Plane Alles Aus PlasteJuni bis 14. Oktober 2018 - Stadtmuseum Hohe Lilie

Schöner und bunter: Alles aus Plaste!

Fast alles ist heute ganz oder teilweise aus Kunststoff oder es wird in Plastik verpackt. Ist ein Leben ohne Kunststofferzeugnissen bzw. Plastikverpackungen überhaupt noch möglich? Und was ist mit der Umweltbelastung und dem Ressourcenverbrauch den unser verschwenderischer Umgang mit Kunststoffen mit sich bringt? In der Luft, im Boden, im Wasser, in der Nahrung: überall finden sich längst die Spuren davon. Die Welt droht im Kunststoffmüll zu ersticken.

Vor 70 Jahren war diese Entwicklung noch nicht absehbar. Auch in der DDR – oder gerade in der DDR? – eroberten seit den sechziger Jahren Erzeugnisse aus synthetischen Materialien den All­tag. Plasteprodukte sollten das tägliche Leben schöner und bunter gestalten. Die Angebotspalette reichte bald von Bad-Artikeln über Geschirr und Möbel bis zu bügelfreien Kleidungsstücken aus synthetischen Fasern. Selbst die Karosserie des Trabants bestand aus Kunststoff. Fortschrittsglaube, knappe Rohstoffe und fehlende Devisen verwandelten das Paradies der Werktätigen nach und nach in eine Welt aus Plaste und Elaste. Warum war das so und was wurde aus dem Plastikmüll? Diesen und anderen Fragen versucht unsere kleine aber informative Ausstellung ganz ohne DDR-Nostalgie nachzugehen.

Ratsrechnungen 1532 Detail

Januar 2018, Gemeinschaftsprojekt geht in die Probephase

naumburg transkribiert – ein Versuch in crowdsourcing

Von crowdsourcing spricht man dann, wenn viele Freiwillige zusammen eine Aufgabe übernehmen, die von einem Einzelnen (aus welchen Gründen auch immer) nicht geleistet werden kann. Der Museumsverein Naumburg will in den nächsten Monaten versuchen, auf dem Weg einer solchen Kooperation verschiedenster Beiträger eine der wichtigsten Quellen der Naumburger Stadtgeschichte für heutige Nutzer nutzbar zu machen. Es handelt sich dabei um die Rechnungsbücher des Naumburger Rates, in denen die Einnahmen und Ausgaben der Stadt verzeichnet sind und die viele, bisher wenig beachtete Informationen zum Leben in der Stadt enthalten. Ziel des Projektes ist es, die historischen Quellen so zu übertragen, dass die Texte mit Hilfe von Suchprogrammen erschlossen werden können, d.h., besondere editorische Maßstäbe werden an die Übertragungen nicht angelegt werden.

Wir haben den Archivbestand an Ratsrechnungen der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts komplett digitalisiert, einer Zeit also, die für die Geschichte der Stadt von prägender Bedeutung war.  Auf speziell für diesen Zweck eingerichteten Seiten stellen wir eine erste Tranche der Digitalisate – gut 1000 Seiten-Scans – zur Verfügung, um unser Transkriptionsprojekt in einen ersten öffentlichen Probelauf zu schicken. Es interessiert uns, ob die Technik funktioniert und ob  sich überhaupt (genügend) Interessenten finden, die sich an der Übertragung beteiligen wollen. Zur Mitarbeit eingeladen sind alle Interessierten Naumburger und (natürlich) Nicht-Naumburger in der großen, weiten Welt.

Mehr zu unserem Projekt und wie auch Sie sich - wenn Sie etwas Erfahrung im Umgang mit alten Schriften mitbringen - beteiligen können, erfahren Sie hier. Direkt auf die Transkriptionsseiten kommen Sie, wenn Sie hier klicken. Wir würden uns auf Ihre Unterstützung sehr freuen (für technische Hilfe übrigens auch).

Siegfried Wagner
Museumsverein & Stadtmuseum Naumburg

 

November 2017: Eine Bereicherung der Grafiksammlung

Ein äußerst seltenes Portrait Nikolaus von Amsdorfs

Nikolaus von Amsdorf 1558

Es mag nicht jedermann elektrisieren, was uns da in einem kleinen Päckchen kurz vor dem Totensonntag erreicht hat, Liebhaber der Naumburger Geschichte werden aber begeistert aufmerken: Im Katalog eines führenden, auf seltene Drucke spezialisierten Antiquariats fand sich zwischen einigen Dürer-, Rembrandt- und Goya-Stichen ein nicht ganz so prominentes, aber dafür um so rareres Porträt Nikolaus von Amsdorfs. Der Stich wird Peter Rodelstedt alias Gottlandt zugeschrieben, einem Maler, der wohl in der Cranach-Werkstatt in Wittenberg arbeitete, bevor er ab 1553 als Hofmaler Johann Friedrichs I. in Weimar wirkte. Gottlandts Stich ist eines der ganz wenigen zeitgenössischen Portraits Amsdorfs (wenn nicht das einzige), dessen Qualität eine gewisse Lebensnähe vermuten lässt. Die – etwas humanistisch verschwurbelte – Bildlegende bestätigt dies: kurz gesagt besagt sie, dass Amsdorf 1558, in seinem 75. Lebensjahr, genau so wie abgebildet ausgesehen habe.
Obwohl das Stadtmuseum Naumburg nicht wie jedes richtige Museum mit einem Ankaufsetat gesegnet ist – und trotz des schockierenden Preises der Grafik von 3.000 Euro, die wir mit Jammern und Wehklagen auf 2.500 Euro reduzieren konnten – haben wir uns entgegen aller landläufigen Vorstellungen von Vernunft entschlossen, das Blatt nach Naumburg zu holen, markiert doch Amsdorfs kurze und bis heute hoch umstrittene Tätigkeit als erster evangelischer Bischof (urbi et orbi!) einen Wendepunkt in der Stadtgeschichte (nicht nur zum Besseren). Und wenn sich dann in etlichen Jahren und Jahrzehnten die in den letzten Monaten und Jahren bereits abgefeierten Reformationsereignisse wirklich zum fünfhundertsten Male jähren werden, mögen unsere Nachfolger und Nachnachfolger (und -innen) hoffentlich froh darüber sein, dass sie wenigstens auf das Bildnis Amsdorfs zurückgreifen können, ist doch sonst von ihm viel weniger in der Stadt zu finden als von seinem am Ende auch im Hinblick auf die langfristige Publicity siegreichen Widersacher.

[Mehr zu diesem Objekt finden Sie  HIER .]

Noch steht die Finanzierung des Ankaufs nicht endgültig auf sicheren Beinen, aber es ist jetzt schon gewiss: wir geben den Amsdorf-Stich nicht wieder zurück. Da wir den Erwerb zum Großteil aus Spendenmitteln bestreiten müssen (einen Teilbetrag steuert wohl freundlicherweise die Sparkassenstiftung bei), wären wir für zweckgebundene Spenden an unseren Unterstützerverein sehr dankbar (auch kleine Beträge helfen weiter).

Die Original-Grafik wird noch vor Weihnachten für einige Wochen in der Hohen Lilie zu sehen sein, danach werden wir aus konservatorischen Gründen eine Reproduktion ausstellen.

Die Bankverbindung für Ihre Spende:
Museumsverein Naumburg bei der Sparkasse des Burgenlandkreises
IBAN: DE35 8005 3000 1131 0066 97

 

Pulverschlag und Brand 1714Vor 500 Jahren: als Herr Peltz ausging und der Hausmann schlief.

Die Stadt und das Feuer

Vor 500 Jahren brannte Naumburg lichterloh. Kein anderes Gebäude in Naumburg  – mit Ausnahme des Wenzelsturmes – zeigt heute noch so deutlich die Spuren jener Katastrophe, wie das Stadtmuseum Hohe Lilie.  Als eines der wenigen Steingebäude der Stadt hatte die  „Kemenate" den Brand überdauert und so zeigt das Gebäude noch heute Spuren sowohl der Zeit davor als auch der Zeit des Neuanfangs. Sogar direkte Brandspuren sind noch nachweisbar.

In jenem Feuer des Jahres 1517 ging das mittelalterliche Naumburg unter. Die in den Jahrzehnten nach dem Brand in kompromissloser Modernität errichteten Renaissance-Häuser prägen das Stadtbild noch heute. Zur Erinnerung an die stadtbildprägenden Stadtbrände haben wir jetzt die „Pulverstele", einen Gedenkstein, der an die Pulverexplosion von 1714 erinnert, in die „Hohe Lilie" verbracht und begleitend dazu die Schilderung des damaligen Unglücks auf diesen Seiten bereitgestellt. Mehr dazu finden Sie unter dem folgenden LINK.

Neuzugang

Seltenes Gemälde der Bischofskurie

Wenige Städte mit einer vergleichbar langen Geschichte wie Naumburg sie aufweist dürften so arm an historischen Ansichten sein wie die Saalestadt. Aus der vorfotographischen Zeit haben wohl einige Ansichten die Zeitläufte überdauert, zumeist Gesamtansichten von Süden, wie sie schon Wilhelm Dilich gegen die Mitte des 17. Jh. gezeichnet hatte und wie sie nach ihm oft genug produziert und reproduziert wurden. Was jedoch schmerzlich fehlt, sind Detailansichten aus der Stadt. Straßenzüge, Gebäude, Genreszenen, Menschen in ihrem städtischen Umfeld waren nur selten Gegenstand von Malereien oder sie sind – wenn es sie in Naumburg jemals gegeben hat – nicht erhalten geblieben. Mag sein, dass das zum Pietismus neigende Naumburger Luthertum und die diesem inhärente Skepsis gegenüber allem Bildhaften hier seine Spuren hinterlassen (oder besser: nicht hinterlassen) hat, die Bilderarmut der Naumburger Geschichte ist jedenfalls nicht zu übersehen.  Dies fällt um so mehr ins Gewicht,  wenn man in Rechnung stellt, dass die Kriegskatastrophen der zurückliegenden Jahrhunderte in Naumburg wenig direkten Schaden angerichtet haben. Was allerdings noch heute spürbare Folgen hinterlassen zu haben scheint, sind die durch wirtschaftliche und politische Verwerfungen hervorgerufenen Wanderungsbewegungen (Migrationen, Fluchten), die dazu führten, dass es zum Bruch vieler Traditionslinien kam. Es kann also durchaus sein, dass viele bildliche Erinnerungsstücke, die uns heute fehlen, die Stadt in zurückliegenden Jahrzehnten und Jahrhunderten verlassen haben.

Manchmal kommt es allerdings auch vor, dass ein Objekt nach langer Abwesenheit zurückkehrt. So im Falle eines kleinen Gemäldes, mit dem wir erst vor wenigen Wochen bekannt gemacht wurden. Es kommt aus dem niedersächsischen Melle in der Nähe von Osnabrück. Die Vorbesitzerin hatte es auf dem Dachboden gefunden und konnte wenig damit anfangen. Ein etwas unbeholfen gemaltes Bild von einem nicht identifizierbaren Gebäude, im Vordergrund ein Brunnen mit der Rückenansicht einer nicht bestimmbaren Brunnenfigur – von Melle aus hätte man wohl nie erraten können, wo das Bild entstanden ist, wenn nicht der Rahmen den Aufkleber eines Naumburger Rahmenhändlers getragen hätte und die Eigentümerin des Bildes kurzerhand bei uns im Stadtmuseum angefragt hätte, ob wir etwas mit der Ansicht anfangen können. Natürlich war es für einen Naumburger leicht zu erkennen, dass es sich um eine Darstellung der Ostseite des  Domvorplatzes handelt mit der Bischofskurie im Zentrum und dem erst kurz vor der Entstehung des Bildes dorthin versetzten Brunnen (die Brunnenfigur des Ekkehart stammt von 1858) im Vordergrund. Es ist genau diese Art von Bildern, die sehr selten sind – wir haben in unserer städtischen Sammlung kein Dutzend davon – und wir sind als Stadtmuseum deswegen besonders froh, dass wir es aus Spendenmitteln zu einem sehr günstigen Preis ankaufen und nach Naumburg zurückholen konnten.

Seite 1 von 12