Laut Bürgerbuch erlangte Johann Schleußner am 11.2.1667 als "Mahler von Hartzendorf" das Naumburger Bürgerrecht. Weitere Angaben zitieren wir aus einer familiengeschichtlichen Abhandlung:

Wahrscheinlich war er zunächst bei seinem Vater in der Lehre, im Jahre 1660 zog er mit seinem jüngeren Bruder Christoph, der gleich ihm Maler wurde, nach Böhmen, wohl um seine Studien zu vervollkommnen. 1662 wandte er sich nach Naumburg, wo er noch im gleichen Jahre heiratete. Er wohnte in der Pfarrei St. Wenzel, für deren Kirche er malte; so sollen die in dieser Kirche hängenden Bildnisse von Geistlichen von ihm geschaffen sein, ganz sicher trifft das für das lebensgroße Porträt des Diakons Lindner zu. Über Einzelheiten unterrichten folgende Eintragungen im Kirchenmanual St.Wenzel in Naumburg (Stadtarchiv):

26. 1. 1672 - Maler Herr Johann Schleißner erhält 41/2 Rtlr. für das Malen eines geschnitzten Gitters auf dem Priesterstuhl.

26. 5. 1672 - Kirchen- und Kastenvorsteher M. David Lippach stiftet eine gemalte Tafel an der neuen Emporkirche am Ölberg; es ist die Historia von der Himmelfarth des Herrn, unter den Aposteln ist einer gemahlet, welcher H. M. Lippachen gantz ähnlichen siehet"; "der Mahler H. Johann Schleißner hat davor bekommen 9 Rtlr."

25. 6. 1672 - Stadtsyndikus Bernhard Bergner stiftet eine gemalte Tafel an der neuen Empore, "ist die Historia, als Noa nach der Sündfluth aus dem Kasten gegangen, hat gekostet 11 Rtlr., "als dem Tischler 2 Rtlr., der sie gemachet, und dem Mahler H. Johan Schleißner 9 Rtlr."

28. 9. 1672 - Frau Sabine Bahm, M. David Lippachs Ehefrau, stiftet eine gemalte Tafel an der Empore, ist die Historia von der Himmelfart des H. Christ, welche der Mahler H. Johann Schleißner gemahlet und 9 Rtlr. davor bekommen."

1673 - Johann Schleisner begehrt für die neue Empore "100 tlr. zu mahlen nur vor seine müh und farben und 50 tlr. zu goldt und silber, zufragen, was man thun soll? Ob man einen frembden Mahler darzu nehmen solle, der etwas geringer wehre. Resolutio: Soll versuchet werden."

24. 9. 1675 - Frau Kanzler Münch stiftet das "Bildnuß des H. Christi, so nur ein Brust Stücke, für den hohen Chor neben der Emporkirche; das Schnitzwerk, das der Tischler Haußer gemacht, kostet 1 fl. 7 g., [...] der Mahler Johannes Schleißner, so es gemahlet und vergüld", erhält 4 fl. 12 g.

24. 8. 1676 - Tischler Haußer hat 6 Kruzifixe gemacht, "der Mahler H. Johann Schleisner von einem jeden 1 fl. zu mahlen bekommen".

12. 4. 1677 hat der "Kunstmahler alhier H. Johann Schleißner ein neues großes Crucifix in Lebensgröße, gantz weiß auff Alabaster arth in die Kirche verehret".

1677 - Johann Schleißner erhält den Auftrag, die neue große Emporkirche über dem Ölberg auszumalen, mit Kreide und Bleiweiß zu streichen, damit sie "fein helle sey", Löwen-köpfe und anderen Zierat zu vergolden, die Gesichter mit lebendigen Farben zu versehen, die Kapitäle von Säulen auf Marmorart zu malen und die Gitter weiß und golden zu streichen, alles für 60 fl.

Johann Schleussner: Porträt Philipp Lindner10. 12. 1677 - Senator Johann Georg Lindner hat seines verstorbenen Vaters Mag. Philipp Jacob Lindner, gewesenen Diakons in der Stadtkirche Bildnis "in der Kirchen bey dem Altar auffmachen lassen zum Ahndencken, welches der Mahler H. Johann Schleisner gemahlet und zusammen auff die 40 Tlr. soll gekostet haben. Unten stehet nachfolgends ein, klein Täfflein: "Herr M. Philippus Jacobus Lindner 28jähriger Diaconus alhier ist bey dieser Stadt gebohren Ao. 1586 und gestorben 1637 seines Alters 51 Jahr".

1678 - Johann Schleißner erhält für das Bemahlen einer neuen großen Tafel über dem Ölberg 36 fl.

Das beste und bekannteste Gemälde aber hängt im Treppenhaus des Stadtarchivs Naumburg, es ist eine Stadtansicht von Naumburg mit Jacob an der Himmelsleiter im rechten Vordergrund.

Am 13. 9. 1668 verkaufte er einen Weinberg im Kroppental. Aber 1677 war er Eigentümer der Häuser Herrengasse 4 und Engelgasse 7 sowie von 61/2 Acker Land und zwei Hopfenbergen 24).

Seine Frau entstammte mütterlicherseits der Schöffenfamilie Pierer in Naumburg, die für die Nachkommen Johann Schleußners bedeutsam werden sollte. Barbara Pierer (*Naumburg 7.3.1573), Witwe des Senators Adam Richter, hatte am 31. 5. 1630 eine Familienstiftung mit 500 Talern begründet, deren Zinsen als Stipendium für Studenten aus der Nachkommenschaft ihres Vaters Jakob Pierer, Kämmerers in Naumburg, bestimmt waren. Ihr Neffe Dr. Christoph Pierer (*Schneeberg 9. 11. 1609, + das. 21. 7. 1668), Bürgermeister, ergänzte sie mit weiteren 400 Gulden. Ein Sohn und ein Enkel des Johannes, die beide Juristen wurden, kamen in den Genuss des Piererschen Stipendiums.


Zit. nach: Schleußner. Geschichte eines in Thüringen, Franken und Hessen beheimateten Geschlechtes und seiner Ahnen. Verlegt von Irene Schleußner geb. Schüller. Neustadt a. d. Aisch (Degener) 1959. (Sonderdruck aus: Deutsches Familienarchiv, Bd. 14). S. 18-25. [SAN 1173.]