Neues Goldschmiede-Buch (1753)

Neues Goldschmiedebuch
So nach den aufgerichteten neuen Regliment welches hirbey angemercket.

Alle von der Zeit an unsrer Confirmation 1653 derer Articul an Mit-Gliedern sich bei unserer Innung befunden notirt. Von der Zeit 1753. aber an so viel dieselben noch an Leben, jeder sein apartes Conto, was Er der Lade schuldig, auch wieder bezahlt, inclusive derer Lehrjungen, künftig hir haben, und nach der ordnung fortgeführt werden soll.


In Anhange aber von denen Goldschmieden von anderen Städten, welche mit uns halten, jungen ein und aus schreiben zulaßen, oder in solcher ordnung eingeschrieben werden sollen.

Naumburg 1753 d. 1. Jan.
George Fried. Scholtze
p : t Ob Eltest
Johann August Mäch? (s. Mäcke, Mecke)
Beysitzer

Ist hundert Jahre nach anfange dieses Buches daß hiesige löblich Innung Goldschmiede von Sr. Churfürstl. Durchl. aufs neue Confirmiret worden.

Laut Handelsbuch 1653

Reglement

Wie sich die Löbl: Innung derer Gold und Silberarbeiter, alhir, unter einander nach den Articeln gemäß einstimmich verglichen und wie es künftig, bey der Innung unge...brüchl:? ... gehalten werden soll.

Capt: 1
Von Ober-Eltesten und Beysitzern.

Sol bey allen Quart: ein jeder seine drey gl: erlegen, er sey zu gegen oder nicht schuldig seyn, ohne Deput: L·L· Raths ein Quartal oder anderen umlaufen so darzu erfordert würden, gehalten werden soll. nach geöfneter Lade sollen die Artickel im 1. Quartal Fastnacht verlesen werden, als den alles was von letztern Quart:? bey der, und zu der Lade gehörig vorgegangen Oberältester vortragen, darüber ab gehandelt und was beschloßen, dem Protocol ein verleibet werden sol. und weil? in Fastnacht Quartal des Oberältesten, sein Regiment sich anfangen, und endigen sol.

Er jederzeit nach verfloßenen zwey Jahren dieses Quartals, abdanken und durchaus nichts zu gestanden werden sol, es länger aufzuschieben sondern die neue Wahl durch einen jeden sein Votum auf einen Zettel geschrieben, zu sammen gerollet und gesamlet werden, die vota einen Hochedl Raths Deput: übergeben, da der Selbige der Innung durch die Meister stimmen, der Ober Eltesten eröffnen wird und die Wahl heirdurch seine Kraft haben soll.

Nach geschehener Wahl sol so gleich nach aufgegangener neuen Raths Confirmiert: neuer Oberältester in Pflicht nehmen laßen, der Beysitzer aber zu seinen anderen Jahre sich zugleich mit bestätigen laßen sol.

2. Als dan sol abgegangener Oberältester die Woche Regate, den angehenden Oberältesten, im Beysein beyder Beysitzer die Lade mit Ihren zubehörigen nach der Infentur?, und zugleich seiner eingebundenen Rechnung, nebst Überschuß des baaren Geldes, ohne langer Aufschub übergeben, neuer obereltester, sol den selben über richtigen empfang quittiren und alles in seine Verwahrung nehmen. Die Rechnung sol neuer ober Eltester gleich nach Pet: Paul mit zuziehung beyder Beysitzer, und 2. Juniores durchgehen, und defectiren, die defecte schriftl: aufsetzen und Selber nebst deren Rechnung zur Beantwortung dem abgegangenen Obereltesten wiederum übersenden. Dieser sol binnen vier Wochen Zeit seine Beantwortung gründl: darzu setzen, und in der zeit neuen Obereltesten wieder ein senden und sol neuer Obereltester beym Martin quartal solche der Innung vortragen, und der ausspruch des .. satzes oder pashinrung? nach der Taxe des Reglementes geschehen sol. als dan von L·L· Raths. Deput: quittirt werden soll. [ Sämtl: Innung ....soll]? Und aus eben solche Ordnung sol es gehalten werden, wen der Oberälteste von andern wieder gewehlet würde, die Rechnung dennoch abzulegen schuldig sein sol, und durchaus nicht langen anstandt haben oder etwas? diese 2. Jahre dazu kommen laßen wollte, welches die Innung nicht gestatten, sondern dazu angehalten werden sol.

3. Neue Beysitzer sollen wen ihre zwey Jahre vorbey, allzeit in Fastnacht Quartale des anderen Jahres Regierenden Ober Eltesten gewehlet werden, die Schlüßel sogleich von Obereltesten, ... ? überreichet werden, und nicht zugelaßen werden soll, langer darbey zu verbleiben, damit jederzeit die Ordnung trifft?, das ein Oberältester in seinen 2. Jahren, beyde Beysitzer zur Seite hat, welches der Innung nützlich sein wird, und sollen Beysitzer schuldig syn auf alles wohl acht? zu haben, damit sie bey Rechnungen defectiren vor alles wohl red und antworth geben können und sollen nach abgang dieses bey Quartal rechnung machen, das obereltesten auf die in Wohnung führender empfangenen gelder, nach regelment? der Taxe, in volle quittiren; Confirmat:? des anderen Beysitzer, geführt zu der zeit, mit ober Eltesten bey neu aufgegangenem? Rathe. Er sol auch kein? abgegangener ober Elterer welcher nicht am? Regimente?, nach Übergabe der Lade, keiner ....? noch Gold oder was es seyn mag Innungs wegen annehmen, noch viel weniger an sich behalten, oder bey der übergabe verschweigen, sondern nach Empfang deßen, so von auswerthigen die es nicht wißen können, solches an Ihn überschrieben würden, sol Er sogleich verbunden seyn, neuen Ober Eltesten gegen Quittirung es ein zuhändigen und sich keiner Beantwortung? desselben anmaßen, sondern den neuen Ober Eltesten überlaßen, außer dessen? Er solches überwiesen werden könne bey der Innung weil es viele unordnung machen kann, ausdrückl: verantwortung zuwegen bringen sol.

4. Sollen alle Ober Eltesten so wohl bey jähricher Bestätigung, als auch bey zwey jährichen Abgange, oder so Er auch wieder Erwehlet worden, jederzeit Seine Lehrjungen und Jung Meister, so Er in Cämerey und Gottes Kasten zu vergeben schuldig, abtragen und richtig machen, auser diesen solches nicht geschehe, und Er nach verfloßener Zeit überzeuget würde, Er sey wieder erwehlet oder abgegangen verbunden seyn solche aus seinen Mitteln zu bezahlen und der Lade wan er einmal abgegangen, nicht wieder zu rechnen sol. ein gleiches sol auch das Schießgeld? Seine richtigkeit haben, und diese, wie alle Belege denen Jahren mit angeheftet werden.

5. Es sol alle Jahr zwey mahl Quartal Fastnacht daß erste, Martin das andere gehalten werden, und obgleich wegen schlechter einkünften, keine Mahlzeit gehalten werden könnte, dennoch um ordnung zu erhalten geschehen sol. Damit ober Eltester alle quartale was von einem zum andern eingegangen oder berichtet worden, in specie? von jungen aus anderen Städten, der Innung vorgetragen, und nicht verschwiegen werden soll, damit neuer ober Eltester keine verwirrung findet. Welche darwider handeln und nach deßen abgange überwiesen werden können, sol neuer Obereltester aus deßen unkosten davor 17 gl umlaufgebühren, der Innung solches vortragen, und nachdrückl: veranthwortung hirvon haben sol. Es sol auch sowohl bey Quartalen als auch bey anderen umlaufen, so ein Innungsglied was vorzutragen solches bescheiden anbringen und begnüngen?, was Ober Eltester Innungs wegen ausspricht damit aller zank und streit verminder werde, so Er sich aber nicht befriedigen wollte, sol er den Ober Eltesten bescheidentlich vortragen, wie die Sache beendet bleiben möchte, und eines E. Raths. Depit.? ersuchen, daß er Ehl.? Rath seine Notdurft vortragen und deßen Ausspruch erwarten wolle. Außer diesen? Er solches nicht thun würde, sondern die Sache übergehen, und nach endigung deßen aus den quartale ..... ? und durch unzeitige Beschwerden, anderer Arth sich beklagen, und dadurch anderer Hülfe sich zu bedienen suchen. So er solches überwiesen werden kan, soll ober Eltester Innungsumlauf halten auf seine kosten die 12 gl Gebühren erlegen, und zur Strafe mit ausschließung ersteren Quartale denoch aber sein quartal Geld zu geben schuldig sein, beleget weden sol.

6. Daß Fixum soll zu rechter Zeit von jeden Mitgliede, sobald Ober Eltester umlaufen laßen, und zwar in guten Gelde ohne anstandt eingesandt werden, außerdem der Saumseligen verbunden sein sol, die execution zu bezahlen, weil er solche causiret, [oder sol das Schild weg genommen werden].

Von Zeitarbeitern, Stück und Jung – Meistern.

1. Cap. Wen ein Zeitarbeiter sich meldet es mag auser oder beym Quartal geschehen, sol der 12 gl umlaufgebühren erlegen, ingleichen ℓ 1 der Lade alle zusammen Forderungen, so selbst verschuldet werden, sie geschehen? von Innungsgliedern, Gesellen oder Lehrjungen sollen die 12 gl Gebühren erlegen, Goldschmidts Söhne zugleichen. Es sol auch kein Zeitarbeiter von seinen gl, wo er angewiesen ohne vorbericht der Innung bey verlust seiner zeit nicht weg reisen.

2. Beym Stück aufweisen sollen Lehr und Geburths Brief, 12 gl Umlauf gebühren nebst einen Thaler der Lade erleget werden. Es sol jeden zugestanden werden daß Silber Meisterstück selbst zu erwehlen, die visinung? der Innung davon übergeben, sich von ober Eltesten den Laden, wo er es verfertigen sol anweisen laßen, den Laden Zinß ehe er es aufweiset abtragen, und hiran gebunden seyn sol

3. Beyn Stück aufweisen, so es vor gut befunden, sol sein Meister Geld, es bestehe in ... oder fünf gulden nebst Gottes Kasten ℓ 1½ alles baar erlegen, zugleichen die Strafe so selber uns auf ℓ 3 accordi: worden, ehe ihn der Sitz zugelaßen wirdt. So aber die Strafe höher sich belaufen solle, selben nach Sicht gelaßen werden, alle quartale mit ℓ 1.- zu erlegen, jedoch bey verlust seines Sitzes.

[Übertragen von Bernt Zeitzschel mit Unterstützung durch Dr. Hanns-Ulrich Haedeke]