Die Naumburger Goldschmiede-Ordnung von 1661

Von Gottes gnaden Wir Moritz, Hertzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, postulirter Administrator des Stiffts Naumburgk, Landgraff in Thüringen, Marggraff zu Meißen, auch Ober- und Nieder Laußitz, gefürsteter Graff zu Hennebergk, Graff zu der Marck und Ravenßbergk, Herr zum Ravenstein und der Calley, Thüringer Stadthalter, hiermit uhrkunden und bekennen, daß unßere getreue, die sämbtlichen Meister des Goldschmiede Handwergs alhier zur Naumburgk hernachgesetzte Innungs Articul zu erhaltung und aufnehmung ihres Handtwergs

, auch der verhütung allerhand besorglichen Verichtigkeiten wohlbedächtig untereinander sich verglichen und vereiniget, Unß auch solche Articul unterthänigst überreicht, und gebethen, Wier wolten dieselben aus Fürstlicher Macht und Hoheit confirmiren und bestetigen:

Nachdeme Wier auf eingeholte nothürffige Berichte so viel befunden, daß sothane Innungs Puncta denen Meistern des Goldtschmiede Handtwergs alhier zu aufnehmen gedeihen, Wir nichts weniger zu erhaltung Erbarkeit, zucht und guter Ordtnung, und sonsten männiglichen zu untz gereichen können, wir auch aus angeborner Fürstlichen Milde und sonderbahrer Zuneigung, so Wier zu unßeren Unterthanen tragen, derselben Wohlfarth und bestes zubefördern, Hingegen ihren schaden und nachtheil abzuwenden, ohne des gnädigst gemeinet seynd, Alß haben Wier aus Landes Fürstlicher Hoheit und gewaldt obbemelter Goldtschmiede unterthängsten suchen und bitten umb so vielmehr stadt gegeben und ihnen mehr angeregte Handtwergs Articul, wie selbige hernach folgen, confirmiret und bestetiget:

Zum Ersten, Soll kein Gesell sein Meisterstücke zu machen, viel weniger zu einem Meister auf und angenommen werden, er habe dann zuvor vier Jahre gewandert und drey Jahre lang in dieser Stadt Naumburgk bey einem oder zweyen Herren nach einander gearbeitet, Und in andern und dritten Jahre, daß er hier Meister werden will sich angeben, und einschreiben laßen, damit mann sich seine geschickligkeit desto beßer erkundigen möge. So aber einer alhier sein Handtwergk redlichen ausgelernet hat, der soll drey Jahre zuvor gewandert, und zwey Jahr alhier vor einen Gesellen, bey einem oder zwey Herren gearbeitet haben, Nehme aber einer eines Goldtschmiedes Tochter oder Witbe, der soll zwey Jahre gewandert und ein Jahr lang alhier gearbeitet haben, Und damit seiner Zeit halber ferner nicht beschweret werden. Eines Goldtschmiedes sohn aber der soll an keine Zeit zu arbeiten, verbunden, aber doch zwey Jahr gewandert haben, und das Meisterstück zu machen, schuldig seyn,

Zum Andern, Ein ieder, der Meister werden will, und seine Zeit, wie oben angedeutet gewandert und gearbeitet, der soll sich bey denen Zweyen Obermeistern angeben, Zwölff groschen in die Laden erlegen und darauf das Handtwergk zusammen fordern laßen, daselbst soll er seiner ehelichen Geburth und Ankunfft, so wohl auch seiner Lehrjahr halber einen schriftlichen und besiegelten Schein und Kundschafft vorlegen, und soll als dann umbs Meisterstück zumachen, bey einem gantzen Handtwergke suchen und bitten, Auch schuldig seyn, die Zeit zuvor anzugeben, welche er gedencket zu arbeiten.

Zum Dritten, So nun solche seine vorgelegte Kundschafften dermaßen beschaffen, daß er seiner Ehrlichen Geburth sowohl auch seiner Lehr Jahr halben nicht zu tadeln oder zu verwerffen, Auf solchen fall soll ihme das Meisterstücke zu machen, vergönnet und zugelaßen werden, Und soll in einem Laden dahin er durch die Zwey Ober Meister gewiesen werden soll, diese drey nachfolgende Meisterstücke machen, Als Erstlich, Ein Silbern Trinckgeschirr, nach arth und form einer Ackeley Blume mit sechs Paßen oder Ecken, mit seinem Fuß und deckel, nach arth und gestaldt dero hinden angehängten visirung, Zum Andern, Ein groß Siegell mit Schild und Helm, und seiner Helmdecke geschnitten, Zum Dritten, Einen güldenen Ring mit einem Kasten, darinnen ein Edler Stein versetzet sey, mit seinen Farben geschmeltzet, daran Ein Gulden oder Thaler verdienet werden könne, Solche obgemeldte Meisterstücke soll er in dreyen Monaten, oder in einem Viertel Jahr gäntzlich zu verfertigen, schuldig und pflichtig seyn, Würde er aber längere Zeit darüber zubringen, so soll er vor iedere woche Einen Thaler zur straffe dem Handtwergke in die Lade geben, Es soll ihme aber frey stehen, das Trinckgeschirr, wenn es aufgezogen, und aus dem feuer zusammen gebracht worden ist, glat und unverzeichnet, so wohl unvergüldet aufzuweißen, Auch hier nebst dem Meister, bey welchem er das Meisterstücke verfertiget, vor Kohlen, wergkzeug und andern zugehörungen Sechs groschen wöchentlich zugeben, gehalten seyn,

Zum Vierdten, Wann nun das Meisterstücke gebührlichen verferttiget, soll von Raths wegen iemand darzu erbethen werden, darauf solchem un den gantzen Handtwercke der Goldtschmiede das Meisterstücke vorstellig machen, Vnd da daßelbe allenthalben als gemacht befinden, daß es vor genugsam erkennett, so soll er in die Lade Zehen Gülden zum Meistergelde zuerlegen schuldig seyn, Eines Goldtschmiedts Sohn aber, vnd da er eines Goldtschmiedes Tochter Tochter oder Witbe ehelichen würde, soll mehr nicht, als fünff Gülden erlegen, Nach solchem vnd wann er das Bürgerrecht erlanget, soll ihme ein offener Goldtschmiedes Laden aufzuthun, vnd sein Handtwergk alhier, iedoch nicht mehr, als sambt fünffen in seinen Laden zutreiben, vergönnet werden, Darauf er dann denen Goldtschmieden aufn Abendt eine Mahl Zeit, oder Meistereßen außrichten, vnd anderthalben Thaler dem Vorsteher des Gottes Castens zuerlegen schuldig seyn soll.

Zum Fünfften, Würde aber einer sein Meisterstücke verferttigen, daß er damit nicht bestehen köntte, der soll ein gantzes Jahr als Gesell wiederumb arbeiten, sich beßern, vnd alß dann kommen und von neuen anfangen,

Zum Sechsten, Ein ieder Goldtschmiedt, der mit seinem Meisterstücke bestanden, soll verbunden seyn, in Jahresfrist sich in den Ehestandt zubegeben, Jedoch mit einer solchen Jungfrauen, oder Witben sich einlaßen, welche an ihrer ehelichen Geburth und Ankunfft, so so wohl auch an ihren Jungfraulichen oder weiblichen Ehren ungetadelt werden könne, Würde er aber sich mit einer solchen Person einlaßen, welche ihrer Ehren, auch ehelichen Geburth halben nicht ehrlich, oder Echt erzeuget und gebohren were, Oder da ihre Eltern, oder Sie eine witbe, und ihr voriger Ehemann weren solches lebens und wandels gewesen, daß sie in redlichen Zunfften unverwerffen der, oder dieselben sollen vor keine Handtwergsgenoßen als hier nicht gelitten, noch das Handtwergk ihnen zuteilen, verstellet werden, Immaßen dann vieles mahls die Ober Meister des Goldtschmiede Handtwergs, mit Zuziehung des Raths, fug und macht haben sollen, demselben seinen Laden Zu Zu machen, vnd nicht zu verstatten, daß er einige arbeit weder öffentlichen noch heimlich außmache, viel weniger soll ein Gesell in seinem Laden gelitten werden, Ingleichen soll es auch mit denen einigen gehalten werden, die nach verrichteten Meisterstücke, sie sollen gleich lange oder kurtz ihr Handtwergk getrieben, an ihren Eltern und Erbarkeit Zutadeln weren,

Zum Siebenden, Soll alle Quartal das Handtwergk zusammen kommen, vnd einen Herrn des Raths, darzu erbitten, vnd in seinem beyseyn die Sachen vorgenommen werden, damit auch solche gute Ordtnung fortgepflanzet, vnd unter denen Goldtschmieden ein fleißiges aufsehen gehalten werden möge, So soll alle Jahr ein Obermeister, so von einem gantzen Handtwercke erwehlet, E. E. Rathe, wenn derselbe aufgehet, zubestetigen, vorgestellet werden, doch dergestaldt, daß alle wege ein Obermeister Zwey Jahre im Ambte bleibe, und ihme ein neuer Beysitzer Zugeordnet werde, derselbe Obermeister soll daßelbe Jahr uber, alle arbeit auf seine Pflicht mit allem fleiße probiren und streichen, vnd da er sie nach folgender Proba gemeß befindet, das Stadtzeichen benebenst einem gewißen buchstaben, wobey mann über kurtz oder lang sehen kann, welcher dießes Jahr im Ambte gewesen, darauf schlagen, deswegen ihme auch von iederer Marck ZuZeichnen, von dem ienigen so die arbeit verferttiget, Zween Pfennige solte gereichet werden,

Zum Achten, Soll auch ein ieder Goldtschmiedt sein Silber also schmelzen und legieren, daß alle gemachte arbeit, Proba, vnd der Feine, der Leipziger Proba gemeß sich befindet, als nehmlichen die Marck Sieben Reichs Thaler würdig, vnd soll ein ieder Goldtschmidt alt ausgemachte arbeit, so uber vier Loth wieget, durch den Obermeister zeichnen laßen, bey straffe Eines Güldens, so oft es von einem übertretten wirdt,

Zum Neundten, Würde wie vorgedacht, ein Goldtschmiedt seine arbeit den Proba nicht gemeß gemacht haben, So sollen den bey den Obermeister nachgenommener fleißiger erkundigung und Proba, die ausgemachte arbeit wieder zerschlagen, damit niemandt betrogen werden möge, Vnd soll derselbige Goldtschmiedt iedes mahl einen Gülden dem Rathe, vnd einen Gülden in die Lade zur straffe verfallen seyn, Würde aber derselbige sich darwieder auflehnen, und wolte seine arbeit ihme nicht tadeln laßen, so sollen beyde Obermeister schuldig seyn, ein gantz Handtwergk zusammen zu fordern, damit keiner übereilet, auch weitläuffigkeit unternommen werde, dieselbe arbeit besichtigen, Vnd da sie nochmals vor unrichtig erkant, zerschlagen werden, vnd derselbe einen Gülden abermahls in die Lade zur straffe verfallen seyn, So sichs auch zutragen vnd begeben würde, daß einer eines gantzen Handtwergks Erkäntnüß verwerffen und nochmals seine arbeit ungetadelt wißen welte, Auf solchen fall soll solche arbeit E. E. Rathe aufs Rathhauß überantworttet werden, Mit bitte, daß dieselbige einem geschworenen Gwardin nacher Leipzigk, oder anderer Örther, wohin es ihnen beliebet, überschicket, vnd auf seine Eydes Pflicht probiret werden möge, Würde sie als dann nochmals tadelhafftig befunden, So soll er alle unkosten, probire und bothenlohn abzutragen, vnd für solche widersetzligkeit Zehen Gülden, die helffte E. E. Rathe, und die andere helffte dem handtwercke zur straffe verfallen seyn,

Zum Zehenden, Sollen auch die Zweene Obermeistero befugt seyn, wöchentlich ihres gefallens in die Goldtschmiedts Laden zugehen, vnd Schroten aus ihren Silbern Büchßen zufordern, die sollen sie mit allem fleiß probiren, damit also gut aufsehen der Proba halber gehalten werden, vnd da einer oder mehr Schroten zu geringe befinden, So soll ein ieder vier groschen zur straffe erlegen, Würden aber die Obermeistere hierinnen nachläßig seyn, vnd einen Monat vorübergehen laßen, vnd würden solch umbschauen einstellen, so soll ein ieder vier groschen dem Handtwergke zur straffe in die Lade erlegen,

Zum Elfften, Soll auch ein ieder Goldtschmiedt das Goldt, so er in seinem Laden verarbeitet, dahin legiren vnd schmelzen, daß es am Strich vnd Halt vor gut bestehen möge, Würde auch einem an güldenen Ketten oder andern gülden Geschmeide etwas Zumachen, angedinget werden, Vnd wollen die ienigen allerhand Goldt unter einander schmeltzen laßen, als Ducaten, Cronen, vnd Reinisch welches als dann Einen ungewißen strich giebet, So soll derselbige Goldschmiedt schuldig seyn, solch Goldt in ihrer gegenwarth zusammen zu schmelzen, vnd auf ihr begehren ihnen eine Prob oder Stücklein Goldes von Zehn abzuhauen und zuzustellen, darauf soll er sein Zeichen und Nahmen schlagen, deßgleichen soll er auch ein stücklein vor sich zubehalten macht haben, daß wann die arbeit außgemacht, mann sehen möge, daß solch Gold unverfälscht blieben sey, Dargegen sollen die ienigen, so solche arbeit andingen, den ersten abgang, als auff das hundert Einen über sich gehen zulaßen, schuldig seyn, Vnd soll nach abgenommener Probe bleyschwehr also dann abgewogen, vnd ihnen zugestellet werden,

Zum Zwölfften, Die beyden Obermeister sollen auch, wann sie umbschauen, alle arbeit, die sie in dero Goldtschmiede Laden von Goldt aufn Wergkbrete finden, probiren und streichen, Vnd diese befinden, daß solch Goldt zum Reinischen Golde zu geringe were, da sollen sie macht haben, solche arbeit nicht alleine zu zerschlagen, sondern auch zu ihren händen zunehmen, vnd ein gantzes Handtwergk nach befindung, die straffe darüber erkennen zulaßen, Vnd soll kein Goldtschmiedt alhier solch gold weder vor sich, noch andern büten zu verarbeiten sich unterstehen, bey unnachläßiger straffe,

Zum Dreyzehenden, So soll kein Goldtschmiedt falsche Steine von Tobleten und Glase so wohln andern Steinen, so guten Steinen ehnlich sehen, in Gülden Ring, oder Kleinodien versetzen, bey verlust seiner Ehren, und Handtwergks, Desgleichen soll kein Goldtschmied, der von Meßing, Ketten, Armbände, Ring und dergleichen auf die güldene arth verferttigen wolte, sich unterstehen, die selbe zu verglühen, bey abgemelter straffe, in betrachtunge, daß es ein gefährlicher betrug ist,

Zum Vierzehenden, So ein frembder jubilirer außerhalb Marck[t]s sich unterstehen würde, seine waaren alhier zu verkauffen, der soll weil wir gleicher gestaldt außer Marckts anders wo nicht das geringste verhandeln dürffen auch nicht geduldet werden, Und da sich jubilirer oder andere unterfangen würden, güldene Kleinodien, Halßbande, Ringe oder andere waaren zuverhandeln, in welchen falsche Steine aufgebracht, oder versetzet vnd vom Verkauffer vor gute Rubin, Diamant, Schmaragdt, Saphier vnd dergleichen geachtet, da nun solches einem Goldtschmiede alhier zubesichtigen oder zuschätzen vorköhme. So sollen sie gut fug und macht haben, solch werck es sey an Kleinodien, Ringen, und andern, als einen öffentlichen betrug denen Gerichten zu vberantworten, Vnd solle derselbige Verkauffer deßen verlustig seyn, dar von E.E. Rath ein theil, denen Gerichten der andere theil, vnd denen Goldtschmieden der dritte theil verfallen seyn soll, Vnd soll hinfüro kein jubilirer, so sich alhier gedencket nieder zulaßen, ander gestaldt nicht geduldet oder gelitten werden, er habe dann das Goldtschmiede Handtwergk redlich gelernet, gebührende Zeit gewandert, oder seine Jahre bey einem jubilirer außgestanden,

Zum Fünffzehenden, Da auch einem Goldtschmiede übergüldete Müntz auf Goldtgepräge zu besichtigen fürkähme, welche welche auf den betrug übergüldet were, so soll er ein Loch dadurch zuschlagen macht haben, Auf solche Thaler aber, oder andere Sorten, welche Kupffer oder Meßingk, vnd übersilbert weren, oder wie sie sonsten auf den betrugk zugerichtet, soll er mit dem Schrot Meißell einen hieb schlagen, damit iedermann dieselbe kenne, und niemandt ferner damit betrogen werden möge, Würde nun derselbe Goldschmiedt darüber angetastet werden, so will ihme E. E. Rath und die Gerichte ieder Zeit gebührlichen Schutz halten,

Zum Sechzehenden, Es soll kein Goldtschmiedt verdächtiges Guth kauffen, weder von silbernen Kelchen, Monstranzen, Corporal oder Sacrament büchßen, welches vermuthunge gebe, daß es aus einer Kirchen kähme, Item, auch keine silberne Schüßeln, Teller, Kannen, Becher, vnd ander Geschmeide darinnen Chur- und Fürstl. Wappen gestochen oder geschmeltzet werden vnd sonderlichen, wannder Verkauffer nicht des ansehens ist, daß ihme solche Sachen zu verkauffen gebühreten, Auf solchen fall soll ein ieder Goldtschmied, deme es vorköhme, solches vor ein verdächtig Geschmeide aufhalten, vnd eher nicht wieder ausantworten, biß so lange der Verkauffer genugsamen schein bringen, vnd vorlegen würde, daß es solches zu verkauffen befehlichet, oder vor sich guten fug hette, Solte aber von andern Geschmeide denen Goldschmieden etwas zu verkauffen kommen, welches nicht verdächtig guth were, vnd sie würden es kauffen, Köhme aber gleichwohl, daß es entwendet oder verlohren were, so soll der Goldtschmiedt weile es ihme unwißendt geschehen, und nicht zuvor bey dem Handtwergke angesaget worden, nicht würden zu geben schuldig seyn, er beköhme dann zuvor sein dafür ausgelegtes geldt wieder, Die ansagung des verlustigen Geschmeides soll bey niemand anders geschehen, als bey dem Obermeister, vnd wer dergleichen etwas ansagen wirdt, soll dem Obermeister alsobald den Drey, Sechs biß Zwölff groschen zur gebühr erlegen, nach dem der verlust groß ist, Dargegen aber soll der Obermeister solches seinen Mitmeistern vnd jubilirern schrifftlichen anzuzeigen, alsobald verbunden seyn,

Zum Siebenzehenden, Wann Gold oder Silber iemand zu verkauffen hette, soll er es niemand anders als denen jubilirern und Goldtschmieden anbieten, vnd sonderlichen, weile es fast an Gold vndt Silber ihnen mangeln will, dargegen sollen die Goldtschmiede oder Jubilirer, verbunden seyn, das Goldt vnd Silber einem ieden nach rechtem werthe zubezahlen, vnd solle hinfüro niemand anders befugt seyn, solches aufzukauffen und wiederumb zuverhandeln, Im fall da einer oder der andere hinterkommen wirdt, soll der Käuffer sowohl der Verkauffer, nach befindung der sache vb gebührender ansuchung unnachläßig gestrafft werden, vnd der eine theil in Fürstl. Sächs. RenthCammer der andere E. E. Rathe, der dritte aber dem Handtwercke in die Lade zukommen, Und wenn einer bey einem Goldtschmiede etwas wägen oder probiren läße, soll er sich mit ihme zu vergleichen schuldig seyn, in betrachtung, seine arbeit darüber versäumet wird, Da auch ein Goldschmied oder Jubilirer verdächtig Silber oder gold, so vermuthlich aus einem Goldtschmiedts Laden were ansich erkauffe, und daßelbe vertuschen wolte, so soll sowohl derselbe Käuffer, als derienige, welcher darumb wißenschafft gehabt, vnd solches nicht angemeldet, mit Zehen gülden bestraffet werden, in erwegung, daß ein Goldtschmiedt dadurch bald vmb das seine kommen, und in die bittere armuth gerathen kann,

Zum Achtzehenden, Es soll auch kein Goldtschmiedt mit einem andern einen heimlichen contract machen, ihnen das Silber und Goldt in seinem Laden aufzukauffen, und zu hauße zutragen, Sondern wofern einem Goldt vnd Silber in seinen Laden zu kauffen kähme, und were deßennicht bedürfftig oder hette es nicht zubezahlen, der soll schuldig seyn, denen andern allen solches anzubiethen, Vnd da sie solches nicht kauffen wollen, also dann mag er seines gefallens damit gebahren, Würde aber einer darwider handeln, so soll er iedes mahl einen Gülden in die Lade zur straffe verfallen seyn,

Zum Neuntzehenden, Da ein Lehriunge sein Handtwergk alhier lernen will, der soll durch seinen Lehrherrn dem gantzen Handtwercke, wann er ein Viertel Jahr bey ihme gewesen, fürstellig gemachet werden, seiner ehelichen Geburth einen besiegelten schrifftlichen Schein fürlegen, vnd wenn befunden, daß er von ehelichen Eltern erzeuget vnd gebohren, so soll er Sechs Jahre lang zu lernen, verbunden seyn, Jedoch, wenn er sich mit seinem Lehrherrn der Jahre halber vergleichet, so kann er auf vier Jahre und darunter nicht angenommen werden, Jedoch daß er seinen Lehrherrn das halbe Lehrgeldt zuvor heraußer gebe, vnd einen Thaler in die Laden einzuschreiben, Item, den herrn vorsteher des Gottes Castens Einen Thaler, undt E. E. Rathe einen halben Gülden zur gebühr entrichten, deßgleichen soll er auch Einen Thaler einzuschreiben geben, wenn er ausgelernet hat, Es soll ein ieder Lehriunge kegen seinen Herrn die gantze Zeit seiner Lehriahre, sich getreu, gehorsam und fromm zu verhalten, durch die Zwey Obermeister vermahnet werden, Würde er sich aber seinem Herrn wider setzig machen, so soll er dem gantzen Handtwercke fürgestellet, undt nach befindung gestraffet werden, Und da ein Lehriunge seinem Herrn etwas entwendet, oder aus seinen Lehriahren heimlich, und ohne erhebliche vhrsache entläufft, soll er seiner Lehrjahre, die er außgestanden hat, dadurch verlaufen haben, ihme aus dem Handtwercke kein Lehrbriff gereichet, vnd wegen der entwendung für offene Laden unredlich ercläret, auch von keinem Goldtschmiede wieder angenommen werden, Und soll auch sonsten keinem Jungen, als nach Jahresfrist, wenn er außgelernet, sein Lehrbrieff alhier abgefolget werden, do er dann Einen Thaler vom Lehrbrieff zusiegeln, zu entrichten schuldig seyn soll, Herkegen soll kein Lehr Herr seinen Jungen unverdient schlagen, sondern zur Furcht Gottes, vnd fleißigen üben zum Handtwercke auferziehen, vnd mit anderer arbeit vordurch sie vom Handtwercke abgehalten werden, täglich nicht beschwehren, noch einem Lehrjungen vhrsache geben aus seinen Lehriahren abzulauffen,

Zum Zwanzigsten, Es soll auch kein Goldtschmiedt dem andern seine Gesellen abspenstig machen, viel weniger ein Gesell, der seinen Abschiedt oder Urlaubvon seinem Herrn genommen, alhier in einem andern Ladenzu arbeiten vergönnet werden, er habe dann zuvor ein gut gezeugnüß von seinem vorigen Herrn, oder ein Viertel Jahr außerhalb der Stadt gearbeitet, bey straffe zehn gülden, halb E. E. Rathe, vnd halb dem Handtwercke, Gleicher gestaldt soll kein Gesell, der einen bösen nahmen hette, oder anders wo sich eines unehrlichen lastens befließen, alhier zu arbeiten geduldet und gelitten werden,

Zum Ein und Zwantzigsten, So sichs nach Gottes willen begeben würde, daß einem Goldtschmiede sein Weib oder Kinder mit tode abgehen würde, Soll der Obermeister schuldig seyn, das gantze Handtwerck zum Begräbnüß erfordern zulaßen, Würde aber einer oder mehr nicht mit gehen, soll eine ieder vier groschen in die Lade zur straffe erlegen, es were dann, daß er erhebliche ehehafft für zuwenden, vnd umb erlaubnüß gebethen hette,

Zum Zwey und Zwantzigsten, Die beyden Obermeister sollen schuldig seyn, ihres Ambtes mit fleiß zuwartten, Alle viertel Jahr das Handtwerck zusammen fordern zulaßen, vnd iährlich denen neuen Obermeistern aller Einnahme und Außgabe richtige Rechnunge für dem gantzen Handwercke zuthun, wobey Auch ein ieder Goldtschmiedt alle viertel Jahr Drey groschen in die Lade zuerlegen, verpflichtet ist,

Zum Drey und Zwantzigsten, Wann das Handtwerck zusammen gefordert wird, So soll ein ieder Goldschmiedt gehorsamlich zuerscheinen schuldig seyn, Hat aber einer Ehehafft, so soll er erlaubnüß bitten, oder zwey groschen in die Laden zur straffe erlegen, Es sollen auch die beyden Obermeister alle wege eine stunde zu vore einen Sand Seiger oder Uhr auf den Tisch setzen, vnd do einer oder der andere die benante stunde nicht erscheinen würde, vnd hette die Uhr [nicht] geschlagen, vnd were der Seiger niedergelegt, So soll ein ieder einen groschen zur straffe entrichten, ehe daß er sich niedersetzet, damit nicht vergebliche Zeit veruhrsachet werde,

Zum Vier und Zwantzigsten, Würde ein Goldschmiedt dem Handtwerge an straffen, oder anderen gefällen etwas zuerlegen, schuldig seyn, vnd bei dem Handtwercke zeit darzubitten, So sollen die Obermeister solches ins Retardat Buch aufschreiben, vnd biß auf das nechste Quartal hernach zuerlegen ihme Zeit darzugegeben werden,

Zum Fünff und Zwantzigsten, Nachdeme zur erhaltung solcher guter Ordtnung ihrer gehorsamb und Zwang non nöthen, Alsselben hiermit alle Goldtschmiede vermahnet pflichtig und schuldig seyn, denen Zweyen Obermeistern in allen billigen sachen gehorsame folge zuleisten, Alle dem ienigen, wenn sie von wegen eines gantzen Handtwergs ihnen gebieten oder verbieten werden, unwidersetzt, gehorsamlich nachleben, Würde aber einer hierinnen sich widersetzig machen, vnd eines gantzen Handtwergks einhelligen Schluß, es sey eintreffen, oder andern verächtlich finden seyen, So sollen die beyden Obermeistere fug und macht haben, mit Zuziehung des Raths, seinen Laden zuzumachen, Seine Gesellen abzuschaffen, vnd vor keinen Handtwergsgenoßen zuerkennen, biß so lange er sich dem Handtwergke unterthänig machen, vnd gehorsamlich erzeigen wirdt, Wird also dann E. E. Rath befinden, daß er sich zur ungebühr wider das Handtwerck, und deßelben Obermeistere aufgeleget, so soll der Verbrecher allen schaden vnd vnkosten dem Handtwercke abtragen, vnd Sechs gülden zur straffe verfallen seyn, als ein theil E. E. Rathe, das andere theil denen Gerichten, vnd das dritte theil dem Handwergke in die Lade, darnach sich ein ieder zurichten,

Zum Sechs und Zwantzigsten, Ein ieder Goldschmiedt soll von seiner außgemachten arbeit nach billigkeit deroselben, sein macherlohn erfordern und nehmen, vnd damit die Bürgerschafft nicht belästigen noch beschwehren,

Schlüßlichen und zum letzten, Damit sich keiner zu entschuldigen haben möge, als wiße er die Ordtnung und inhalt nicht, Sollen beyde Obermeistere alle Quartal die Ordtnung von Articul und Puncten zur Puncten dem Handtwerge vorlesen, und sich die Handtwergks genoßen darnach zurichten, mit fleiß vermahnen und verwarnen,

Confirmiren und bestetigen derowegen genantem Goldschmiedhandwerge vorbeschriebene Innungs Articul in krafft dieses Briefes, Und wollen, daß denselben in allen ihren Puncten vndt Clausulen unweigerlich und vestiglich nachgelobet, vnd denen zu entgegen und zu wider nichts gethan, gehandelt noch fürgenommen werden möge, Und gebiethen darauf unßeren Praetaten, denen von der Ritterschafft, Beambten auch Räthen der Städte unßers Stiffts Naumburgk und Zeitz, wie auch allen andern unßern darinnen befindlichen Schutz Verwandten und Unterthanen, daß Sie mehr erwehntes Goldschmiede Handtwergk dabey, biß an Uns, erhalten, schützen, handthaben, vnd ihnen, so offt es noth seyn wird, die hülffliche Handt biethen, und bey springen sollen, Jedoch, daß sie die Sachen, so in unßere unmittelbare Gerichte gehörig, in das Handtwergk zuziehen, und vor sich selbst zubestraffen, sich nicht unternehmen, Insonderheit vielberührt Handtwergk schuldig seyn soll, sich des Heiligen Römischen Reichs Abschieden, vnd dieser Lande Ordtnung so viel sie betrifft, unterthänigst gemeß zubezeigen, Wier behalten Uns vnd unßern Nachkommen aber bevor, diese Innung gäntzlich oder zum theil nach gelegenheit der Zeit und lauffte, und anderer umbstände unsers gefallens zu endern, zu verbeßern, zu vermindern, und zu erclären, oder gantz vfzuheben, Sonder gefehrde

Zu vhrkundt haben Wier diese Innungs Articul mit unßerm Stiffts Canzley Secret bekräfftiget, welche gegeben sindt in unßerer ietzigen Resitenz Stadt Naumburgk am Dritten Monaths Tagk Decembris nach Christi Jesu unßers Einigen Erlösers und Seeligmachers Geburth des Ein Tausend, Sechs Hundert, Ein und Sechtzigsten Jahres.

[gez.] Heinrich Casternius

[Abschrift einer Urkunde im Stadtmuseum Naumburg, übertragen von Maryla Malonek]