 1989, der Grenzöffnung, der programmatischen Neuausrichtung der Oppositionsgruppen, der Verschiebung der Machtverhältnisse bis zu den ersten freien Wahlen im März 1990 und schließlich mit dem Prozess zur Wiederherstellung der staatlichen Einheit. Die Ereignisse werden den Besuchern anhand von zeitgenössischen Dokumenten, Erinnerungsinterviews mit damaligen Akteuren und Sequenzen aus zeitgenössischen TV-Beiträgen vermittelt.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 20. Februar um 18 Uhr findet ein Podiumsgespräch im Saal des Naumburger Tageblatts statt. Als Teilnehmer des Gesprächs konnten Arnold Vaatz (ehemaliger Bürgerrechtler und CDU-Bundestagesabgeordneter), die einstige Naumburgerin Angelika Cholewa (inhaftiert wegen "versuchter Republikflucht", von der BRD freigekauft) und Heiko Lietz (ehemaliger Politiker und Bürgerrechtler, saß für das Neue Forum am Runden Tisch) gewonnen werden. Die Moderation übernimmt der Vorsitzende der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Maik Reichel. Im Anschluss an das Podiumsgespräch sind alle Gäste herzlich eingeladen, sich die Ausstellung in der Hohen Lilie anzuschauen.

August 2014.

Unendliche Freude, 1945.

- Manchmal erhalten wir kleine Geschenke, unscheinbare Dinge, die anonym an der Museumskasse abgegeben werden oder per Post ins Haus kommen. Wenn keine Informationen mitgeliefert werden, ist es oft schwierig, abzuschätzen, worin der spezielle, oft emotionale Wert der Objekte liegen könnte und es bleibt manches Mal das Gefühl, dass bei der Übergabe der Objekte eine wichtige Dimension verloren ging. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung sprechen die Dinge nämlich nicht für sich selbst, die Geschichten, die an ihnen hängen, müssen mit Ihnen aufbewahrt werden. Deshalb sind wir natürlich froh, wenn die Spender ein paar Worte zur Herkunft der übergebenen Gegenstände mitteilen. So in diesem Fall, über den wir hier berichten wollen: Ende August 2014 erreichte uns der im Folgenden abgedruckte Brief von Frau Keppler aus Halle.


Liebe Mitarbeiter/innen

ich bin gebürtige Naumburgerin, Jahrgang 1939, und bin dabei meinen Haushalt aufzulösen. Beim Sichten der relativ umfangreichen Bücheranzahl, entdeckte ich dann beigefügte Exemplare!
Fragen Sie nicht, WAS mir da alles durch den Kopf ging!
Diese bescheidenen, heute „armselig“ anmutenden Hefte hatten entweder meine Mutter oder (ich weiß nicht mehr, wann mein Vater aus der Internierung kam) besorgt. Sie hatten mir damals un-end-li-che Freude bereitet. Es gab doch reinweg gar nichts!
Ich liebte meinen Purzeplus über alles! Ich muss sie durchgepaust und weiterverschenkt haben!
Die Druckerei Lippert war damals, soweit ich mich erinnere, in der Bahnhofstraße. Von unserem Haus in der Wiesenstraße konnten wir in die „Fabrik“ sehen.
Noch heute habe ich den Klang der Setzmaschinen im Ohr. Wie im ersten Heft erwähnt „kamen dann die ‘Freunde’“ und was sie nicht brauchten wurde durch die riesigen Glasfenster in den Garten geworfen.
Nun tut es mir leid, diese „Zeitzeugen“ so einfach in den Müll zu werfen. Nachkriegszeit: - kein Papier - kein Spielzeug für die Kinder - Aufbruch.
Vielleicht haben Sie eine kleine Ecke für diese eigentlich doch lustigen Arbeiten der Frau Eichstaedt, wo Sie es erhalten?
Danke für’s Zuhören
und frdl. Gruß aus Halle

von E. Keppler.


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Man kann nur ahnen, was die beiden Heftchen mit ihren fantasievollen Scherenschnitt-Illustrationen für ein kleines Mädchen in der unmittelbaren Nachkriegszeit bedeutet haben mögen. Auf den Innenseiten der Umschläge finden sich jeweils in unbeholfener Kinderschrift verfasste, ausführliche Inhaltsverzeichnisse, die zeigen, wie intensiv die kleine Besitzerin sich mit ihren Schätzen beschäftigte. Die Bleistiftkonturen, mit denen die Schattenrisse versehen sind, bestätigen, dass die Bildchen abgepaust wurden, wohl um die Freundinnen am eigenen Glück teilhaben zu lassen.

Der Uta-Verlag, der die Heftchen produzierte, hatte seine Arbeit schon in den ersten Wochen der Nachkriegszeit wieder aufgenommen. Unter seinen ersten Produkten war ein schmales deutsch-englisches Wörterbuch, dem, nachdem die Amerikaner ab- und die Sowjetsoldaten eingezogen waren, ein russisches Wörterbuch folgte. Neben einer ansehnlichen Struwwelpeter-Ausgabe veröffentlichte der Verlag hauptsächlich billige Klassiker-Reprints, immer in Zusammenarbeit mit der Druckerei Lippert & Co. Ende der Vierziger Jahre verlegte der Inhaber Kurt Slenska den Firmensitz nach Essen/Uelzen und produzierte von da an ausschließlich triviale Roman-Heftchen.

Auch die Autorin der "Purzeplus"-Heftchen, Ingeborg Eichstaedt (=Inge Lorck), ging in den Westen und lebt noch heute in Köln. Den Kontakt nach Naumburg ließ sie aber niemals abreißen.


henschler-triptychon-mitte-60015. Juni bis 2. November 2014 - Hohe Lilie.

SINAI

Hinterglasmalerei von Kathrin Henschler.

- Das Stadtmuseum Hohe Lilie zeigt ab dem 15.06.2014 die beeindruckenden Hinterglasmalereien der Leipziger Künstlerin Kathrin Henschler. Die geborene Naumburgerin studierte Malerei an der Burg Giebichenstein in Halle, an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und am Camberwell College of Art in London. Bis zum 2. November werden die großformatigen, figurativen und teilweise beleuchteten Arbeiten unter dem Titel "Sinai" zu erleben sein und nicht nur Kunstfreunde faszinieren.


Sehenswert ist zudem die parallel laufende Sonderausstellung im Naumburger Dom Glanzlichter. Meisterwerke zeitgenössischer Glasmalerei .

Naumburger Münzfund. Foto: M. MazellaDer Naumburger Münzfund. Foto: M. MarzellaDer Münzschatz ist zurück!

Vor nunmehr 8 Jahren wurden bei Aushubarbeiten auf dem Grundstück Jakobsgasse 20 insgesamt 498 Silbermünzen ans Tageslicht befördert, zum Teil fast prägefrischem Zustand. Die Münzen stammen aus den verschiedensten Gegenden des Reiches zwischen Lübeck und Zürich und wurden zwischen 1470 und 1562 geprägt. Da Münzschatzfunde aus dieser Zeit äußerst selten sind, kommt dem Naumburger Fund durchaus eine überregionale Bedeutung zu.

Bereits in den Jahren 2006/2007 war der Münzschatz im Stadtmuseum ausgestellt, allerdings nur kurz, denn für die Sonderausstellung „Fundsache Luther - Archäologen auf den Spuren des Reformators“ wanderte er zunächst wieder nach Halle. Nun ist er also ins Naumburger Stadtmuseum zurückgekehrt, wo er als Dauerleihgabe bleiben wird.

Für die aktuelle Präsentation in der Hohen Lilie wurde eine neue Vitrine angefertigt, die durch Spenden der Sparkassenstiftung des Burgenlandkreises und des Museumsvereins Naumburg finanziert werden konnte. Ab sofort ist der spektakuläre Fund wieder zu besichtigen. Nicht nur Numismatiker dürften Freude am Anblick des kostbar funkelnden Silbers haben haben.

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