Naumburger Münzgeschichte
Geld bringt Geld

Uneingeschränkt positiv waren die mittelalterlichen Verhältnisse für die jeweiligen Münzherren. "Regionaler Pfennig" bedeutete nämlich, daß eine Münze nur dort galt, wo sie geschlagen wurde, d. h. im Machtbereich des zuständigen Münzherren. Dies bedeutete u.a., daß jeder ortsfremde Händler erst einmal gegen Gebühr sein fremdes Geld umtauschen mußte, bevor er es ausgeben konnte und zwar bei dem durch den Münzherrn eingesetzten Münzer, der allein dazu berechtigt war. Noch weit mehr ließ sich aber an der eigentlichen Geldherstellung verdienen.

Der Geldwechsler. Die Kenntnis der unzähligen sich im Umlauf befindlichen Währungen war eine einträgliche Wissenschaft, die sich die professionellen Geldwechsler zunutze machten. Quentin Massys: Der Geldwechsler und seine Frau, 1514 Der Geldwechsler. Die Kenntnis der unzähligen sich im Umlauf befindlichen Währungen war eine einträgliche Wissenschaft, die sich die professionellen Geldwechsler zunutze machten. (Quentin Massys: Der Geldwechsler und seine Frau, 1514)

Die Differenz zwischen dem Nennwert der Münzen und ihrem Materialwert zuzüglich der Prägekosten behielten die Münzherren als Schlagschatz ein. Von Köln wissen wir, daß der Schlagschatz Ende des 12. Jahrhunderts 12 Pfennige von der Mark betrug und daß der Erzbischof diese Münzstätte und die Einnahmen aus dem Wechselgeschäft für die stolze Summe von 1000 Mark jährlich verpachtete. Kleinere Münzstätten brachten entsprechend weniger Pacht, auch der Ertrag der Naumburger Münzstätten ist bestimmt nicht gering zu veranschlagen.

Gerade weil diese Einkünfte so wichtig waren, suchten und fanden die Münzherren nach Wegen, diese noch zu steigern: die Münzen wurden in unterschiedlichen Abständen "verrufen", d. h. für ungültig erklärt. In Köln geschah dies regelmäßig bei zwei Gelegenheiten, beim Amtsantritt eines neuen Erzbischofs und auf die Reichsheerfahrt zur Kaiserkrönung nach Italien. Erzbischof Wichmann von Magdeburg verrief seine Münzen sogar zweimal pro Jahr! Ob er dies zuvor in seinen Jahren als Naumburger Bischof (1149-1154) ebenso gehalten hatte, wissen wir leider nicht, wahrscheinlich hielt er sich zu jener Zeit aber noch an die üblichere Verfahrensweise, die Münzverrufung jährlich oder in größeren Abständen durchzuführen.

Jan Sander van Hemessen: Jesus fordert Matthäus auf die Wechselstube zu verlassen, 1536) Jan Sander van Hemessen: Jesus fordert Matthäus auf die Wechselstube zu verlassen, 1536)

Die Verrufung einer Münze machte diese mit sofortiger Wirkung ungültig, und sie bedeutete gleichzeitig den Zwang, das ungültige gegen neues Geld zu tauschen, wobei gewöhnlich 12 alte Pfennige gegen 9 der frischen Prägung getauscht wurden, d. h. die Münzherren belegten das umlaufende Geldvermögen mit einer massiven Steuerlast.