1926: Epilog

Das Jahr 1926 bringt eine langanhaltende Auseinandersetzung um die Konkursmasse. Es zeigt sich, daß eine ganze Reihe von Gläubigern zu befriedigen sind, neben zahlreichen Lieferanten die Bank, die Stadt und der Fiskus. Zumindest 60 arbeitslose Arbeiter bleiben zurück. Mit dem Verkauf des gesamten Inventars durch den Konkursverwalter endet dieses Kapitel der Stadtgeschichte.

"Der Kleine 'Peter & Moritz' war ja auch nur ein wildgewordener Kinderwagen, lief aber wie der knallrote Teufel, der als Kühlerfigur vorne drauf saß und der Welt eine lange Nase machte". So erinnerten sich Curt Goetz und Valerie von Martens in ihrer Erzählung "Die Verwandlung des Peterhans von Binningen". Die letzten der "Peter-Moritz-Wagen" sollen noch lange nach dem Krieg in Naumburg gesehen worden sein.

Ein neuerlicher Versuch der Stadt, das ehemalige Werksgelände an einen Gewerbebetrieb zu vermieten endet noch im selben Jahr kläglich: der einzige Inserent, der sich auf eine in mehreren Zeitungen geschaltete Anzeige meldet, ist ein dubioser Pleitier. Die Stadt beschließt darauf hin, von einer Vermietung vorerst abzusehen.

Einer der Leidtragenden aus der Firmenpleite ist auch C. W. Gehring, ehemals Betriebleiter und Aktionär. Arbeitslos geworden, erwirbt er aus der Konkursmasse einige Werkzeugmaschinen und Ersatzteile. In einem Naumburger Hinterhof gründet er darauf zusammen mit seiner Frau eine Motoren-Instandsetzungswerkstatt. Im Jahr darauf übernimmt er die Vertretung der amerikanischen Automobilmarke "Essex", verkaufte, wartete und reparierte die Fahrzeuge. Hier beginnt er sich mit der Verbesserung der Oberflächenbearbeitung der Zylinderbohrungen zu beschäftigen und aus dieser Beschäftigung entstehen im Laufe des nächsten Jahrzehnts jene technischen Kenntnisse, die zur Gründung der Honmaschinenfabrik Gehring führen werden.

PM Inserat 26

27.2.26: Bericht
Der Konkursverwalter führt eine Teilversteigerung durch. Erzielt werden RM 993. Die versteigerten Sachen waren im Nov. 1925 von folgenden Firmen gepfändet worden: Granitwerke F. Diede Nachf., Greifswald; Rechtsanw. Liesner, hier; Götz & Hergent, Gera; Robert Bosch AG, Berlin; Ernst Schliemanns Oelwerke GmbH, Hamburg; Vereinsbank Colditz AG; Hoch Syrowy, Stahlind. AG, Erfurt; Rechtsanw. Schultze, Herrmann & Döring, Bautzen; Dominitwerke AG, Köln; Beru AG, Ludwigsburg; Götz & Hergert, Gera; Reimar Holbing Verlagsbuchhandlung, Berlin; F. W. Gammersbach, Roisdorf b. Bonn; Stadtbank Rochlitz; Lunawerke AG, Stuttgart.

21.5.26: Aktennotiz
"Der Konkursverwalter ... teilte mit, dass sich im Grundstück Weissenfelser Strasse 57 noch folgende Gegenstände befänden: ein halbfertiges Auto, der Firma Weiss & Kaphan, Berlin ... verpfändet; ein Chassée [!] Nr. 2.698, der Firma Wilhelm Gammersbach in Roisdorf bei Bonn verpfändet; ein Chassée Nr. 2.694, der Continental Erfurt verpfändet; ein Chassée Nr. 2.699, der Fischerwagen A.-G. Zürich in Ronneburg verpfändet..."

12.6.26: AOK Naumburg an Magistrat
"... Ein über ein Chassis im Werte von 3.000 Mk. abgeschlossener Uebereignungsvertrag mit der Fa. Peter & Moritz liegt wohl vor, der aber vermutlich ein gerichtliches Nachspiel haben wird..."

12.6.25: Continental Hannover an Magistrat
"... Wir machen Sie jedoch darauf aufmerksam, dass uns das fragliche Chassis bereits durch Vertrag vom 15.4.24 übereignet wurde also längst vor Entstehung Ihrer Mietforderung..."

23.6.26: Verfügung des Magistrats
"... und einem Antrag des Konkursverwalters hinsichtlich der Frage, ob die Stadtgemeinde gewillt ist, auf die Miete bezw. einen Teil derselben aus der Masseschuld zu verzichten zugunsten der sonst nicht gedeckten Arbeiterlöhne..."

28.6.26: Weinhold's mechanische Werkstätten, Oberhäslich, an Magistrat
"Im Maschinenmarkt lese ich Ihr Inserat betr. Verpachtung eines Fabrikgrundstückes. Ich habe daran sehr grosses Interesse, da meine Räumlichkeiten hier zu klein sind.
Bei mir kommt die Fabrikation einer kleinen spez. Maschine in Frage. Der Geschäftsgang ist ein sehr guter und kann ich momentan nicht genug liefern. Die Maschine steht ausserdem konkurrenzlos da..."


2.7.26: Magistrat an Weinhold's mechanische Werkstätten, Oberhäslich
"Das Grundstück hat Wasserleitung und elektrische Kraft. Es liegt in unmittelbarer Nähe der Stadt an einer der Hauptzufahrsstrassen, der Weissenfelser Strasse. Der bauliche Zustand ist ein vorzüglicher. Die Entfernung von dem Ostbahnhof, der für Güterverkehr hauptsächlich infrage kommt, beträgt etwa 5 Minuten. Bahnanschluss ist möglich. Es wird später Gelegenheit geboten sein, ihn mit verhältnismäßig geringen Kosten zu schaffen.
Durch den Konkurs der Firma PM sind etwa 60 Metallarbeiter verfügbar geworden. Die Beschaffung von Arbeitskräften würde also auf keinerlei Schwierigkeiten stossen..."


16.7.26: Kartell der Auskunfteien Bürgel an Magistrat
"Unsere Ermittlungen haben ergeben, dass am dortigen Platze bis zum 6.1.1926 die Firma Weinhold & Co. bestand. Die genannte Firma trat am genannten Tage in Liquidation. ... Er wurde ... wiederholt erneut zur Ableistung des Offenbarungseides vorgeladen..."

21.7.26: Der Magistrat
"Auf die verschiedenen Inserate sind Mietangebote nicht eingegangen. Die Räume, die PM A.-G. innehatte, müssen daher zunächst unbenutzt stehen bleiben."