Die sutorsche Kartenfabrik in Naumburg

Über die Firmengeschichte der sutorschen ”Spielkartenfabrik“ ist kaum etwas bekannt. Selbst die Lebensgeschichte der Firmeninhaber liegt noch weitgehend im Dunkeln.

Die Wurzeln des Unternehmens finden sich in Weimar. Dort hatte Christoph Erhard Sutor, ehemaliger Kammerdiener Goethes, im Jahr 1789 eine “Kartenfabrik” gegründet.

1812 zog dessen Sohn Carl Gottlieb Sutor, 29 Jahre alt und Kartenmacher, nach Naumburg. Seine Frau Eva Sophie war die Schwester des Weimarer Kartenfabrikanten Carl Traugott Knaut. Noch im selben Jahr gab C. G. Sutor die Gründung einer eigenen “Kartenfabrik” bekannt.

Ab 1815, Naumburg stand nun uunter preußischer Regierung, erhielt Carl Gottlieb Sutor eine der gefragten preußischen Lizenzen für die Kartenherstellung.

Nach Carl Gottliebs frühem Tod am 24. Februar 1822 führte seine Witwe die Fabrik anfangs alleine weiter. 1823 heiratete sie den Bruder ihres verstorbenen Mannes, Christian Theodor Traugott Sutor, der nach Naumburg übersiedelte und die Fabrik übernahm.

Christian Theodor Traugott stellte ungefähr 600 Groß (das sind knapp 90.000) Kartenspiele jährlich her, dazu musste er zwischen 15 und 20 Arbeiter beschäftigen. Er bekam dafür von dem in Berlin angesiedelten Kartenmagazin jedes Jahr ca. 7000 bis 8000 Taler erstattet.

Christian Theodor Traugott Sutor starb im Jahr 1854. Sein Sohn Otto Theodor, 1825 geboren und bereits “Königlicher Gerichts-Assessor“, übernahm die Führung der Firma. Otto Theodor Sutor war also kein gelernter Kartenmacher mehr, sondern Jurist, Mitglied des Korps der Westfalen und Mitbegründer des Kösener S. C. und wie sein Vater gehörte er als Stadtrat zu den Naumburger Honoratioren.

1872 verkaufte Theodor Otto Sutor die Firma, die er unter dem Namen seines Vaters weiterbetrieben hatte, an den Erfurter Kartenfabrikanten Erhard Schedel. Dieser druckte seine Spielkarten dann unter der Firmenbezeichnung ”C. T. Sutor Nachf.”, bis er das Unternehmen 1902 an den werdenden Monopolisten “Stralsunder Spielkartenfabrik” weiterveräußerte. Dieser wiederum wickelte die unrentabel gewordene Produktionsstätte in Naumburg ab.

 

Schätzungsweise 8-10 Millionen Kartenspiele verließen in den Jahren ihres Bestehens 1812-1902 die sutorsche “Kartenfabrik” in Naumburg.
Schätzungsweise 8-10 Millionen Kartenspiele hatten in den Jahren ihres Bestehens 1812-1902 die sutorsche “Kartenfabrik” in Naumburg verlassen.