Schönes Geschenk: ein mittelalterlicher Brakteat22.07.2019: Neuzugang Schenkung

Ein mittelalterlicher Brakteat als Geschenk

- Auf ungewöhnlichem Weg erreichte uns eine mittelalterliche Münze: Der Geschäftsführer der Lokalzeitung Olaf Döring überbrachte einen Brakteaten, den zwei junge Mediziner (Adam Wahida und Johannes Porz aus München bzw. Bonn)  bei einem Auktionshaus spontan erworben hatten, weil ein Besuch in Naumburg großen Eindruck auf die beiden gemacht hatte. 

Der hauchdünne Silberpfennig ist leicht eingedellt sonst aber recht gut erhalten. Für die Bestimmung der Münze konnten wir Dr. Manfred Mehl gewinnen, den z. Zt. wahrscheinlich besten Kenner der mitteldeutschen Münzlandschaft des Mittelalters. Tatsächlich ist unser Neuzugang bisher in der Literatur nicht bekannt, auch nicht in Mehls just letzte Woche erschienenem Monumentalwerk über die Naumburger Münzgeschichte, das alleine 365 verschiedene Brakteaten aufweist. Aufgrund typologischer Vergleiche konnte der Spezialist das Stück Dietrich II. (Amtszeit 1242-1272) zuweisen, dem produktivsten aller Münzherren unter den Naumburger Bischöfen. In Dietrichs Regierungszeit fiel die Errichtung des Dom-Westchors und damit die Beschäftigung des „Naumburger Meisters“, was den hohen Geldbedarf des Bischofs erklären mag. Denn jede neue Münze brachte Gewinn, weil altes, „verrufenes“ Geld mit Abschlag eingetauscht werden musste, was auch erklärt, warum die Brakteaten teilweise nur kurze Zeit im Umlauf waren.

Etwa zur selben Zeit, also nach der Mitte des 13. Jahrhunderts, errichte - vermutlich der Naumburger Rat - auch die „Kemenate“ in der Naumburger Bürgerstadt, jener straßenseitige Turm, der heute den ältesten Teil des Stadtmuseums Hohe Lilie bildet. Es gibt also kaum einen besseren Ort für die Präsentation als dieses Gebäude, das seit 750 Jahren Handel und Wandel der Stadt verkörpert.

Aktuell im Stadtmuseum,

Ein Volkswagen aus Naumburg kehrt zurück...

Der Volkswagen aus Naumburg kehrt heim...

Bereits am vergangenen Wochenende war der kleine blaue Flitzer aus den 1920er Jahren im Zelt der Oldtimerfreunde auf der Naumburger Automobilmesse zu sehen: der Nachbau eines der Peter-&-Moritz-Autos, die nach dem Ersten Weltkrieg zuerst in Eisenberg und dann einige Jahre lang in Naumburg hergestellt wurden. Gebaut hat es der technikbegeisterte ehrenamtliche Mitarbeiter im Technischen Museum Großschönau in Sachsen, Ingo Herbst, 71, der vor einiger Zeit zufällig auf einen der letzten erhaltenen P&M-Motoren gestoßen war. Beim Versuch, mehr über die Naumburger “Volkswagen” zu erfahren, stellte er fest, dass kein einziges der Autos dem Zahn der Zeit widerstanden hat und tatsächlich sehr wenig über deren Konstruktion bekannt ist - obwohl seit Jahrzehnten Oldtimerfreunde nach den Autos oder wenigstens Autoteilen, Konstruktionsplänen etc. gefahndet hatten. Herbst entschloss sich daher, eines der Modelle nachzubauen. Nach zweijähriger Arbeit kann er nun ein zwar noch nicht ganz fertiges, aber doch schon sehr anschauliches Exemplar präsentieren, das die Herzen aller Freunde historischer Technik höher schlagen lassen dürfte.
Auf Vermittlung der Naumburger Oldtimerfreunde und namentlich Thomas Reichenbachs kann das Schmuckstück vom 25. Mai bis zum Kirschfest im Stadtmuseum Hohe Lilie der Öffentlichkeit präsentiert werden. Das Stadtmuseum ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

 

Plane Alles Aus PlasteJuni bis 14. Oktober 2018 - Stadtmuseum Hohe Lilie

Schöner und bunter: Alles aus Plaste!

Fast alles ist heute ganz oder teilweise aus Kunststoff oder es wird in Plastik verpackt. Ist ein Leben ohne Kunststofferzeugnissen bzw. Plastikverpackungen überhaupt noch möglich? Und was ist mit der Umweltbelastung und dem Ressourcenverbrauch den unser verschwenderischer Umgang mit Kunststoffen mit sich bringt? In der Luft, im Boden, im Wasser, in der Nahrung: überall finden sich längst die Spuren davon. Die Welt droht im Kunststoffmüll zu ersticken.

Vor 70 Jahren war diese Entwicklung noch nicht absehbar. Auch in der DDR – oder gerade in der DDR? – eroberten seit den sechziger Jahren Erzeugnisse aus synthetischen Materialien den All­tag. Plasteprodukte sollten das tägliche Leben schöner und bunter gestalten. Die Angebotspalette reichte bald von Bad-Artikeln über Geschirr und Möbel bis zu bügelfreien Kleidungsstücken aus synthetischen Fasern. Selbst die Karosserie des Trabants bestand aus Kunststoff. Fortschrittsglaube, knappe Rohstoffe und fehlende Devisen verwandelten das Paradies der Werktätigen nach und nach in eine Welt aus Plaste und Elaste. Warum war das so und was wurde aus dem Plastikmüll? Diesen und anderen Fragen versucht unsere kleine aber informative Ausstellung ganz ohne DDR-Nostalgie nachzugehen.

Ratsrechnungen 1532 Detail

Januar 2018, Gemeinschaftsprojekt geht in die Probephase

naumburg transkribiert – ein Versuch in crowdsourcing

Von crowdsourcing spricht man dann, wenn viele Freiwillige zusammen eine Aufgabe übernehmen, die von einem Einzelnen (aus welchen Gründen auch immer) nicht geleistet werden kann. Der Museumsverein Naumburg will in den nächsten Monaten versuchen, auf dem Weg einer solchen Kooperation verschiedenster Beiträger eine der wichtigsten Quellen der Naumburger Stadtgeschichte für heutige Nutzer nutzbar zu machen. Es handelt sich dabei um die Rechnungsbücher des Naumburger Rates, in denen die Einnahmen und Ausgaben der Stadt verzeichnet sind und die viele, bisher wenig beachtete Informationen zum Leben in der Stadt enthalten. Ziel des Projektes ist es, die historischen Quellen so zu übertragen, dass die Texte mit Hilfe von Suchprogrammen erschlossen werden können, d.h., besondere editorische Maßstäbe werden an die Übertragungen nicht angelegt werden.

Wir haben den Archivbestand an Ratsrechnungen der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts komplett digitalisiert, einer Zeit also, die für die Geschichte der Stadt von prägender Bedeutung war.  Auf speziell für diesen Zweck eingerichteten Seiten stellen wir eine erste Tranche der Digitalisate – gut 1000 Seiten-Scans – zur Verfügung, um unser Transkriptionsprojekt in einen ersten öffentlichen Probelauf zu schicken. Es interessiert uns, ob die Technik funktioniert und ob  sich überhaupt (genügend) Interessenten finden, die sich an der Übertragung beteiligen wollen. Zur Mitarbeit eingeladen sind alle Interessierten Naumburger und (natürlich) Nicht-Naumburger in der großen, weiten Welt.

Mehr zu unserem Projekt und wie auch Sie sich - wenn Sie etwas Erfahrung im Umgang mit alten Schriften mitbringen - beteiligen können, erfahren Sie hier. Direkt auf die Transkriptionsseiten kommen Sie, wenn Sie hier klicken. Wir würden uns auf Ihre Unterstützung sehr freuen (für technische Hilfe übrigens auch).

Siegfried Wagner
Museumsverein & Stadtmuseum Naumburg

 

November 2017: Eine Bereicherung der Grafiksammlung

Ein äußerst seltenes Portrait Nikolaus von Amsdorfs

Nikolaus von Amsdorf 1558

Es mag nicht jedermann elektrisieren, was uns da in einem kleinen Päckchen kurz vor dem Totensonntag erreicht hat, Liebhaber der Naumburger Geschichte werden aber begeistert aufmerken: Im Katalog eines führenden, auf seltene Drucke spezialisierten Antiquariats fand sich zwischen einigen Dürer-, Rembrandt- und Goya-Stichen ein nicht ganz so prominentes, aber dafür um so rareres Porträt Nikolaus von Amsdorfs. Der Stich wird Peter Rodelstedt alias Gottlandt zugeschrieben, einem Maler, der wohl in der Cranach-Werkstatt in Wittenberg arbeitete, bevor er ab 1553 als Hofmaler Johann Friedrichs I. in Weimar wirkte. Gottlandts Stich ist eines der ganz wenigen zeitgenössischen Portraits Amsdorfs (wenn nicht das einzige), dessen Qualität eine gewisse Lebensnähe vermuten lässt. Die – etwas humanistisch verschwurbelte – Bildlegende bestätigt dies: kurz gesagt besagt sie, dass Amsdorf 1558, in seinem 75. Lebensjahr, genau so wie abgebildet ausgesehen habe.
Obwohl das Stadtmuseum Naumburg nicht wie jedes richtige Museum mit einem Ankaufsetat gesegnet ist – und trotz des schockierenden Preises der Grafik von 3.000 Euro, die wir mit Jammern und Wehklagen auf 2.500 Euro reduzieren konnten – haben wir uns entgegen aller landläufigen Vorstellungen von Vernunft entschlossen, das Blatt nach Naumburg zu holen, markiert doch Amsdorfs kurze und bis heute hoch umstrittene Tätigkeit als erster evangelischer Bischof (urbi et orbi!) einen Wendepunkt in der Stadtgeschichte (nicht nur zum Besseren). Und wenn sich dann in etlichen Jahren und Jahrzehnten die in den letzten Monaten und Jahren bereits abgefeierten Reformationsereignisse wirklich zum fünfhundertsten Male jähren werden, mögen unsere Nachfolger und Nachnachfolger (und -innen) hoffentlich froh darüber sein, dass sie wenigstens auf das Bildnis Amsdorfs zurückgreifen können, ist doch sonst von ihm viel weniger in der Stadt zu finden als von seinem am Ende auch im Hinblick auf die langfristige Publicity siegreichen Widersacher.

[Mehr zu diesem Objekt finden Sie  HIER .]

Noch steht die Finanzierung des Ankaufs nicht endgültig auf sicheren Beinen, aber es ist jetzt schon gewiss: wir geben den Amsdorf-Stich nicht wieder zurück. Da wir den Erwerb zum Großteil aus Spendenmitteln bestreiten müssen (einen Teilbetrag steuert wohl freundlicherweise die Sparkassenstiftung bei), wären wir für zweckgebundene Spenden an unseren Unterstützerverein sehr dankbar (auch kleine Beträge helfen weiter).

Die Original-Grafik wird noch vor Weihnachten für einige Wochen in der Hohen Lilie zu sehen sein, danach werden wir aus konservatorischen Gründen eine Reproduktion ausstellen.

Die Bankverbindung für Ihre Spende:
Museumsverein Naumburg bei der Sparkasse des Burgenlandkreises
IBAN: DE35 8005 3000 1131 0066 97

 

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