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Stadtmuseum Hohe Lilie Naumburg
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Das Müntzer-Bild im Rathaus

Friedrich Martersteig: Thomas Müntzers letzter Gang.


Seit 1856 hängt im Naumburger Rathaus das Gemälde "Thomas Müntzers letzter Gang" von Friedrich Martersteig. Das 1849-51 entstandene Bild war damals vom "Naumburger Kunstverein" für 468 Taler angekauft worden, um es der Stadt Naumburg zu schenken. Man wollte damit die Stadt animieren, eine eigene Kunstsammlung aufzubauen - ein Ansinnen, das leider auf keine positive Resonanz stieß. Friedrich Martersteig (*Weimar 1814, † Weimar 1899) war Historienmaler, ausgebildet an der Düsseldorfer Akademie und in Paris, seit 1849 Mitglied der Berliner Akademie, ab 1854 Zeichenlehrer am Sophienstift in Weimar. Seine Themen entnahm er vorzugsweise der Reformationszeit.

Im Mittelpunkt des Naumburger Gemäldes ist der gefesselte Thomas Müntzer (1490-1525), Symbolfigur des Bauernkrieges, zu sehen. Vor Müntzer geht Heinrich Pfeiffer, ebenfalls in Fesseln, der mit Müntzer den thüringischen Aufstand angeführt hatte und zusammen mit ihm von den siegreichen Fürsten am 25.5.1525 nahe Mühlhausen getötet wurde. Neben Müntzer erkennt man Heinrich von Braunschweig, der Müntzer der Sage nach das Glaubensbekenntnis vorgesprochen haben soll. Als reitender Fürst ist Herzog Georg der Bärtige von Sachsen dargestellt, ein Vertreter der katholischen Gegenreformation.

Die staatstragende Absicht, die aus Martersteigs Gemälde spricht, formulierte der Maler in einem Brief: „Es schien mir eine wichtige strenge Pflicht, in solchen Zeiten [1848!] durch die Kunst in warnender und aufklärender Weise zur Beruhigung beizutragen.” Dass die Naumburger Bürgerschaft, die 1848 noch mehrheitlich auf der Seite der Revolution gestanden hatte, gerade ein solches Bild, dessen Grundaussage man aus demokratischer Sicht im besten Fall als resignativ bezeichnen kann, zum Grundstock einer bürgerlichen Gemäldesammlung auserkor, mag heute verwundern, erklärt sich aber aus der Stimmung der Zeit nach dem Scheitern der Revolution.

Das Gemälde wurde von Detlef Kauz, Restaurator in Erfurt, im Jahr 2003 restauriert: es wurde gereinigt, der Bildträger begradigt und neu in den ebenfalls restaurierten und neu vergoldetem Keilrahmen eingesetzt.

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