Zur Geschichte der Naumburger Straßenbeleuchtung

von Maryla Malonek

Leipzig1701
Leipzig 1701: nach diesem Vorbild sollte auch in Naumburg eine Strassenbeleuchtung eingeführt werden. Aber die Naumburger Bürger zeigten sich keineswegs begeistert...

“Gestern Vormittag nach 6 Uhr wurde in der Kösenerstr. die auf der Südseite, kurz vor der Schweinsbrücke stehende Strassenlaterne umgerissen, sodass sie quer über die Strasse lag. Nach Aussage einer Frau, welche aber ihren Namen nicht nannte, brachten 2 Fleischer eine Kuh angeführt, welche in der Nähe der Brücke scheu wurde und gegen die Laterne rannte, sodass dieselbe umbrach. Auf eine Anfrage im Büro des Schlachthofes wurde mir der Bescheid, dass sie versuchen wollten, herauszubekommen welche Fleischer eine Kuh dort lang geführt haben.”

Die nachfolgenden Ermittlungen ergaben, daß der Fleischer Karl Hensel, ansässig in der Naumburger Jakobstraße, und der Landwirt Otto Rein aus Almrich die Kuh geführt hatten. Die Schadenshöhe an der Gaslaterne betrug 78,95 RM, welche die Haftpflichtversicherung des Herrn Rein bezahlte.

Dies geschah im Jahre 1927 und damit zu einer Zeit, in der die Beleuchtung der öffentlichen Straßen schon selbstverständlich war. Doch schauen wir einmal zurück auf die Anfänge der Naumburger Straßenbeleuchtung und sehen uns ihre Entwicklung etwas genauer an.

Ein Streit um Laternen

Der Versuch in Naumburg eine öffentliche Straßenbeleuchtung einzuführen, begann mit einem handfesten Streit. In einem Ratsprotokoll vom 9. November 1713 heißt es, “daß H. Hofrath Frauendorff sich wieder Gebühr anmaße, das Pflaster mitten auffm Marckte einzureißen und dem Vernehmen nach eine Seule setzen” lassen wolle. Außerdem war “an der Ecke des Rathhauses nechst der Brodt Bänke ein Eißen darauff etwas eine Laterne soll gesetzt werden, angemacht” worden. Der Rat verfügte daraufhin in einer Beratung, in der auch Frauendorffs gute Beziehungen zum Hofe zur Sprache kamen, daß “dem Meuerer Einhalt geschehen, und das Werckzeug weggenommen werden solle”. Darüber erbost, beschwerte sich Frauendorff bei der Stiftsregierung in Zeitz. Diese erklärte dem Rat, daß alle Maßnahmen auf ihr Betreiben hin erfolgt seien und verlangte Gehorsam. Der Rat rechtfertigte nun sein Verhalten damit, daß “das aerarium von baaren Mitteln fast ganz erschöpft ... und wir endlich, wenn zumahl Gott die Stadt mit gefährlichen Krankheiten und ansteckenden Seuchen, wovor uns iedoch deßen Güte gnädiglich bewahren wollen, heimsuchen möchten, nicht wißen, wie dasselbe förderhin bestehen und wo die Mittel zu nöthigem Bedürffnis vor das Publicum herkommen werden.”

Außerdem sei eine Straßenbeleuchtung in Naumburg nicht notwendig, da “alhier gemeiniglich des abends bey Licht Zeit es auffm Marckte so stille ist, daß man offt in 1, 2 Stunden niemanden höret noch sehet.”

Die Stiftsregierung verhängte nun ihrerseits wegen “ungebührlichem Widersetzen” empfindliche Geldstrafen über einzelne Mitglieder des Rates.

Kaum war diese Auseinandersetzung um die Marktlaternen beendet, da veranlaßte Frauendorff, wohl wiederum im Auftrag der Stiftsregierung, die Anbringung von 100 Öllaternen in der Stadt. Der Rat weigerte sich standhaft, die dafür angefallenen Rechnungen zu bezahlen, zumal die Kosten für die Beleuchtung der Stadt weit über die Möglichkeiten des kommunalen Haushaltes hinausgingen. Der Streit dauerte etliche Jahre, beide Parteien beharrten auf ihren Positionen und die Handwerker blieben auf ihren Rechnungen sitzen. Der Ausgang der Streitigkeiten ist aus den Akten nicht zu ersehen, wohl aber, daß die Öllaternen schon nicht mehr brannten, nachdem die erste (unbezahlte) Öllieferung verbrannt war.

Erfolg im zweiten Anlauf

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Naumburger Wochenblatt, 15. Oktober 1812

Erst im Jahre 1806 kam wieder in einer Ratssitzung die Notwendigkeit einer öffentlichen Straßenbeleuchtung zur Sprache. “Eine andere, sehr gemeinnützige und nothwendige Anstalt empfahl der Syndicus Gallus in diesem Jahre; sie kam aber auch nicht zur Ausführung. Es war die nächtliche Straßenbeleuchtung, deren Nutzen, wenn sie zu Stande kam, Niemand leugnen konnte.” Das Ersuchen scheiterte wieder an den mangelnden finanziellen Mitteln.

Im Januar 1811 wiederholte dann der Cämmerer Johann Friedrich Zätsch den Vorschlag und regte an, “sämmtliche Straßen und Gaßen hiesiger Stadt, mit Ausschluß der Freyheit und Vorstädte” beleuchten zu lassen. In einer Kostenberechnung ging er dabei von einer Anschaffung von 33 Laternen mit einer jährlichen Brenndauer von 2000 Stunden in 300 Nächten aus. Dazu kamen die Aufwendungen für Reparatur, Dochte, Oel und den Laternenwärter nebst Gefährten. Abschließend bezifferte er den jährlichen Aufwand zur Unterhaltung einer einzelnen Laterne auf 38 Reichstaler, 3 Groschen und 8 Pfennige.

Gleichzeitig regte er an, die Beleuchtung der Straßen später zu verpachten, um Kosten zu sparen. Zunächst jedoch sollte die Stadt die Summe für die Anschaffung der Laternen vorschießen.

Die Stiftsregierung in Zeitz stimmte einer Finanzierung durch die Erhöhung des Bürgergeldes zu. Jeder Bürgersohn hatte bei der “Gewinnung des Bürgerrechts” einen Reichstaler und jeder andere zwei Reichstaler zu entrichten, die in die “Straßenbeleuchtungs-Casse” abgeführt werden sollten . Die laufenden Kosten konnten durch eine Abgabe der “566 Haußeigenthümer mit ihren Miethern” entdeckt werden.

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Der Laternenwärter bläst eine Laterne aus.
Instruction für die Laternenwärter
1. Dieselben haben die ihrer Aufsicht und Besorgung anvertrauten Laternen zu der bestimmten Zeit anzuzünden, die darinnen befindlichen Lampen gehörig mit Oel zu versehen, und zu bewerkstelligen, daß selbige die gehörige Zeit über ordentlich leuchten, deshalb sich der Wachsamkeit zu befleißigen, die angezündeten Lampen, so oft es nöthig zu putzen, und etwaigen Mangeln abzuhelfen.
2. die Laternen so oft es erforderlich, zu reinigen, und die Gläser hell zu erhalten.
3. mit den Laternen sowohl als mit dem ihnen anvertrauten Oele behutsam umzugehen, und von letzterem etwas nicht zu veruntreuen, oder in ihrem Nutzen zu verwenden, überhaupt aber
4. sich im allgemeinen eines ehrlichen, fleißigen und nüchternen Betragens zu beschließen, und so zu handeln, wie es ehrlichen Leuten zukommt.
[StA Nmb Rats-Sachen Loc. 75, Nr. 2]

Also begann man noch im Dezember desselben Jahres mit dem Aufbau einer Laterne auf dem Marktplatz. Sie bestand aus einem blechernen “Laternenkasten” mit Glasscheiben, der auf einer Eichenholzsäule angebracht war. Im April 1815 kaufte die Stadt zusätzlich Laternen aus Leipzig und Weißenfels an. Mit der Zahl der Laternen stieg die Höhe der Ausgaben von 21 Talern im Jahre 1811 bis auf rund 1368 Taler im Jahre 1816. Deshalb beschloß man auf einer Ratssitzung im Februar 1817, “daß die ganze Beleuchtung in Enterprise gegeben”  werden soll. Im “Wochenblatt für Naumburg und die umliegende Gegend” und im “Thueringischen Anzeiger” wurde der Beschluß über die Verpachtung der Straßenbeleuchtung öffentlich bekannt gemacht. Alle Interessenten konnten sich danach um die Pflege der Straßenbeleuchtung bewerben. Der Mindestbietende sollte den Zuschlag bekommen. Es waren mehrere “Licitationstermine” notwendig, um einen geeigneten Pächter zu finden, denn die ersten Gebote lagen weit über den Erwartungen des Rates. Die Forderungen begannen bei jährlich 2200 Reichstalern und selbst ein Gebot von 1800 Reichstalern wurde vom Rat abgelehnt. “Da dieses Gebot, welches nicht unterstiegen wurde, für unmäßig gehalten worden, so wurde mit dem Zuschlage nicht verfahren, sondern den Interessenten eröffnet, daß sie zunächst, um sich selbst genauer zu überzeugen, die nächste Nacht eine Probe mit der Laternenbeleuchtung machen und sich eine diesfallsige Berechnung entwerfen möchten”. Dabei konkurrierten zuletzt der Leinewebermeister Karl Gotthelf Richter und der Seilermeister Johann Friedrich Knoblauch aus Naumburg miteinander. Schließlich erklärten sie sich bereit, gemeinschaftlich die 29 Laternen mit 81 Flambeaux für 1496 Reichstaler im Jahr zu unterhalten.
Im Pacht-Contract vom 22. März 1817 wurde festgelegt, daß die Unternehmer zunächst für ein Jahr alle entstehenden Kosten für Öl, Dochte sowie die Wartung und Reinigung der Laternen zu tragen hatte, deren Leuchtdauer 2000 Stunden betragen sollte. Das Anzünden der Laternen mußte auf dem Markt begonnen werden. Nur bei Gewitter und Notfällen sollten zuerst alle engen Gassen, öffentlichen Brunnen und Spritzhäuser innerhalb einer Viertelstunde beleuchtet sein.

Im Gegenzug erhielten die Handwerksmeister alle “angeschafften Laternen nebst Zubehör an Lampen, Ketten, Leinen, Winden, Leitern, Oehlkrügen und allen übrigen dazu erforderlichen Geräthschaften” für die Zeit der Pacht zur Verfügung gestellt. Der vereinbarte, für die Unterhaltung der Straßenbeleuchtung benötigte Geldbetrag kam an vier festgelegten Terminen zu Johannis, Michaeli, Weihnachten und Ostern mit je 374 Talern zur Auszahlung.

bel_kalender Naumburger Wochenblatt, 3. Mai 1817

Als Leuchtstoff für die Laternen diente Photogen (Mineralöl), welches bei der trockenen Destillation von bituminösem Schiefer entsteht oder aus dem bei einigen Stein- und Braunkohlenarten entstehenden Teer gewonnen wird. In gereinigtem Zustand bildet es eine farblose, gelbliche Flüssigkeit die zum Abbrennen eines Dochtes bedarf. Damit alle Lichter hell brannten, mußten sie “so oft es erforderlich mehrere Male des Nachts geschnupft werden”,  wobei der verkohlte Docht entfernt wurde. Alle Bürger konnten Anzeige erstatten, wenn Laternen schlecht oder gar nicht brannten, was für die Unternehmer eine Konventionalstrafe nach sich ziehen konnte, denn defekte Laternen durften laut Vertrag nur für höchstens eine Nacht ausfallen. Die Brenndauer der Laternen richtete sich nach dem vom Magistrat angefertigten “Beleuchtungskalender”. Bei hellem Mondlicht (Tage um den Vollmond) wurden die Laternen nicht angezündet. Dieser Kalender wurde zunächst wöchentlich im “Wochenblatt für Naumburg und die umliegende Gegend”
und ab 1821 monatsweise im “Naumburger Kreisblatt” abgedruckt. Der “Stadt-Vice-Wachtmeister” Gottlieb Abraham Jäker erhielt außerdem die Anweisung “jeden Tag die Stunde, von welcher bis zu welcher die Laternen brennen müssen, mit Kreide an die Rathhausthür anzuschreiben, damit sowohl die Nachtwächter als auch die unter dem Rathhause sich aufhaltenden Laternenwärter stets die Zeit und Dauer der nächtlichen Straßenbeleuchtung wissen und sich nicht mit Unwissenheit entschuldigen können.”

Refraktionslaternen “müssen nicht geschnupft werden, weil der Docht und die ganze Vorrichtung wie bei der Astrallampe ist, daß auch bei dem heftigsten Sturm die Flamme nicht flackert noch weniger verlöschen kann, wird die Spitze der Flamme durch einen blechernen Zylinder gefesselt, und dieser bis im Rauchfang so gestellt ist, daß niemals Rauch in den Raum der Laterne dringen kann. Daraus folgt demnach, daß die mit einem Gemisch aus Wasser od. Scheidewasser gefüllten hohlen Gläser in Form von Linsen od. Prismen, wodurch die Refraction erfolgt niemals beschmutzt werden,- das Putzen der Laternen also fast gar keine Zeit wegnimmt”.

[Stadtarchiv Naumburg, Communal-Sachen Sig. 1977 f. 31a]

Bis 1829 ist der Seilermeister Knoblauch als Teilhaber des Naumburger Beleuchtungsunternehmens in den Akten nachweisbar. Ab 1828 trat neben Knoblauch der Laternenfabrikant und Teilhaber der “Gesellschaft zur Beleuchtung der Städte”, Johann Wilhelm Schmitz aus Elberfeld, als Pächter in den Vertrag ein . Seine neuen “Refraktionslaternen” wurden zunächst erprobt und dann überall in der Stadt aufgebaut. Der junge Robert Blum hatte als Angestellter des Unternehmers seine erste Druckschrift eine “Kurze Abhandlung über die Straßenlaternen” herausgegeben, die sich immer noch in den Akten des Stadtarchivs befindet. Er war von 1827 bis 1830 für den Unternehmer tätig und hielt sich 1828 auch kurz in Naumburg auf.

Ab dem 1. April 1829 hatte Fabrikant Schmitz für die Hängung, das Brennmaterial “an gutem gereinigtem Oel”, für Dochte und für die Wartung der 42 Refraktionslaternen durch drei Laternenwärter zu sorgen. Die vereinbarte Beleuchtungszeit betrug 200 Tage zu 1250 Stunden nach vorgegebenem Beleuchtungskalender. Alle Laternen mußten in der Nacht brennen und eine Reservelaterne immer zur Hand sein, sonst drohte eine Geldstrafe. Die Stadt stellte im Gegenzug das Hängewerk, die Pfähle und die eisernen Arme der Laternen und tätigte die vierteljährlichen Zahlungen an den Unternehmer.

Die Beleuchtung blieb jedoch weiterhin unzureichend, da das Photogen in rötlicher Flamme brannte und nur eine geringe Leuchtkraft besaß. Außerdem gab es massive Beschwerden über Schmitz, die schließlich in einem Rechtsstreit endeten. Die Stadt schaffte es jedoch nicht, vorzeitig aus dem bis 1841 geschlossenen Vertrag auszusteigen.

Unter Vorsitz eines Magistratsmitgliedes bildete man dann ab 1841 eine aus mehreren Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung bestehende Beleuchtungskommission, “welche die Benachrichtigung der Laternenwärter, den Ankauf des Oels und die ganzen bei der Straßenbeleuchtung vorkommenden Geschäfte besorgt”.

Als neuer Pächter taucht ab 1853 die “Neue Beleuchtungsgesellschaft Hamburg” auf, die als einzige den verbesserten Photogenbrennstoff “Hydrocarbures” anbot. Dieses reine, weiß-gelbliche Mineralöl spendete ein weißes, intensives Licht. Die neuen Laternen brannten mit einer Flamme von “12 Pariser Linien”, dies entsprach einer Größe von 27,072 mm und einer Lichtstärke von 13 Wachskerzen. Allerdings reichte bei dieser Flamme 1 Liter “Hydrocarbures” nur für circa 26 Stunden.

Das Unternehmen lieferte laut Vertrag die benötigten “Hydrocarbures-Lampen” mit Saugdochten und Glaszylindern. Den Einbau der Lampen in die städtischen Laternen mußte durch den “Werkmeister” gegen eine Reisevergütung geleitet werden. Die Qualität des frei ab Hamburg zu einem Preis von 7½ preußischen Silbergroschen gelieferten Brennstoffes wurde beständig mit einer beim Magistrat deponierten “Normalprobe” kontrolliert . Die alten Lampen wurden per Aufruf im “Naumburger Kreisblatt” versteigert: “Von den früher hier in Gebrauch gewesenen Straßenlaternen sollen Donnerstag, den 26. Mai a. c., Vormittags 10 Uhr, 28 Stück mit 32 dazu gehörenden Lampen und 70 Schirmen, in dem Hofraume des hiesigen, vor dem Jakobsthore belegenen Siechhospitales, öffentlich an den Meistbietenden versteigert werden.”

Neue Gaslaternen

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Stadtarchiv Naumburg, Plansammlungen

Auf lange Sicht hatte sich jedoch der Betrieb der Laternen mit “Hydrocarbures” als zu teuer erwiesen. Weitaus billiger und moderner war dagegen der Einsatz von Gas als Brennstoff und die Stadt Naumburg wollte “in einer öffentlichen, Jedermann so in die Augen fallenden Angelegenheit nicht hinter anderen, an Größe und Bedeutung ihr nachstehenden Städten, wie Zeitz, Weimar, Wittenberg, Gotha, Döbeln etc. zurückbleiben”.

Der Magistrat schloß aus diesem Grund 1857 einen Vertrag über die Errichtung einer Gasanstalt und die Einführung einer öffentlichen Gasbeleuchtung mit den Fabrikanten Johann Mahr sen., Kaufmann Franz Julius Höltz und Kaufmann Herrmann Jähnert. Dabei wurde vereinbart, daß die neuen Gaslaternen auf schmiede- oder gußeisernen Laternenarmen und gußeisernen Kandelabern angebracht sein und “von gefälliger Form nach einer vorher dem Magistrat zur Genehmigung vorzulegenden Zeichnung gewählt werden”.

Die vorhandenen 66 Photogenlampen sollten durch 118 Gasflammen ersetzt werden, 21 Lampen konnten weiter nach dem alten Prinzip beleuchtet werden. Die Gaslaternen mußten mit einer Helligkeit brennen, “welche einer Lichtstärke von 6-8 Wachskerzen gleichkommt”, eine geringere Beleuchtung wurde wiederum bestraft. Die Laternen sollten zwischen dem 1. September und Ende April 800 Stunden leuchten, die Verteilung der Stunden regelte weiter der vom Magistrat angeordnete Beleuchtungskalender. Außerdem hatte der Bau der Gasanstalt so schnell zu erfolgen, “daß zwei Jahr nach Abschluß dieses Vertrages dieselbe in allen Theilen so weit hergestellt ist, daß die öffentliche Straßenbeleuchtung in allen dazu bestimmten Theilen der Stadt durch Gas geschehen kann”.

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Das Gaswerk an der Weißenfelser Straße auf einem Gemälde im Stadtmuseum Naumburg, um 1880.

Bereits am 10. Oktober 1858 wurden die Straßen Naumburgs erstmalig mit Gas beleuchtet. Die neue Beleuchtung fand großen Anklang und schon 1883 war die Anzahl der Gaslaternen auf 235 Stück angewachsen.

Aber eine wesentliche Verbesserung in der Helligkeit der Beleuchtung gelang erst durch den Einsatz von Glühstrümpfen. Bei dem, nach seinem Erfinder Carl Freiherr von Auer von Welsbach benannten, Auerlicht verglühte langsam ein mit verschiedenen Flüssigkeiten getränkter strumpfartiger, engmaschiger Glühkörper. Dadurch entstand ein helleres Licht, als wenn das Gas selbst leuchtete. Da es dem Erfinder nicht gelang, sein Glühlichtpatent schützen zu lassen, wurde es zahlreich nachgebaut und verbessert. Um die Jahrhundertwende verwendete man diese Glühstrümpfe auch in Naumburg.

Die Elektrizität hält Einzug...

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Der Stadtrat bei der Einweihung des Elektrizitätswerkes in der Weißenfelser Straße am 25.01.1910. Foto Stadtmuseum.

“Geehrter Magistrat! In Folge der in hiesiger Stadt einzuführenden elektr. Beleuchtung wird von Dienstag, den 3. Februar a.c. ab die Hälfte der Stadt 8 Tage lang probeweise elektrisch beleuchtet werden. Dafern geehrter Magistrat sich für diese Probebeleuchtung interessiert, wird Derselbe hier ergebenst eingeladen.”

Diese Einladung erhielt der Magistrat der Stadt bereits 1885 vom Bürgermeister der Stadt Apolda, doch es sollte noch einige Jahre dauern bis auch in Naumburg die Straßenbeleuchtung mittels Strom eingeführt wurde. 1906 begann man mit dem Bau eines Elektrizitätswerkes, aber nicht zur Versorgung der Stadt mit Lichtstrom, sondern für die Anlage einer elektrischen Ringbahn. Erst 1909 brannten in der Naumburger Innenstadt die neuen Straßenlaternen, die mit Gleichstrom versorgt wurden.

Diese Laternen waren meist in der Mitte der Straße aufgehängt. Obwohl gleichzeitig noch Gaslaternen angeschafft wurden, waren im Jahre 1921 bereits 46 elektrische Lampen in Gebrauch.

Am 27. November 1924 legte dann der Magistrat in einem Beschluß fest, daß künftig auch in Mondscheinnächten die Straßenlaternen brennen sollen.

Die neue Technologie ließ sich nicht mehr aufhalten.