1920: Der Volkswagen kommt - aus Eisenberg

Die neben dem Reparatur- und Wartungsbetrieb durchgeführten Entwicklungsarbeiten zeitigen Mitte des Jahres 1920 einen ersten Erfolg. Das Reichspatentamt trägt am 23.6.20 einen von Paul Peter, Karl Moritz und Christoph Willi Gehring angemeldeten "Motorwagen" in die Gebrauchsmusterrolle ein und schützt ihn damit vor Nachahmung. Als schützenswerte Besonderheit ihrer Konstruktion hatten die Unternehmer in ihrem Antrag deren bis dahin unerreichte Einfachheit, Leichtigkeit und Sparsamkeit herausgestrichen. Am 6. Juli meldet die Eisenberger Lokalzeitung: "Das erste Eisenberger Kleinauto der Firma Peter & Moritz AG hat gestern abend die Werkstatt zu einer Probefahrt verlassen. Die in das Fahrzeug gesetzten Hoffnungen haben sich in jeder Weise erfüllt."

Wenige Wochen später, am 31. August können die Eisenberger ihrem Blatt dann den Bericht vom ersten großangelegten Tauchlichkeitstest entnehmen: "Ein Volkswagen der Autowerke von Peter & Moritz fuhr am Sonnabend mittag von Weimar über Frankfurt a. M. nach Godesberg a. Rh., wo er am Sonntag abend eintraf. Die rund 600 Kilometer lange Strecke wurde ohne die geringste Störung zurückgelegt."

Der derart gepriesene "Volkswagen" ist ein Kleinstwagen der einfachsten Art, mit Zweiganggetriebe ohne Rückwärtsgang und einem querliegenden 1,3-Liter-Boxermotor, dessen Zylinder an beiden Seiten der Motorhauben herausragen und so durch den Fahrtwind gekühlt werden. Er ist in vielen seiner Merkmale dem seit Jahren sehr erfolgreichen englischen "Rover Eight" Cyclecar nachempfunden und entspricht weitgehend dem, was auch noch zahlreiche andere kleine und kleinste Autofirmen anbieten.. Der Preis des Autos beträgt immerhin 10.000 Mark. Es sollen zeitweise 10-12 Stück pro Monat gefertigt werden.

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Das erster Serienmodell bei der Probefahrt. Kennzeichnend war die bootsförmige Karosserie. Es war der Ehrgeiz der Techniker, einen eigenen Motor zu entwickeln. Ein kleiner, einfacher Boxermotor schien das geeignete Triebwerk für den Kleinwagen Ein Blick in die Werkstatt, die noch nicht viel mit "Fabrik" zu tun hat. Auch auf härteste Winter-Testfahrten in der Eisenberger Umgebung wurde nicht verzichtet.

 

Aus dem Antrag auf Gebrauchsmusterschutz:

"Die Bezeichnung lautet: Volkswagen. Als neu wird beansprucht: Gesamtaufbau eines leichten Motorwagens von bisher unerreichter Einfachheit, dessen Teile und Handhabung völlig gefahrlos bedient werden kann. Die Einfachheit dieses neuen Fahrzeuges wird am besten dadurch dokumentiert, dass dasselbe mit Hilfe von nur zwei normalen Maschinenschlüsseln vollständig zerlegt und wieder zusammengebaut werden kann also nur 4 Muttergrößen aufweist. Der Motor ist mit Kupplung und Getriebe in einem Aluminiumgehäuse zusammengebaut, dessen Oberteil nach Lösen einiger 8 mm Muttern abnehmbar ist und die ganze Maschinenanlage zur Revision oder Auswechseln von Teilen freilegt. In ebenso einfacher Weise ist das vielfach sonst zu Störungen Veranlassung gebende Kardangelenk durchgebildet. Zwei einfache Lederscheiben, die jeder Dorfschmied erneuern kann, bewerkstelligen die Uebertragung der Motorkräfte unter Weiterleitung durch eine Rohrwelle auf das einfache Schneckengetriebe der Hinterachse. Diese weist entgegen den bisher bekannt gewordenen Motorwagenkonstruktionen keinerlei Ausgleichsgetriebe auf. Irgendwelche Nachteile haben sich bei den bisher geheimgehaltenen Versuchsfahrten nicht ergeben. Dagegen wurde als wesentlicher Vorteil festgestellt, dass der Wagen bei nassem Wetter auf schlüpfriger Strasse durch einfaches Beschleunigen mittels Motorkraft wieder in Fahrtrichtung gebracht werden kann, sofern derselbe wirklich einmal schleudert. Durch das Fehlen des Ausgleichsgetriebes wird uns möglich gemacht mit Hilfe unserer einfachen Trommelbremsen an den Hinterrädern durch getrennte Betätigungsgestänge zwei unabhängig von einander wirkende Bremsen zu bekommen. Die Feststellung der Handbremse ist ebenfalls ohne komplizierte Einzelheiten ausgeführt. [...] Wie einfach im Uebrigen der ganze Aufbau gehalten ist, möge noch aus folgenden Einzelheiten hervorgehen. Sämtliche Federböcke sind absolut gleich und untereinander austauschbar, ebenso die Zylinder, die Stöße, die Ventile, die Nockenhebel, sowie die meisten Kugellager und Zahnräder. Durch die mehrfache Verwendung derselben Konstructionsteile wird eine Massensfertigung dieser Fahrzeuge ermöglicht, sodaß dasselbe zu einem Preise auf den Markt gebracht werden kann, der breitesten Bevölkerungsschichten die Anschaffung ermöglicht. Dabei war es möglich das Gewicht des Fahrzeuges so gering zu halten, daß auch der Betriebsmittelverbrauch für ein Vierradfahrzeug als bis heute noch nicht erreicht niedrig betrachtet werden kann..."