Naumburger Münzgeschichte
Prägetechnik

Obwohl die Münzherstellung im wirtschaftlichen Leben des Mittelalters eine erhebliche Rolle spielte, gibt es nur wenige schriftliche oder bildliche Quellen, die über die Herstellungstechnik hinlänglich Auskunft geben. Dies liegt zum einen an der Eigenart mittelalterlicher Bildquellen, die oft über Jahrhunderte einmal gefundene Stereotypen beibehielten und nicht auf Neuerungen eingingen, zum anderen findet dies seine Erklärung aber auch darin, daß die Münzmeister sehr viel Geheimnis um ihre Kunst machten. Von Ort zu Ort, von Zeit zu Zeit und von Münztyp zu Münztyp mag sich die verwendete Technik weit mehr unterschieden haben, als dies aus den überlieferten Quellen zu entnehmen ist. Ausgangsmaterial der Münzprägung war generell der "Zain", das in Stangen oder Barren gegossene Münzmetall.

Es war die Aufgabe des Münzmeisters, aus dem Zain gleich große und gleich schwere Münzen herzustellen. Um dies zu erreichen, wurde der Zain zu Blechstreifen definierter Größe ausgeschmiedet. Danach wurden die Blechstreifen in Quadrate zerschnitten, deren Kantenlänge dem Durchmesser der zukünftigen Münze entsprach oder etwas kleiner war. Die Quadrate wurden nun zu Rundlingen getrieben, womit keinerlei "Verschnitt" anfiel und sich, war nur das Gewicht des Zains bekannt, durch die Anzahl der so gewonnenen Schrötlinge deren Gewicht recht gut vorherbestimmen ließ.

Die Prägung der Münzen war nun denkbar einfach: Sie wurden "geschlagen", d.h. ein Schrötling wurde auf den in einem Amboß, Steinquader oder Holzblock steckenden Unterstempel (gelegt und der Oberstempel (mit Obereisen) wurde aufgesetzt. Mit einem gezielten Hammerschlag auf Oberstempel bzw. Obereisen erfolgte die Prägung. Bei der Brakteatenprägung entfiel der Unterstempel, dafür wurde wahrscheinlich ein weiches Medium wie Leder untergelegt, um das Münzbild mit einem wohldosierten Schlag in das dünne Silberblech treiben zu können.

Bei der spätmittelalterlichen Hohlpfennigprägung kamen teilweise konische Prägestöcke zum Einsatz, wie sie sich z. B. im Stadtmuseum Jena erhalten haben. Versuche mit diesen Prägestöcken legen die Vermutung nahe, daß als Obereisen eine genau angepaßte Hülse verwendet wurde, in der ein weiches Medium - Leder, Blei o. ä. - als Futter einlag und dazu diente, die Energie des Schlages so zu verteilen, daß das Metall des Schrötlings gleichmäßig in die Vertiefungen des Stempels getrieben wurde.