November 2017: Eine Bereicherung der Grafiksammlung

Ein äußerst seltenes Portrait Nikolaus von Amsdorfs

Nikolaus von Amsdorf 1558

Es mag nicht jedermann elektrisieren, was uns da in einem kleinen Päckchen kurz vor dem Totensonntag erreicht hat, Liebhaber der Naumburger Geschichte werden aber begeistert aufmerken: Im Katalog eines führenden, auf seltene Drucke spezialisierten Antiquariats fand sich zwischen einigen Dürer-, Rembrandt- und Goya-Stichen ein nicht ganz so prominentes, aber dafür um so rareres Porträt Nikolaus von Amsdorfs. Der Stich wird Peter Rodelstedt alias Gottlandt zugeschrieben, einem Maler, der wohl in der Cranach-Werkstatt in Wittenberg arbeitete, bevor er ab 1553 als Hofmaler Johann Friedrichs I. in Weimar wirkte. Gottlandts Stich ist eines der ganz wenigen zeitgenössischen Portraits Amsdorfs (wenn nicht das einzige), dessen Qualität eine gewisse Lebensnähe vermuten lässt. Die – etwas humanistisch verschwurbelte – Bildlegende bestätigt dies: kurz gesagt besagt sie, dass Amsdorf 1558, in seinem 75. Lebensjahr, genau so wie abgebildet ausgesehen habe.
Obwohl das Stadtmuseum Naumburg nicht wie jedes richtige Museum mit einem Ankaufsetat gesegnet ist – und trotz des schockierenden Preises der Grafik von 3.000 Euro, die wir mit Jammern und Wehklagen auf 2.500 Euro reduzieren konnten – haben wir uns entgegen aller landläufigen Vorstellungen von Vernunft entschlossen, das Blatt nach Naumburg zu holen, markiert doch Amsdorfs kurze und bis heute hoch umstrittene Tätigkeit als erster evangelischer Bischof (urbi et orbi!) einen Wendepunkt in der Stadtgeschichte (nicht nur zum Besseren). Und wenn sich dann in etlichen Jahren und Jahrzehnten die in den letzten Monaten und Jahren bereits abgefeierten Reformationsereignisse wirklich zum fünfhundertsten Male jähren werden, mögen unsere Nachfolger und Nachnachfolger (und -innen) hoffentlich froh darüber sein, dass sie wenigstens auf das Bildnis Amsdorfs zurückgreifen können, ist doch sonst von ihm viel weniger in der Stadt zu finden als von seinem am Ende auch im Hinblick auf die langfristige Publicity siegreichen Widersacher.

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Noch steht die Finanzierung des Ankaufs nicht endgültig auf sicheren Beinen, aber es ist jetzt schon gewiss: wir geben den Amsdorf-Stich nicht wieder zurück. Da wir den Erwerb zum Großteil aus Spendenmitteln bestreiten müssen (einen Teilbetrag steuert wohl freundlicherweise die Sparkassenstiftung bei), wären wir für zweckgebundene Spenden an unseren Unterstützerverein sehr dankbar (auch kleine Beträge helfen weiter).

Die Original-Grafik wird noch vor Weihnachten für einige Wochen in der Hohen Lilie zu sehen sein, danach werden wir aus konservatorischen Gründen eine Reproduktion ausstellen.

Die Bankverbindung für Ihre Spende:
Museumsverein Naumburg bei der Sparkasse des Burgenlandkreises
IBAN: DE35 8005 3000 1131 0066 97