Naumburger Münzgeschichte
Mark und Pfennig
Münzprägung. Aus einem Wandgemälde in der St. Barbara Kirche in Kuttenberg/Böhmen, um 1463.Münzprägung. Aus einem Wandgemälde in der St. Barbara-kirche in Kuttenberg/Böhmen, um 1463.
Münzprägung. Aus einem Wandgemälde in der St. Barbara Kirche in Kuttenberg/Böhmen, um 1463.

Die Struktur des Geldwesens im mittelalterlichen deutschen Reich war zugleich ausgesprochen primitiv und höchst kompliziert. Primitiv (im Vergleich beispielsweise zu Italien) war sie, weil man mit nur einem Münzmetall, dem Silber, und nur einer einzigen Münzsorte auskam: dem Pfennig (lat. "denarius"). Lediglich halbe Pfennige ("Hälblinge", lat. "obuli") und Viertelmünzen ("Vierlinge", lat. "quadrantes") ergänzten hin und wieder das bescheidene Spektrum. Den "Schilling" (lat. "solidus") zu 12 Pfennigen kannte man lediglich als Rechnungseinheit, nicht aber als ausgeprägte Münze. Wo große Beträge bezahlt werden mußten, behalf man sich gelegentlich damit, daß man barrenförmiges Silber ("Gußkuchen") verwandte. Die wenigen Goldmünzen, die sich im Umlauf befanden, waren meist byzantinischen oder spanisch-maurischen Ursprungs.

Bemessungsgrundlage des Pfennig war nicht mehr das karolingische Pfund (408 g), sondern die Mark, ein Edelmetallgewicht von etwa 234 g. Eine Mark entsprach 8 Unzen oder 16 Lot. Der überregional bedeutende Kölner Pfennig war ursprünglich als 10. Teil eines Lots (etwa 1,46 g) definiert; es entsprachen also 160 Pfennige einer Silbermark.

Aber Pfennig war nicht gleich Pfennig. Die Münzrechte wurden überwiegend mit Stadtgründungs- und Stadtbefestigungsprivilegien verliehen und entsprechend zog die Stadtgründungswelle des 12. und 13. Jahrhunderts die Einrichtung einer großen Zahl von Prägestätten nach sich. Bis 1260 stieg deren Anzahl auf weit über 400.

Die dort geschlagenen Münzen waren von ungleicher Qualität und man begann bald, unterschiedliche Mengen Pfennige aus der Mark zu schlagen, was dazu führte, daß die so produzierten Münzen von sehr unterschiedlichem Wert waren und man kann noch heute leicht nachvollziehen, wie die mittelalterlichen Kaufleute unter dem Übergang von der "Periode des Fernhandelsdenars" zur "Periode des regionalen Pfennigs" gelitten haben. Die Naumburger Pfennige wogen nur im 11. Jh. Noch knapp über einem Gramm. Ab dem 12. Jh. wogen sie zumeist zwischen 0,8 und 1,0 g, d. h. hier wurden wie auch in den meisten anderen deutschen Münzstätten 240 und mehr Pfennige aus der Mark geschlagen.

KaufmannKaufmann Die Waage in der Linken, eine Münze in der Rechten, ein Geldbeutel am Gürtel: Das Bild eines wohlhabenden Kaufmanns, 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. (Herrad von Landsberg: Hortus deliciarum)