1922: Keine Wohnungen für Direktoren und Meister

Als der Umzug nahe rückt, stellt sich heraus, daß es bisher weder den Direktoren Peter, Moritz und Gehring, noch den Werkmeistern gelungen ist, PM-01eine Wohnung in Naumburg zu finden. Das städtische Wohnungsamt bemüht sich, muß sich aber gleichzeitig um zahlreiche Flüchtlinge und um die städtischen Beamten kümmern, deren Namen eine lange Liste dringender Fälle bilden. Vorerst verdienen weder die Facharbeiter noch die Jungunternehmer selbst genug, um sich die Spekulationspreise am Naumburger Wohnungsmarkt leisten zu können. Die Eisenberger Meister aber sind unverzichtbar, denn sie sollen die neu einzustellenden Arbeiter anlernen. In Naumburg, so hat man wohl mitlerweile festgestellt, gibt es nicht viele Arbeiter mit ausreichender Erfahrung in der industriellen Produktion.

2.5.22: PM an Wohnungsamt Naumburg
"Wegen des Wohnungsgesuches unserer Herren Moriz (ausser der Reihe besonders dringend vorgemerkt) und Gehring, bitten wir Sie nochmals um beschleunigte Namhaftmachung einer geeigneten Wohnung für jeden der beiden Herren.
Sie machen uns den Vorschlag, das Haus Peter-Paulstrasse 9, dem Herrn Zimmermeister Ritzmann gehörend, welches sich noch im Rohbau befindet, zu übernehmen und auszubauen.
Wir sind jedoch hierzu leider nicht in der Lage, da wir nicht die Absicht haben, in ein derart verbautes Haus, welches noch nicht einmal mit dem Dachstuhl versehen ist, sondern nur bis zum ersten Stockwerk ein reiner Rohbau ist, noch über M 300.000 an Baukosten zu investieren, um dasselbe einigermassen brauchbar zu gestalten [...]"


2.5.22: PM an OB
"Es dürften doch in Naumburg sicher Möglichkeiten bestehen durch Zwangseinquartierung in Villen, die nicht voll ausgenutzt sind, Wohnungen zu beschaffen.
Nach unseren Erkundigungen sind in Naumburg eine Menge Häuser, in denen zum Beispiel in einem Stockwerk nur zwei ältere Damen wohnen, so dass die Wohnungen auf keinen Fall ausgenutzt sind. Man verlangte von uns zum Beispiel in dem Hause, Hallische Strasse 30 für 2 Zimmer und Küche, deren Möbelierung unter Ausräumung der Zimmer uns überlassen worden wäre eine Mietsumme von M 600 pro Monat und die anderen Wohnungen möbliert oder unmöbliert, die uns durch Inserate zur Verfügung gestellt werden, kosteten zwischen M 600,- und M 1000,- monatlich. Derartige Mietsummen sind natürlich eine Ausnützung der Notlage, wie sie nicht schlimmer gedacht werden kann. [...]"


2.5.22: OB an Wohnungsamt
"Bei den Mietverhandlungen ist der Aktiengesellschaft Peter und Moritz zugesichert worden, dass ihre Beamten bei der Zuweisung von Wohnungen in gleicher Eise bevorzugt werden sollen, wie die Flüchtlinge und die Beamten der hiesigen Behörden. Diese Zusicherung muss erfüllt werden. [...]"

22.8.22: PM an Magistrat
"Nachdem die Verlegung unseres Werkes Eisenberg nach Naumburg nunmehr in den ersten Tagen des kommenden Monats beginnen soll und wir bereits im September dieses Jahres den Betrieb in sämtlichen Abteilungen unserer Fabrik hier aufnehmen, so wird es notwendig, dass uns die sowohl für Herrn Direktor Peter und Herrn Direktor Gehring sowie für zwei unserer Meister in Aussicht gestellten Wohnungen im Laufe der nächsten 14 Tage bis 3 Wochen zur Verfügung gestellt werden. [...] Da es sich [bei den Meistern] um Spezial-Arbeiter handelt, die hier in Naumburg überhaupt nicht zu beschaffen sind (Automobil-Lackierer und Montage-Meister) und wir für die Einrichtung unseres Werkes und Anleitung der neu einzustellenden Naumburger Arbeiter, welche ja von Fabrikation und speziell von Automobilfabrikation gar keine Ahnung haben, diese beiden Meister keines Falls verlieren dürfen, so bitten wir Sie hiermit, die beiden Leute bis spätestens Mitte kommenden Monats unterzubringen. [...] Insofern, als es in der heutigen überaus schwierigen Zeit notwendig ist je schneller desto besser mit der Inbetriebnahme unseres Werkes zu beginnen, welches die Beschäftigung für etwa 300 bis 400 Mann bieten würde und dessen Inbetriebnahme, ganz abgesehen von den Lohnsummen, die ja auch wieder den hiesigen Geschäftsleuten zu gute kommen, eine beträchtliche Hebung des Fremdenverkehrs herbeiführen wird. Denn wir haben uns nunmehr entschlossen, unser Werk auf eine monatliche Leistung von 75 Wagen einzustellen, die grössten Teils von den betreffenden Besitzern persönlich abgeholt werden, welche, wie es uns unsere Erfahrung in Eisenberg gelehrt hat, meistens mehrere Tage, oft sogar eine Woche sich hier aufhalten und sehr oft in der Stadt beträchtliche Einkäufe gemacht haben. [...]"