Naumburger Münzgeschichte
Hohlpfennige

Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts setzten sich die Prager (ab 1300) und die Meißner Groschen (ab 1338) im gesamten mitteldeutschen Raum durch. Damit stand dem überregionalen Handel endlich eine Münze zur Verfügung, die den Waren- und Geldumlauf erleichterte und so dem durch das ganze späte Mittelalter hindurch ständig expandierenden Handelsverkehr zugute kam. Für die ehemaligen Münzherren - in der Mehrzahl Bischöfe - bedeutete die Aufgabe ihrer einträglichen Prägestätten jedoch eine erhebliche finanzielle Einbuße. Man wird wohl hierin und in einem möglichen Kleingeldmangel die Hauptgründe dafür finden, daß es im 14. und 15. Jahrhundert verschiedentlich doch noch zur Ausgabe einseitig geprägter Pfennige von lokaler Bedeutung kam. Aufgrund der hohen Anzahl dieser Münzen in Funden kann man davon ausgehen, daß diese in erheblichen Mengen geprägt worden sind.

Für Naumburg können für diesen Münztyp zwei Prägeperioden nachgewiesen werden: Die Bischöfe Gerhard I. (1359-1373) und Peter (1434-1463) ließen solche Münzen prägen, die sich von den früheren Hohlpfennigen sowohl in der Form als auch im Münzbild deutlich unterscheiden. Das Münzbild ist grundsätzlich sehr viel einfacher, die Münzen Gerhards zeigen zum Teil noch Krummstäbe als bischöfliche Insignien, häufiger und unter Peter (1434-1463) dann ausschließlich finden aber nun die Elemente des Stiftswappens Schlüssel und Schwert Verwendung. Auch die Umschrift zitiert nun nicht mehr den bischöflichen Münzherren, sondern mit "NVMB" und ähnlichen Kürzeln tritt nun der Name der Stadt in den Vordergrund. Ihrer besonderen Form verdanken diese - nun auch wieder deutlich kleineren - Münzen den Beinamen "Schüsselpfennige": Ein hoher wulstiger Rand, der wohl auf eine Änderung der Prägetechnik zurückzuführen ist, gibt ihnen tatsächlich die Form einer flachen Schüssel, verleiht ihnen darüber hinaus aber auch eine im Verhältnis zur Materialstärke erheblich verbesserte Festigkeit.

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Münzprägung, aus der Spiezer Chronik des Diebold Schilling (15. Jh.). Sehr gut ist auf dieser Abbildung die Vorbereitung der schmalen Silberblechstreifen zu sehen, aus denen die Rohlinge geschnitten werden (links).