Newsflash

 

 

Vom 1. November bis (voraussichtlich) 30. November 2020 sind auch die Naumburger Museen zur Pandemieeindämmung geschlossen.

 

 

NNochten plakat A1

29.08. bis 25. 10.2020: Stadtmuseum Hohe Lilie.

Augenblicke des Wandels - Politische Bilder 1988-1992.

Andreas Isak Neumann-Nochten

- Nazi-Schläger, die einen Mann zusammenschlagen, nur weil er eine Kippa trägt? Die Szene, die  an die unselige Vergangenheit gemahnt, aber leider auch  der prekären Gegenwart entstammen könnte, ereignete sich tatsächlich in Naumburg 1988, als der friedliebende Arbeiter- und Bauernstaat seinem unaufhaltsamen Ende entgegentaumelte. Angestachelt waren die Schläger ausgerechnet von der „Staatssicherheit“, jener Geheimpolizei, deren Aufgabe es war, den Aufbau des „Sozialismus“ gegen Gegner desselben (im Nazi-Jargon: „Volksfeinde“) abzusichern. Einen dieser „Feinde“ sah man offensichtlich in Andreas Neumann-Nochten, der sich als Theologie-Student in Naumburg u. a. für die Friedensbewegung engagierte.

Im Haus zur Hohen Lilie am Naumburger Marktplatz zeigt das Stadtmuseum ab dem 29. August explizit politische Bilder, die Neumann-Nochten, der von 1979 bis 1992 in Naumburg lebte,  zwischen 1988 und 1992 gemalt hat. Die Tage des Umbruchs und der friedlichen Revolution waren für ihn gleichermaßen Ziel und Höhepunkt eines Weges, den er bereits ab 1981 als Mitglied des Naumburger Friedensarbeitskreises beschritten hatte.
Ereignisse, Gedanken und Stimmungen, die ihn unmittelbar vor, mit und nach der politischen Wende beschäftigten wurden von ihm in Zeichnungen, Grafiken und Bildern verarbeitet. Sie sind Dokumente des kulturpolitischen Geschehens im deutsch-deutschen Zusammengehen, das in diesem Jahr sein 30jähriges Jubiläum begeht. Während diese augenscheinlich politischen Bilder im Sonderausstellungsraum im Erdgeschoss zu sehen sind, begegnet man im 1. Obergeschoss einer Serie von Buntstiftzeichnungen, auf denen der Maler historische Gebäudekomplexe vor ihrem Abriss festgehalten hat: „Augenblicke des Wandels“ entdeckt man auch hier.

Andreas Neumann-Nochten ist 1960 geboren. Er studierte ab 1979 Theologie am Katechetischen Oberseminar in Naumburg und engagierte sich viele Jahre in der hiesigen Friedensbewegung, deren kritisch-oppositionelle Haltung zum Regime oft genug repressive Maßnahmen nach sich zogen. Nach dem Studienabschluss war er als Krankenpfleger tätig und widmete sich gleichzeitig Studien im Bereich Malerei, Grafik und Karikatur. Es folgte ein Fernstudium im Fachgebiet Werbegrafik-Design. Nach einigen Jahren in Berlin fand er 1999 seinen Lebensmittelpunkt in Görlitz und arbeitet heute als freischaffender Künstler, Theologe und Publizist. Einige seiner Karikaturen, Plakate und Bilder wurden als illustrative Beispiele der DDR-Bürgerrechtsbewegung für das Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig erworben.