Der Umzug des Produktionsbetriebes soll im Herbst 1922 stattfinden. Zuvor müssen jedoch umfangreiche Um- und Einbauarbeiten durchgeführt werden, um aus den Wagenhäusern und Schuppen funktionsfähige Fabrikgebäude zu machen. Es zeigt sich bald, daß die geringe Kapitalausstattung des Unternehmens nicht ausreicht, die notwendigen Investitionen zu finanzieren.
Aus Berlin meldet sich bereits im Januar des Jahres der "Delegierte des Aufsichtsrats", Rechtsanwalt Dr. Bölling, bei der Stadt. Er ist wohl der Vertreter des Berliner Investors, der inzwischen die Aktienmehrheit hält und er führt von nun an alle wesentlichen Verhandlungen des Unternehmens.

Bölling fordert die Kommune auf, das Gelände an Peter & Moritz zu verkaufen, weil die Firma dringend Sicherheiten in Form von Sachwerten benötigt, um ihre Kreditfähigkeit zu erhöhen und um ihr Kapital weiter aufstocken zu können. Er lockt mit vielversprechenden Zahlen (4-5 Millionen Mark jährliche Investitionen, 400 Arbeitsplätze, 50 Millionen Mark Umsatz...) und droht gleichzeitig damit, einen anderen Standort zu suchen, wenn der Grundstückskauf nicht zustande kommt.
Der Magistrat ist dem Grundstücksgeschäft nicht abgeneigt, lediglich über den Preis kann man sich zunächst nicht einigen. Als die Inflationsrate im Verlaufe des Jahres jedoch spürbar ansteigt, wird die Stadt immer zurückhaltender: man will kein Spekulationsgeschäft unterstützen und man hat Sorge, daß das erlöste Geld zu schnell an Wert verliert. Die Verhandlungen ziehen sich hin...

Die Techniker bei Peter & Moritz arbeiten ständig an der Verbesserung der Modelle. Noch in Eisenberg geht eine neue Generation des Kleinwagens in die Serienfertigung. Von der Luftkühlung des Motors ist man inzwischen abgerückt und der verbesserte wassergekühlte Zweizylinder des "Volkswagens" leistet jetzt 15 statt 12 PS. In der Hauptsache produziert man die 15-PS-Tourenwagen-Ausführung und dazu in kleinerer Auflage einen 20-PS-Sportwagen. Da die Karosserien in kleinsten Stückzahlen gefertigt werden, ändern sich diese häufig.

Hatte die Eisenberger Lokalzeitung eben noch stolz, von einem "Rekordverkauf" berichtet, so nimmt das Naumburger Tageblatt von der neuen Fabrik keinerlei Notiz.

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Die halbfertigen Wagen werden nach Naumburg überführt. Auf der Berliner Radrennbahn beteiligt man sich an Autorennen, schon damals eine Herausforderung für jeden Automobilhersteller.

 

22.1.22: Schreiben des Delegierten des Aufsichtsrats, Dr. Bölling, Berlin
"Das Projekt ist nunmehr ausgearbeitet, das die erforderlichen Umbauten für die Fabrikation vorsieht. Es liegen ferner die verschiedenen Kostenanschläge für die Ausführung des Projektes vor. Aus diesen ergibt sich, dass die Kosten für die Umbauten, infolge der hohen Arbeits- und Materialpreise, ausserordentlich hoch sind und zwar so hoch, dass eine vorsichtige und solide Finanzpolitik der Gesellschaft gebietet, auf einen wesentlichen Teil der Umbauten zu verzichten, weil die Gesellschaft nicht im gesicherten Eigentum, sondern nur Mieterin des Grundstückes ist. Das jetzige Vertragsverhältnis gestattet bei einer Investierung von etwa 530.000 Mark für Umbauten, die Anfertigung von etwa 150 Fahrzeugen pro Jahr, mit der Massgabe, dass ein Teil der Arbeiten fremden Arbeitstätten zur Ausführung übergeben werden müßte; in Naumburg (S) würde dann im Wesentlichen die Montierung erfolgen.
Die Gesellschaft würde bei einem derartigen Betriebe bis zu 150 Arbeiter mit einem Gesamt-Monatslohn von etwa 180.000 M beschäftigen. Der Jahresumsatz würde dann etwa 5 Millionen Mark betragen.
Hätte die Gesellschaft das Eigentum, so würden naturgemäss alle Investierungen ihrem Vermögen zuwachsen. Das Eigentum am Grundstück würde die Errichtung einer großzügigen Fabrikanlage gestatten, es würde nach einer allmählichen Investierung von etwas 4-5 Millionen Mark die Produktion auf 800-1000 Fahrzeuge gesteigert werden können. Die Herstellung der Fahrzeuge könnte im Wesentlichen in unserer Fabrik erfolgen d.h. eine Begebung von Arbeiten nach ausserhalb würde auf das allernotwendigste beschränkt bleiben. Es würden bis zu 400 Arbeiter mit einem Gesamtarbeitslohn von einer halben Million Mark beschäftigt werden können, und der Jahresumsatz der Gesellschaft könnte bei gleichbleibender Absatzmöglichkeit auf 50 Millionen Mark jährlich gesteigert werden. [...]
Der gesteigerte Umsatz würde selbstverständlich der Stadtgemeinde wesentlich höhere Steuererträge bringen.
[und:] die Finanzierung der Gesellschaft würde, wenn sie das Eigentum an dem Grundstück hat, auf eine viel solidere Basis gestellt werden können,, das Grundstück, wesentlich verbessert, durch die grosszügigen, dauernd zweckmässigen Einbauten, würde im Eigentum der Gesellschaft mit den darauf eingestellten Maschinen der Gesellschaft erst das in Industrie- und Finanzkreisen erforderliche Ansehen verleihen.
[...] Die Gesellschaft würde als Eigentümerin ihren Sitz nach Naumburg (S) verlegen und ihren Plan, nur die Fabrikation in Naumburg zu belassen und ihren Sitz in Berlin zu errichten, aufgeben.
[...] Wir bieten für das Mietsobjekt Mark 900.000,-.
[...] Wir verkennen nicht, daß die Gebäude in ihren Mauern solid ausgeführt sind, ihre Verwendungsmöglichkeit bleibt aber in ihrem jetzigen Zustande beschränkt auf Zwecke, die gegenwärtig und voraussichtlich für die Zukunft ganz ausser Betracht stehen;.."