Naumburger Münzgeschichte
Brakteaten
Bis ins 12. Jahrhundert hinein waren die Pfennige durchweg recht kleine, zweiseitig geprägte Münzen. Anfang jenes Jahrhunderts kann man jedoch im Osten Sachsens beobachten, daß die Münzen stets größer und dünner wurden, bis die Stempel schließlich auf die jeweilige Rückseite durchschlugen. Um 1130 wurden dann in der Mark Meißen die ersten "Brakteaten" (lat. bractea = dünnes Blech) hergestellt, d. h. Pfennige, die nur noch einseitig geprägt, sehr dünn und relativ groß waren. Der Begriff "Brakteat" wurde aber erst nach der Mitte des 17. Jahrhunderts dafür verwandt. Die Brakteaten lösten bald nördlich des Mains und östlich der Weser die zweiseitig geprägten Denare (heute auch "Dickpfennige" genannt) ab, nicht aber in den wirtschaftlich weiter entwickelten Gebieten des Rheinlands, Westfalens und Bayerns, wo man schon länger an die Geldwirtschaft gewöhnt war und wohl auch der Fernhandel eine größere Rolle spielte.
Da die Brakteaten aus sehr dünnen Blechen hergestellt wurden, waren (und sind) sie sehr fragil. Die mittelalterlichen Händler trugen sie daher nicht wie die Dickpfennige in Geldbeuteln bei sich, sondern übereinandergeschichtet in speziellen Behältern aus Holz, Leder oder Blech. "Eine solche Lederkapsel", berichtete die Naumburger Heimat 1934, "wurde in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im zugefüllten Stadtgraben am früheren Wenzelstore gefunden. Diese Kapsel war noch leidlich gut erhalten. Sie enthielt solche alten Geldmünzen und mag vielleicht mit dem Brandschutt früherer Jahrhunderte dorthin geraten sein." Leider ist uns dieser Fund nicht erhalten geblieben.

Kleingeld:

Der tatsächliche Wert des Pfennigs berechnete in der Praxis nach seinem Gewicht und seinem Silbergehalt. Große Beträge wurden einfach nach Gewicht (Mark, Pfund) abgerechnet, wodurch man sich die Mühe des Zählens sparen konnte. Da aber auch der einzelne Pfennig einen relativ hohen Wert darstellte, war im Alltag der Mangel an einem kleineren Nominal das größere Problem. Deshalb wurden leichte Pfennige geprägt, die nur die Hälfte oder ein Viertel des normalen Pfennigs wogen.

"Halbbrakteat":
Zweiseitig geprägte Münze, die so dünn ist, dass das Münzbild der Vorderseite auf die Rückseite durchschlägt.
"Hälbling":
Brakteat halben Gewichts.
Halbierter (durchgeschnittener) Brakteat.