Einladung zur Filmvorführung: 11.12.15: 16 Uhr
Im Schlösschen, Markt 6, Naumburg.


Dorothea Buck

dorothea buck mutter mit kind 900Dorothea Buck: Mutter mit KindSeit diesem Wochenende bereichert eine kleine Plastik die derzeitige „Euthanasie“-Ausstellung im Schlösschen. Es handelt sich um das Bronze-Modell eines Denkmals, das 1964 vor der Schule an der Gartenstadt in Hamburg aufgestellt wurde und den Titel „Mutter mit Kind“ trägt. Schöpferin der Plastik ist Dorothea Buck, deren Lebensweg das Ausstellungsthema und die Stadt Naumburg miteinander verbindet.

Krankheit und Genesung

Dorothea Buck ist nämlich 1917 in Naumburg geboren. Ihr Vater war damals als Prediger in die Saalestadt versetzt worden, so dass sie ihre ersten Lebensjahre in Naumburg verbrachte, bevor die Familie zunächst nach Oldenburg und dann auf die Insel Wangerooge verzog. Dort erlebte sie mit 19 Jahren einen psychotischen Schub, der zur Diagnose „Schizophrenie“ und einer langen Reihe von traumatischen Erfahrungen mit der klinischen Psychiatrie in Deutschland führte. „Das schlimmste, was ich im Laufe meiner Klinikaufenthalte erlebt habe, war in Bethel“, erinnerte sie sich später an ihren ersten Psychiatrie-Aufenthalt, denn dort wurde sie nicht nur den üblichen, an Folter gemahnenden „Behandlungen“ unterzogen, dort wurde das junge Mädchen auch von einer ärztlichen Kommission im Sinne des „Erbgesundheitsgesetzes“ für „erbkrank“ erklärt und – ohne ihr Wissen – zwangssterilisiert. Dass Dorothea Buck das Nazi-Reich und seine Mordaktionen an psychisch Kranken überlebt hat, ist glücklichen Umständen zu verdanken und ihrem ungebrochenen Lebensmut. Im Lauf der Jahre konnte sie ihre Krankheit besiegen. Von 1969 bis 1982 war sie als Lehrerin für Kunst an der Fachschule für Sozialpädagogik in Hamburg tätig, sie arbeitete als Bildhauerin mit eigenem Atelier und schrieb mehrere Bücher, die sich mit ihren Erfahrungen beschäftigten und sie engagierte sich für mehr Menschlichkeit in der Psychiatrie. Im Jahre 1997 wurde sie dafür mit dem Bundesverdienstkreuz, 2008 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Unlängst gründete Dorothea Buck eine eigene kleine Stiftung, deren Ziel es ist, die Einbeziehung des Erfahrungswissens von Betroffenen in die psychiatrische Versorgung zu fördern. Professor Frank Schneider (Aachen), der die Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“ in Naumburg Anfang November eröffnete und die nun in Naumburg gezeigte kleine Plastik als Leihgabe zur Verfügung stellte, erhielt am 21.11.2015 den Preis des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ überreicht. Die Hälfte seines Preisgeldes übertrug er an die Dorothea-Buck-Stiftung.

Filmvorführung

Am Freitag, dem 11.12.2015, um 16:00 Uhr wird in der Ausstellung im Schlösschen der Film „Himmel und Meer. Dorothea Buck auf der Spur“, ein anrührendes Interview-Porträt der inzwischen hochbetagten Künstlerin gezeigt werden. Der Eintritt ist frei.

erfasst verfolgt vernichtet plakat 800

Ausstellungsvorschau
5.11.2015 bis 3.01.2016 - Galerie im Schlösschen

erfasst, verfolgt, vernichtet

Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus

Die Ausstellung nimmt die Frage nach dem Wert des Lebens als Leitlinie. Sie erzählt die Geschichte von Ausgrenzung, Zwangssterilisation und Massenmord. Anhand von konkreten Biographien beschäftigt sie sich mit den Opfern, den Tätern und den Opponenten und fragt schließlich nach der Auseinandersetzung mit dem Geschehen von 1945 bis heute. In den Akten der Opfer werden die vielen verschiedenen Akteure fassbar, die an den Verbrechen beteiligt waren. Ihren Blicken auf Patienten werden deren eigene Äußerungen gegenüber gestellt.

Eine Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde DGPPN in Kooperation mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Stiftung Topographie des Terrors. Sie wurde erstmals im Januar 2014 im Deutschen Bundestag und anschließend im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors in Berlin gezeigt. Nach Stationen in Düsseldorf, Köln, Günzburg und Aachen wird sie im November und Dezember 2015 erstmals in Mitteldeutschland zu sehen sein.

Die Ausstellung wird täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr zu sehen sein; der Eintritt ist frei. Es gibt einen Katalog (20 €) und eine Broschüre in leichter Sprache (5 €).

Plakat Mit Fleiss und Faden

Ab 1. Oktober 2015 - Stadtmuseum Hohe Lilie

Mit Fleiß und Faden

Stickereien aus drei Jahrhunderten

Ab Donnerstag, dem 1. Oktober 2015 zeigen wir im Sonderausstellungsraum der Hohen Lilie unter dem Titel Mit Fleiß und Faden Stickereien aus drei Jahrhunderten. Kern der Ausstellung ist eine Auswahl von Stickmustertüchern aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die daran erinnern, wie wichtig die Nadelarbeit in den zurückliegenden Jahrhunderten für die Erziehung der Mädchen zu tüchtigen Hausfrauen war. Im Gegensatz zum Nähen, Stricken, Stopfen etc. hatte das Sticken jedoch eine Sonderstellung, da es fast ausschließlich der Verzierung diente. Es handelte sich also im Verständnis der Zeit eigentlich um eine Luxusbeschäftigung, für die man neben der notwenigen Disziplin und mehr oder weniger aufwändigem Material auch viel freie Zeit und Muße benötigte. Entsprechend stammen die bestickten Objekte (vorwiegend Textilien, aber auch Klingelzüge, Notizbuchdeckel etc.) denn auch vornehmlich aus bürgerlichen Haushalten. Erst die Stickmaschinen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den bekannten Zentren um St. Gallen oder später in Sachsen (Plauen) ihren Siegeszug antraten, sorgten dafür, dass Stickereien bzw. bestickte Textilien zu wohlfeilen Massenartikeln wurden. Lediglich in Nischenmärkten wie etwa der Fahnenstickerei konnte sich die Stickerei als echtes Hand-Werk bis heute erhalten.

 

Mai/Juni 2015 Stadtmuseum Hohe Lilie

Fotos von Anja Klintzsch: Naumburg 1990 ff.

klintzsch 1990ff 500Zur diesjährigen Museumsnacht am 16. Mai hatten wir eine kleine Sonderausstellung mit Fotos von Anja Klintzsch zusammengestellt. Vor genau 25 Jahren hatte die heute in Schleswig-Holstein lebende Fotografin zum ersten Mal nach vielen Jahren die Saalestadt Naumburg wieder besucht. Sie kannte Naumburg aus ihren Kindheitstagen, da sie 1943 als zehnjähriges Mädchen aus Berlin nach Naumburg evakuiert worden war. Bis 1949 hatte sie hier gelebt, als sie in den Westen flüchtete. Doch eine heimliche Sehnsucht nach Naumburg blieb immer bestehen, so die Fotografin.

Erschüttert vom Verfall der historischen Bauten fotografierte Antje Klintzsch nun bei ihren Besuchen die baufälligen Häuser und Straßenzüge Naumburgs. Mehrere Jahre in Folge zog es sie mit der Kamera in die Saale­stadt, wo sie auch den Sanierungsfortschritt in der Altstadt miterleben konnte.

Nach einer kleinen Ausstellung in Bargteheide, die auch in der Sparkasse in Naumburg zu sehen war, überließ Frau Klintzsch Abzüge Ihrer Fotos dem Stadtmuseum Naumburg zur dauerhaften Archivierung.

Die Ausstellung mit den Klitzsch-Fotos wurde von den Besuchern der Museumsnacht so gut aufgenommen, dass wir uns entschlossen haben, die Bilder vorerst noch hängen zu lassen um so auch denen die Gelegenheit zur Betrachtung zu geben, die zur Museumsnacht dazu keine Gelegenheit fanden.

ab 21. Februar 2015 - Stadtmuseum Hohe Lilie

SED - Wenn du nicht gehst, dann gehen wir!

Plakat: SED - Wenn du nicht gehstIm Stadtmuseum Hohe Lilie am Markt wird vom 21. Februar bis 17. Mai eine Ausstellung der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn gezeigt, die bereits in Halle, Wittenberg und Magdeburg zu sehen war. Die Ausstellung unter dem Titel "SED - wenn du nicht gehst, dann gehen wir!" entstand in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Sie dokumentiert die Friedliche Revolution in der DDR und den Prozess, der zur deutschen Einheit führte.

Ausgangspunkt dieser Ausstellung bildet die gefälschte Kommunalwahl vom 7. Mai 1989, welche den Anfang vom Ende der DDR markiert. Die Ausstellung möchte ein breites Publikum an den Herbst 1989 erinnern und zum Nachdenken über die Bedeutung der Jahre 1989/1990 für die Gegenwart und Zukunft anregen. Das Hauptaugenmerk der Ausstellung gilt den Protagonisten der Bürgerrechtsbewegung, deren Aktionen entscheidend zum Sturz des SED-Regimes, zur Durchlässigkeit der innerdeutschen Grenze und schließlich zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten beitrugen.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Aktivitäten der oppositionellen Basisgruppen sowie der Ausreiseantragsteller im Frühjahr 1989, mit der im Sommer 1989 einsetzenden Fluchtwelle, der Formierung neuer Bürgerbewegungen und Parteien, den landesweiten Demonstrationen und Kundgebungen im Herbst 1989, der Grenzöffnung, der programmatischen Neuausrichtung der Oppositionsgruppen, der Verschiebung der Machtverhältnisse bis zu den ersten freien Wahlen im März 1990 und schließlich mit dem Prozess zur Wiederherstellung der staatlichen Einheit. Die Ereignisse werden den Besuchern anhand von zeitgenössischen Dokumenten, Erinnerungsinterviews mit damaligen Akteuren und Sequenzen aus zeitgenössischen TV-Beiträgen vermittelt.

Zur Eröffnung der Ausstellung am 20. Februar um 18 Uhr findet ein Podiumsgespräch im Saal des Naumburger Tageblatts statt. Als Teilnehmer des Gesprächs konnten Arnold Vaatz (ehemaliger Bürgerrechtler und CDU-Bundestagesabgeordneter), die einstige Naumburgerin Angelika Cholewa (inhaftiert wegen "versuchter Republikflucht", von der BRD freigekauft) und Heiko Lietz (ehemaliger Politiker und Bürgerrechtler, saß für das Neue Forum am Runden Tisch) gewonnen werden. Die Moderation übernimmt der Vorsitzende der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Maik Reichel. Im Anschluss an das Podiumsgespräch sind alle Gäste herzlich eingeladen, sich die Ausstellung in der Hohen Lilie anzuschauen.

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