1925: Das Jahr der Entscheidung

Das Jahr 1925 wird für die Automobilindustrie insgesamt ein sehr wichtiges Jahr. Die Krise hält an: Noch immer konkurrieren zu viele Firmen um einen nur zögerlich wachsenden Markt, der noch dazu von einer wirtschaftlich und technisch überlegenen ausländischen Konkurrenz (USA, Großbritannien, Frankreich) bedrängt wird. Doch während die etablierteren Großfirmen sich oft auf andere Produktlinien stützen (Fahrrad-, Motorrad-, Flugzeugbau) und auf die Unterstützung der Banken und des Staates hoffen können, bleiben die kleineren Unternehmen auf sich gestellt. Auch in der Automobilindustrie beginnt nun ein langanhaltender Konzentrationsprozeß, der bis heute anhält und wohl noch nicht zum Abschluß gekommen ist.

Peter & Moritz ist eine der vielen Firmen, die diesem Prozeß zum Opfer fällt. Zwar versucht man noch, die Modellreihe nach oben in die wesentlich lukrativere Mittelklasse zu erweitern, indem man einen kräftigeren Sechszylindermotor entwickelt und mit an anderen technischen Neuerungen wie einer pneumatischen Federung experimentiert. Doch alle Versuche, die Firma zu retten – im Juli beschließt die Generalversammlung noch einmal eine Erhöhung des Grundkapitals – bleiben vergebens.

Im März wechseln Maschinen und Werkzeuge im Wert von zusammen gut 45.000 Mark im Wege der Sicherungsübereignung die Besitzer (Gläubiger sind die Bank und das Finanzamt). Selbst die AOK erhält statt der fälligen Beiträge nun unfertige Autos übereignet. Der Magistrat der Stadt sieht sich im April gezwungen, vom Vertrag über den Verkauf des Firmengeländes zurückzutreten und er versucht – mit sehr viel Nachsicht – bis in den November hinein, die angelaufenen Mietschulden einzutreiben. Erst dann erwirkt er einen Zahlungsbefehl. Einige Tage später, am 14.12.25 erscheint die Konkursanzeige im Naumburger Tageblatt.

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Die Hoffnung von Firmengründern und Arbeitern liegt auf der Entwicklung eines neuen 6-Zylinder-Motors mit 1,5 Litern Hubraum. Er soll das neue, größere Peter-&-Moritz-Modell antreiben, von dem man endlich den Gewinn erwartet, der mit den billigen Kleinwagen nicht zu erzielen ist.

16.1.1925 Magistratsbeschluß
″1. Wegen der Mietrückstände sollen gerichtliche Schritte vorläufig nicht unternommen werden. Es soll vielmehr eine Besserung der Wirtschaftslage abgewartet werden.
2. Im Wege der Verhandlung ist zu versuchen, die Firma wenigstens zu Zahlung in Höhe der laufenden Mietverpflichtungen zu bewegen, damit die Rückstände nicht grösser werden."


26.3.25: Vertrag zwischen PM und dem Bankhaus Randebrock, Naumburg
"Der Vertrag über die Sicherungsübereignung von 5 Kraftwagen zur Sicherung des Contokorrent-Kredits vom 4. Juni 1924 wird abgeändert: 3 Wagen werden zurückübereignet, dafür wird jedoch das Eigentum an insg. 38 Maschinen im Gesamtwert von 15.576 M an die Bank abgetreten."

31.3.25
Die Firma PM übereignet dem Finanzamt Naumburg vertraglich 25 Maschinen im Wert von 29.972,50 M.

3.4.25: Magistratsbeschluß
"Der Firma Peter & Moritz soll mitgeteilt werden, dass wir den Kaufvertrag als gelöscht betrachten."

8.5.25
"... Inzwischen sind jedoch keinerlei Abschlagszahlungen geleistet worden. Wie wir durch Nichterfüllung der Bedingungen durch die Firma gezwungen wurden, vom Kaufvertrage zurückzutreten, so bleibt uns bei weiterer Säumigkeit nichts anderes übrig, als auch den Mietvertrag aufzulösen und die Mietsache anderweit zu vermieten..."

23.6.25: PM an Magistrat
"Wir ... bestätigen hiermit, dass wir die rückständige Miete etc. per 30.6. mit M 6.419,06 anerkennen, die wir in monatlichen Raten von M 500,-- abtragen werden. Gleichzeitig verpflichten wir uns, die Miete vom 1.7. ab laufend nebst Abgaben in jedem Monat an Sie abzuführen, sodass unser Konto bei Ihnen nach und nach abgedeckt wird."

28.11.25: Magistrat an Amtsgericht
"... Wir beantragen daher den Erlass eines Zahlungsbefehls über den Betrag von 8.396,48 RM rückständiger Miete und Abgaben zuzüglich der Kosten dieses Zahlungsbefehls im Betrage von 72,-- RM, zusammen 8.468,48 RM gegen die Firma Autowerke Peter & Moritz A.-G., Naumburg a. S., Weissenfelser Str. 57."