Naumburger Münzgeschichte
Münzbilder
Noch heute sichtbarer Nachweis der mittelalterlichen Geldpolitik sind die Münzbilder der Brakteatenzeit; denn die häufig neu geprägten Münzen mußten sich deutlich genug von den verrufenen unterscheiden, um auf Anhieb erkennbar zu sein. Die Größe der Brakteaten kam diesem Bedürfnis sehr entgegen und die Münzmeister des 12. und 13. Jahrhunderts nutzten die Vorgaben, um Bilder von hoher künstlerischer Qualität zu schneiden, die in ihrer Art einen Höhepunkt romanischer Kunst bedeuten. Wie es für die Romanik charakteristisch ist, erscheinen die verwendeten Bildelemente in stark typisierter Form.
Topische architektonische Motive wie Kuppeln, Türme, Mauern und Tore rahmen oftmals menschliche Figuren ein, die ihrerseits nie individuell dargestellt werden. Diese Figuren repräsentieren zumeist den Münzherren, gekennzeichnet durch die spezifischen Attribute seines Standes: Schwert, Fahne, Panzer lassen den weltlichen Dynasten erkennen; Mitra, Krummstab, Kreuzstab, Lilienzepter und Buch begleiten geistliche Herren und dementsprechend finden sie sich auf den Naumburger Brakteaten in vielerlei Variationen vertreten, während etwa auf dem abgebildeten Brakteaten aus der kaiserlichen Münzstätte Altenburg die Autorität Friedrichs I. (1152-1190) durch die Attribute Krone, Lilienzepter und Reichsapfel repräsentiert wird.
Die fast ausschließlich lateinischen Umschriften sind oft kaum zu entziffern, weil leseunkundige Stempelschneider die Buchstaben mehr nach derem ornamentalen Wert nutzten und Schrift gelegentlich nur imitierten. Jahreszahlen und Wertangaben fehlen in dieser Zeit noch ganz. Im 13. Jahrhundert entfällt die Umschrift dann oft vollständig und das dargestellte Bildprogramm wird für uns heute zum einzigen Merkmal, das die Identifikation des Münzherrn und der Münzstätte und damit auch die genauere Datierung erlaubt.
Die Zuordnung der Brakteaten zur jeweiligen Münzstätte erfolgt am sichersten durch die Umschrift, wobei die Kürzel NVM, NV, N für Naumburg (numburg[ensis]) stehen und CIC, CIE, C für Zeitz (cice[nsis]). Das häufige E steht für episcopus, Bischof. Im Münzbild erfolgt die Unterscheidung durch die Kopfbedeckung: Während der Bischof im Naumburger Münzbild stets eine Mitra trägt, ist der bischöfliche Münzherr auf den Zeitz zugeschriebenen Münzen barhäuptig und zeigt meist sein gelocktes Haupthaar.
Brakteat Dietrichs II, Münzstätte Naumburg.
Der Bischof ist durch die Mitra gekennzeichnet. Umschrift: ThEODERIC EN
= Dietrich episcopus numburgensis
Brakteat Bischof Meinhers (1273-1280), Münzstätte Zeitz.
Bischof ohne Mitra.
Umschrift: MDGNEE
= Meinherus dei gratia numburgensis ecclesiae episcopus
Ein Brakteat Bischof Dietrichs II. (1244-1272).
Mitra - Krummstab - Kreuzstab - Bischofsgewand - Perlenkranz - Umschrift: NVENPVRG
Brakteat Friedrichs I. (1152-90)
kaiserliche Münzstätte Altenburg.
Krone - Lilienzepter - Reichsapfel - Prächtiges Gewand
Besonders schöner Brakteat des Naumburger Bischofs Wichmann (1149-1154), der eine dreitürmige Torburg (?) mit einem winzigen Bischofsstab zeigt und keine Umschrift aufweist.
Diese Münze ist eine Gemeinschaftsprägung mit dem Markgrafen von Meißen in Strehla; möglicherweise ist der breite Gitterrand ein Hinweis auf diesen Prägeort.