Lithographie Stadtpanorama

1000 Jahre Naumburg

Die Anfänge der Naumburger Geschichte gehen zurück ins frühe 11. Jahrhundert. Damals um die Jahrtausendwende errichteten Ekkehardt I, Markgraf von Meißen, hier eine "neue Burg". Im Jahr 1028 wurde der Bischofssitz auf Betreiben Ekkehards II und seines Bruders Hermann aus dem östlich gelegenen Zeitz in den Schutz der "Naumburg" verlegt - ein einmaliger Vorgang. Damit waren die Weichen gelegt für die allmählichen Entwicklung der zugleich entstandenen Kaufmanns-Ansiedlung zur Stadt, die in den nächsten Jahrhunderten zur vollen Blüte gelangte. Im 12. und 13. Jahrhundert bildete sich, abgeschieden von der Domfreiheit, rund um die Bürgerkirche St. Wenzel eine eigenständige Bürgerstadt heraus. Die jährlich stattfindende "Peter-Pauls-Messe" brachte der Stadt einigen Wohlstand und machte sie zum regional bedeutsamen Handelsplatz.

Nachdem eine Brandkatastrophe die Bürgerstadt im Jahr 1517 heimgesucht hatte, wurden die meisten Bürgerhäuser entlang der vier Hauptstraßen der Stadt neu - nun nicht mehr in Fachwerk, sondern in Steinbauweise - errichtet. Diese im Laufe des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts entstandenen Renaissance-Häuser prägen das Stadtbild noch heute.

Das 16. Jahrhundert war auch in anderer Hinsicht von großer Bedeutung für die Stadtgeschichte. Den Zentren der Reformation nahe, wurde auch Naumburg in die konfessionellen Auseinandersetzungen hineingezogen. Hier wurde mit Nikolaus von Amsdorf 1542 der erste evangelische Bischof von Luther eingesetzt, dem mit Julius von Pflug als letztem katholischem (!) Naumburger Bischof ein international bedeutender Gelehrter im Amte folgte.

Naumburg war zu jener Zeit eine wohlhabende Stadt, deren Bevölkerungszahl bis zum Beginn des 30-jährigen Krieges beständig anstieg. Die gravierenden Verluste aber, die jene verheerenden Kriegsjahre (und es folgten ja auch noch die Kriege des 18. Jahrhunderts) mit sich brachten, konnte die Stadt bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein nicht mehr ausgleichen. Der einstige Wohlstand wich bescheideneren Verhältnissen. Wo früher Kaufleute mit weitreichenden Handelsbeziehungen wirkten, waren es nun eher Krämer und Handwerker, die die ökonomischen Verhältnisse repräsentierten. Die Stadtentwicklung stagnierte das ganze 18. Jahrhundert hindurch und erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts ändert sich dies.

Das Königreich Preußen, dem Naumburg nach den "Befreiungskriegen" zugeschlagen worden war, installierte ein Oberlandesgericht und ein Schwurgericht in der Stadt und zunehmend wurden Armee-Einheiten hier stationiert. Es gab einen erheblichen Zuzug höherer Beamter und Offiziere, die sich mit ihren Familien niederließen. Ihnen folgten wohlhabende Rentner und Pensionäre und um die Wende zum 20. Jahrhundert trug Naumburg, an dem die Industrialisierung fast spurlos vorbeigegangen war, den Spitznamen "Pensionopolis", abermals eine blühende Bürgerstadt, von mehreren Villenvierteln umgeben.

Das spezifische, ausgeprägt pietistische Kleinstadt-Milieu der Stadt prägte auch (wenngleich im Widerspruch) deren berühmtesten Sohn, Friedrich Nietzsche. Er verbrachte hier den größten Teil seiner Kindheit, besuchte im nahen Schulpforte das Internat und er wurde in Naumburg in den Jahren der Umnachtung 1890-97 von seiner Mutter gepflegt.

Das Ende des Ersten Weltkriegs bedeutete vorerst auch das Ende des Wohlstands, denn das zum großen Teil aus Beamten und Pensionären bestehende Bürgertum verlor mit der Währungsreform auch einen großen Teil seines (Geld-)Vermögens. Anstrengungen, Industriebetriebe in der Stadt anzusiedeln und Industriearbeitsplätze zu schaffen, (man versuchte schon damals, die - vorerst - nicht mehr gebrauchten Kasernen an Gewerbetreibende zu vergeben) gelangen nicht im angestrebten Umfang.

Die 12 Jahre des Nationalsozialismus änderten an der wirtschaftlichen Lage der Stadt wenig, bis auf die Tatsache, daß die Rüstungspolitik wieder eine große Zahl von Soldaten in die alte Garnisonsstadt brachte. Kasernen wurden neu erbaut und der große Komplex des "Heereszeugamts" entstand. Diesen Einrichtungen hatte die Stadt dann wohl auch die Bombenschäden zu verdanken, die in der Innenstadt und in der Nähe des Heereszeugamtes einige Menschen das Leben kosten sollten. Die erst Ende der zwanziger Jahre für ein größeres Publikum "entdeckten" Stifterfiguren des Naumburger Domes, besonders aber Uta, brachten zum ersten Mal eine größere Zahl von Touristen in die Stadt. Naumburg wurde Ziel von KDF-Fahrten.

Der barbarischen "Rassenideologie" der Nazis fiel auch die kleine jüdische Gemeinde der Stadt zum Opfer, die sich im 19. und 20. Jahrhundert gebildet hatte. Der größte Teil ihres Besitzes wurde "arisiert". Bereits 1494 waren die Naumburger Juden aus der Stadt vertrieben worden und über Jahrhunderte hatte man - rechtgläubig wie man im protestantischen Kernland war - keine Juden mehr in der Stadt geduldet. Die Nachkriegszeit brachte für Naumburg zunächst einmal den Verlust der alten Eliten, die - politisch in der Mehrheit traditionell der deutschnationalen Rechten zugeneigt - entweder die Flucht Richtung Westen ergriffen oder sich staatlichen Sanktionen ausgesetzt sahen. Wie bereits nach dem ersten Weltkrieg, nun aber in noch weit erheblicherem Umfang kam es zu einem Austausch der Bevölkerung.

Das traditionell bürgerliche Naumburg, das selbst kaum nennenswerte Industrie aufwies verwandelte sich in eine Schlafstadt für eine Vielzahl von Arbeitern, die per Eisenbahn in das Chemierevier um Leuna pendelten.