Die Artikel der Naumburger Goldschmiede-Innung von 1590

1. Soll kein Gesell sein Meisterstück zu machen, viel weniger zu einem Meister auf- und angenommen werden, er habe denn zuvor 4 Jahre gewandert, auch drei Jahre lang in dieser Stadt Naumburg bei einem oder zwei Herren nacheinander gearbeitet: und im andern und dritten Jahre, daß er der Meister werden will, sich eingeben und einschreiben lassen, damit man sich seiner Geschicklichkeit desto besser erkundigen möge.

Da aber einer allhier sein Handwerk redlich ausgelernt hat, der soll 3 Jahr zuvor gewandert und 2 Jahr allhier für einen Gesellen bei einem oder zwei Herren gearbeitet haben. Nähme aber einer eine Goldschmiedetochter oder Witwe, der soll zwei Jahre gewandert und ein Jahr lang allhier gearbeitet haben und seiner Zeit halber nicht beschweret werden. Eines Goldschmieds Sohn aber soll an keine Zeit zu arbeiten gebunden, aber doch zwei Jahre gewandert haben und das Meisterstück zu machen schuldig sein.

2. Ein jeder, der Meister werden will, und seine Zeit, wie oben angedeutet, gewandert und gearbeitet, der soll sich bei den zwei Obermeistern angeben, zwölf Groschen in die Lade erlegen und darauf das Handwerk zusammenfordern lassen. Daselbst soll er seiner ehelichen Geburt und Ankunft sowohl auch seiner Lehrjahre halber, einen schriftlichen und besiegelten Schein und Kundschaft vorlegen und soll alsdann, um das Meisterstück zu machen, bei einem ganzen Handwerke suchen und bitten, auch schuldig sein, die Zeit zuvor anzugeben, welche er gedenkt zu arbeiten.

3. Da nur solche seine vorgelegte Kundschaft dermaßen beschaffen, daß er seiner ehelichen Geburt, sowohl auch seiner Lehrjahre halber nicht zu tadeln oder zu verwerfen, auf solchen Fall soll ihm das Meisterstück zu machen vergönnt und zugelassen werden, und soll in einem Laden, dahin er durch zwei Obermeister gewiesen werden soll, diese drei nachfolgende Meisterstücke machen: als erstlich ein silbern Trinkgeschirr nach Art und Form einer Akeleiblume mit 6 Passen oder Ecken, mit seinem Fuß und Deckel nach Art und Gestalt der hinten angehängten Visierung. Zum andern ein groß Siegel mit Schild und Helm und seiner Helmdecke geschnitten. Zum dritten einen goldenen Ring mit einem Kasten, darin ein edler Stein versetzt sei, mit seinen Farben geschmolzen, daran ein Gulden oder Taler verdient werden könne. Solches Meisterstück soll er in drei Monaten oder in einem Vierteljahre gänzlich zu verfertigen schuldig und pflichtig sein. Würde er aber längere Zeit darüber zubringen, so soll er für jede Woche einen Taler zur Strafe dem Handwerk in die Lade geben. Es soll ihm aber frei stehen, das Trinkgeschirr, wenn es aufgezogen und aus dem Feuer gebracht worden ist, glatt und unverzeichnet sowohl unvergoldet aufzuweisen. Auch soll hiernächst dem Meister, bei welchem er das Meisterstück verfertigt, für Kohlen, Werkzeug und ander Zubehör 6 Groschen wöchentlich zu geben gehalten sein.

4. Wenn nun das Meisterstück gebührlich verfertigt, soll von Ratswegen jemand dazu erbeten werden, darauf solchem und dem ganzen Handwerke der Goldschmiede das Meisterwerk vorstellig machen, und da dasselbe? allenhalben also gemacht befunden, daß es für genugsam erkannt, so soll er in die Lade 10 Gulden zum Meistergeld zu erlegen schuldig sein. Eine Goldschmieds Sohn aber, und da er eines Goldschmieds Tochter oder Witwe ehelichen würde, soll mehr nicht als 50 Gulden erledigen. Nach solchem und wenn er das Bürgerrecht erlangt, soll ihm ein offener Goldschmiedeladen aufzutun und sein Handwerk allhier, jedoch nicht mehr als samt fünfen in seinem Laden zu treiben vergönnet werden. Darauf er denn den Goldschmieden auf den Abend eine Mahlzeit oder Meisteressen aufzurichten und anderthalb Taler dem Gotteskasten zu erlegen schuldig sein soll.

5. Würde aber einer sein Meisterstück also verfertigen, daß er damit nicht bestehe, der soll ein ganzes Jahr als Gesell wiederum arbeiten, sich bessern und alsdann kommen und von neuem anfangen.

6. Ein jeder Goldschmied, der mit seinem Meisterstück bestanden, soll verbunden sein, in Jahresfrist sich im Ehestand zu begeben, jedoch mit einer solchen Jungfrau oder Witwe sich einlassen, welche an ihrer ehelichen Geburt und Ankunft sowohl auch an ihren jungfräulichen und weiblichen Ehren ungetadelt werden könne. Würde er aber sich mit einer solchen Person einlassen, welche ihrer Ehren, auch ehelicher Geburt halben nicht ehrlich oder echt erzeugt und geboren wäre, oder ihre Eltern, oder sie eine Witwe, und ihr voriger Ehemann wären solches Lebenswandels gewesen, daß sie in redlichen Zünften unverworfen, der- oder dieselben sollen für keine Handwerksgenossen allhier nicht gelitten, noch das Handwerk ihnen zu treiben verstatten werden, inmaßen dann jedesmal die Obermeister des Goldschmiedehandwerks mit Zuziehung des Rates Fug und Recht haben sollen, demselben seinen Laden zuzumachen und bienicht zu verstatten, daß er einige Arbeit weder öffentlich noch heimlich ausmache, viel weniger soll ein Gesell in seinem Laden gelitten werden, ingleichen soll es auch mit denjenigen gehalten werden, die nach verrichtetem Meisterstücke, sie hätten gleich lange oder kurz ihr Handwerk getrieben, an ihren Ehren und Ehrbarkeit zu tadeln wären.

7. Soll alle Quartal das Handwerk zusammen kommen und einen Herrn des Rats dazu erbitten und in seinem beisein die Sachen vorgenommen werden, damit auf solche gute Ordnung fortgepflanzt und unter den Goldschmieden ein fleißiges Aufleben gehalten werden möge, so soll alle Jahr ein Obermeister, so von ganzen Handwerke erwählt, dem Rate, wenn er aufgebet, zu bestätigen vorgestellet werden, doch dergestalt, daß allewege ein Obermeister zwei Jahr im Amte bleibe und ihm ein neuer Beysitzer zugeordnet werde. Derselbe Obermeister soll dasselbe Jahr über alte Arbeit auf seine Pflicht mit allem Fleiße probieren und streichen, und da er sie nachfolgender Probe gemäß befindet, das Stadtzeichen benebst einem großen Buchstaben, womit man über kurz oder lang sehen kann, welcher dieses Jahr im Amte gewesen, darauf schlagen, deswegen ihm auch von jeder Mark zu zeichnen, von demjenigen, so die Arbeit verfertigt, zwei Pfennige sollte gereicht werden.

8. Soll auch ein jeder Goldschmied sein Silber also schmelzen und legieren, daß alle gemachte Arbeit, Probe und die Feile der Leipziger Probe gemäß sich befindet, als nämlich die Mark sieben Reichstaler würdig, und soll ein jeder Goldschmied alte ausgemachte Arbeit, so über 4 Lot wiegen, durch den Obermeister zeichnen lassen, bei Strafe eines Guldens.

9. Würde, wie vorgedacht, ein Goldschmied seine Arbeit der Probe nicht gemacht haben, so sollen die beiden Obermeister nach genommener fleißiger Erkundung und Probe die ausgemachte Arbeit wieder zerschlagen, damit niemand betrogen werden möge, und soll derselbe Goldschmied jedesmal einem Gulden dem Rate, und einen Gulden in die Lade zur Strafe verfallen sein. Würde aber derselbe sich dawider auflehnen und wollte seine Arbeit nicht tadeln lassen, so sollten beide Obermeister schuldig sein, ein ganzes Handwerk zusammen zufordern, damit keiner übereilen, auch Weitläufigkeit unternommen werden, dieselbe Arbeit besichtigen, und da sie nochmals für unrichtig erkannt, zurschlagen werden und derselbe einen Gulden abermals in die Lade zur Strafe verfallen sein. Da sich`s auch zutragen und begeben wurde, daß einer eines ganzen Handwerks Erkenntnis verwerfen und nochmals seine Arbeit ungetadelt wissen wollte, auf solchen Fall dem Rate aufs Rathaus überantwortet werden, mit Bitte, daß dieselbe einem geschworenen Guardein nach Leipzig oder einem anderen Orte, wohin es ihnen beliebet, überschickt und auf seine Eidespflicht probiert werden möge. Würde sie alsdann nochmals tadelhaftig befunden, so soll er alle Unkosten, Probier- und Botenlohn zahlen und für solche Widergesetzlichkeit 10 Gulden zur Strafe verfallen sein.

10. Es sollen auch die 2 Obermeister befugt sein, wöchentlich ihres Gefallens in die Goldschmiedeläden zu gehen und Schroten aus ihren silbernen Büchsen zu fordern, die sollen sie mit allem Fleiß probieren, damit also auf gut Aussehen der Probe gehalten werden, und da eine oder mehr Schroten zu geringe befunden, so soll ein jeder 4 Groschen zur Strafe erlegen. Würden die Obermeister hierinnen nachlässig sein, und einen Monat vorübergehen lassen, und würden solch Umschauen einstellen, so soll ein jeder 4 Gr. dem Handwerk in die Lade erlegen.

11. Es soll auch ein jeder Goldschmied das Gold so er in seinem Laden verarbeitet legieren und einschmelzen, daß es an Strich und Halt für gut befunden möge, wurde auch einem an goldenen Ketten oder andern goldenen Geschmeide etwas zu machen angedingt werden, und wollen diejenigen allerhand Gold unter einander schmelzen lassen, als Dukaten, Kronen und Rheinisch welches dann einen ungewissen Strich gibt, so soll derselbige Goldschmied schuldig sein, statt Gold in ihrer Gegenwart zusammen zu schmelzen und auf ihr begehren ihnen eine Probe oder Stücklein Goldes von Zehn abzuhauen und zuzustellen. Darauf soll er sein Zeichen und Namen schlagen. Desgleichen soll er auch ein Stücklein für sich behalten Macht haben, auf daß die Arbeit ausgemacht, man sehen möge, daß solch Gold unverfälscht geblieben sei. Dagegen sollen diejenigen, so solche Andingen, den ersten Abgang, als auf das Hundert einen, über sich ergeben lassen schuldig sein. Und soll nach abgenommener Probe das Bleischwer also abgewogen, und ihnen zugestellt werden.

12. Die beiden Obermeister sollen auch, wenn sie umschauen, alle Arbeit die sie in dero Goldschmiedsladen von Gold auf dem Werkbrette finden, probieren und streichen und da sie befinden, daß solch Gold zum Rheinischen Golde zu geringe wäre, so sollen sie Macht haben, solche Arbeit nicht allein zu zerschlagen, sondern auch zu ihren Händen nehmen, und ein ganzes Handwerk nach Befindung die Strafe darüber erkennen zu lassen. Und soll kein Goldschmied allhier solch Gold weder für sich noch anderen Leuten zu verarbeiten geben sich unterstehen bei unnachlässiger Strafe.

13. So soll auch kein Goldschmied falsche Steine von Tobleten und Glase, sowohl andere Steine, so guten Steinen ähnlich sehen, in goldene Ringe oder Kleinodien versetzen, bei Verlust seiner Ehren und Handwerk. Desgleichen soll kein Goldschmied, der von Messing Ketten, Armbänder, Ringe und dergleichen auf die goldene Art verfertigen wolle, sich unterstehen, dieselbe zu vergolden bei abgemeldeter Strafe in Betrachtung, daß es ein gefährlicher Betrug ist.

14. So ein fremder Juwelier außerhalb des Marktes sich unterstehen würde, seine Waren allhier zu verkaufen der soll, weil wir gleichergestalt außer Marktes anderswo nicht das geringste verhandeln dürfen, auch nicht geduldet werden. Und da sich Juweliere oder andere unterfangen würden, goldene Kleinodien, Halsbänder, Ringe oder andere Waren zu verhandeln, in welchen falsche Steine aufgebracht oder versetzt und vom Verkäufer für gute Rubine, Diamanten, Smaragd, Saphier und dergleichen geachtet, und nun solches einem Goldschmiede allhier zu berichten oder zu schätzen vorkäme, so sollen sie gut Fug und Macht haben, solch Werk, es sei an Kleinodien, Ringen und anderen, als einen öffentlichen Betrug den Gerichten zu überantworten, und solle derselbe Verkäufer dessen verlustig sein, davon der Rat ein Teil, den Gerichten der andre Teil und den Goldschmieden der dritte Teil verfallen sein soll. Und soll hiefüro kein Juwelier, der sich allhier gedenkt niederzulassen, anderer gestalt nicht geduldet oder gelitten werden, er habe denn das Goldschmiedehandwerk redlich erlernt, gebührende zeit gewandert oder seine Jahre bei einem Juwelier ausgestanden.

15. Da auch einem Goldschmied übergoldete Münze auf Goldgepräge vorkäme, welche auf den Betrug übergoldet wäre, so soll er ein Loch dadurch zuschlagen Macht haben. Auf solche Taler aber oder andre Sorten, welche Kupfer oder Messing und übersilbert wären, oder wie sie sonst auf den Betrug zugerichtet, soll er mit dem Schrotmeißel einen Hieb schlagen, damit jedermann dieselbe kenne und niemand ferner damit betrogen werden möge. Würde nun derselbe Goldschmied darüber angetastet werden, so will ihm der Rat und die Gerichte jederzeit gebühlichen Schutz stellen.

16. Es soll kein Goldschmied verdächtiges Gut kaufen, weder von silbernen Kelchen, Monstranzen, Korporal- oder Sakramentbüchsen, welches Vermutung gebe, daß es aus einer Kirche käme, item auch keine silbernen Schüsseln, Teller, Kannen, Becher und andere Geschmeide darinnen kur- und fürstliche Wappen gestochen oder geschmelzt wären, und sonderlich wenn der Verkäufer nicht des Ansehens ist, daß ihm solche Sachen zu verkaufen gebühren. Auf solchen Fall soll ein Goldschmied, dem es vorkäme, solches für ein verdächtiges Geschmeide aufhalten und eher nicht wieder ausantworten, bis so lange der Verkäufer genugsamen Schein beibringen und vorlegen würde, daß er solches zu verkaufen befehligt oder für sich guten Fug hätte Sollte aber von andern Goldschmieden dem Goldschmiede etwas zu verkaufen kommen, welches nicht verdächtig Gut wäre, und sie würden es kaufen, käme aber gleichwohl, daß es entwendet oder verloren wäre, so soll der Goldschmied, weil es ihm unwissend geschehen, und nicht zuvor bei dem Handwerke angesagt worden, nicht wieder zu geben schuldig sein, er bekäme denn zuvor sein dafür ausgelegtes Geld wieder. Die Ansagung des verlustigen Geschmeides soll bei niemand anderen geschehen, als bei dem Obermeister und wer dergleichen etwas ansagen wird, soll dem Obermeister alsbald 3, 6 bis 12 Groschen erlegen, nachdem der Verlust groß ist. Dagegen aber soll der Obermeister solches seinen Mitmeistern und Juwelieren schriftlich anzuzeigen verbunden sein.

17. Wenn Gold oder Silber jemand zu verkaufen hätte, soll er es niemand anders als den Juwelieren und Goldschmieden anbieten, weil es fast an Gold und Silber ihnen mangeln will. Dagegen sollen die Goldschmiede mit einem andern heimlichen Kontrakt machen, ihnen das Silber und Gold in seinem Laden aufzukaufen und zu Hause zu tragen, sondern sofern einen Gold und Silber in seinen Laden zu kaufen käme und ware dessen nicht bedürftig oder hätte es nicht zu bezahlen, der soll schuldig sein, den andern alles anzubieten, und da sie solches nicht kaufen wollen, alsdann mag er seines Gefallens damit gebaren. Würde aber einer dawider handeln, so soll er jedesmal einen Gulden in die Lade zur Strafe verfallen sein.

18. Da ein Lehrjunge sein Handwerk allhier lernen will, der soll durch seinen Lehrherren dem ganzen Handwerk, wenn er ein Vierteljahr bei ihm gewesen, vorstellig gemacht werden, seiner ehrlichen Geburt einen besiegelten schriftlichen Schein vorlegen, und wenn befunden, daß er von ehrlichen Eltern erzeugt und geboren, so soll er 6 Jahre zu lernen verbunden sein, jedoch wenn er sich mit seinem Lehrherren der Jahre halber vergleicht, so kann er auf 4 Jahre und darunter nicht angenommen werden. Jedoch, daß er seinem Lehrherren das halbe Lehrgeld zuvor herausgebe und einen Taler in die Lade einzuschreiben, item dem Herrn Vorsteher des Gotteskasten einen Taler und dem Rate einen halben Gulden zur Gebühr entrichten, desgleichen soll er auch einen Taler geben, wenn er ausgelernt hat. Es soll auch ein jeder Lehrjunge gegen seinen Herrn die ganze Zeit seiner Lehre sich getreu, gehorsam und fromm zu verhalten durch die zwei Obermeister vermahnet werden. Würde er aber seinem Herrn sich widersetzig machen, so soll er dem ganzen Handwerk vorgestellt und nach Befindung bestraft werden. Da ein Lehrjunge seinem Herrn etwas entwendet oder aus seinen Lehrjahren heimlich und ohne erhebliche Ursache entläuft, soll er seiner Lehrjahre, so er ausgestanden hat, dadurch erlaufen haben, ihm auch aus dem Handwerk kein Lehrbrief gereicht und wegen der Entwendung vor offener Lade unredlich erklärt, auch von keinem Goldschmiede wieder angenommen werden. Und soll auch sonst keinen Jungen als nach Jahresfrist, wenn er ausgelernt, sein Lehrbrief allhier abgefolget werden, da er dann einen Taler vom Lehrbrief zu siegeln zu entrichten schuldig sein soll. Hingegen soll kein Lehrherr seinen Jungen unverdient schlagen, sondern zur Furcht Gottes und fleißigen Ueben zum Handwerk auferziehen und mit anderer Arbeit, wodurch sie vom Handwerk abgehalten werden nicht beschweren, noch einem Lehrjungen Ursache geben, aus seinen Lehrjahren abzulaufen.

19. Es soll auch kein Goldschmied dem andern seine Gesellen abspenstig machen, viel weniger ein Gesell, der seinen Abschied oder Urlaub von seinem Herren genommen, allhier in einem andern Laden zu arbeiten vergönnt werden er habe denn zuvor gut Zeugnis von seinem vorigen Herrn oder ein Vierteljahr außerhalb der Stad gearbeibeitet, bei Srafe 10 Gulden, halb dem Rate und halb dem Handwerk. Gleichergestalt soll kein Gesell, der einen bösen Namen hätte, oder anderswo sich eines unehrlichen Lasters beflissen, allhier zu arbeiten geduldet und gelitten werden.

20. Da sichs um Gottes willen begeben würde, daß einem Goldschmiede sein Weib und Kinder mit Tode abgehen würden, soll der Obermeister schuldig sein, das ganze Handwerk zum Begräbnis fordern zu lassen. Würde aber einer oder mehr nicht mitgehen, soll ein jeder 4 Groschen in die Lade zur Strafe erlegen. Es wäre denn, daß er erhebliche Ehrhaft vorzuwenden und um Erlaubnis gebeten hätte.

21. Die beiden Obermeister sollen schuldig sein ihres Amtes mit Fleiß zu warten, alle Vierteljahr das Handwerk zusammenfordern lassen und jährlich den neuen Obermeistern aller Einnahme und Ausgabe richtige Rechnung vor dem ganzen Handwerke zu tun, wobei auch jeder Goldschmied alle Vierteljahr 3 Groschen in die Lade zu erlegen verpflichtet ist.

22. Wenn das Handwerk zusammengefordert wird, so soll ein jeder Goldschmied gehorsamlich zu erscheinen schuldig sein. Hat aber einer Ehrhaft, so soll er Erlaubnis bitten oder 2 Groschen in die Lade zur Strafe erlegen. Es sollen auch die beiden Obermeister allewege eine Stunde zuvor einen Sandseiger oder eine Uhr auf den Tisch setzen, und wo einer oder der andre die benannte Stunde nicht erscheinen würde, und hätte die Uhr geschlagen und wäre der Seiger niedergelegt, so soll ein jeder 1 Groschen zur Strafe entrichten, ehe, daß er sich niedersetzt, damit nicht vergebliche Zeit verursacht werde.

23. Würde ein Goldschmied dem Handwerke an Strafen oder andern Gefällen etwas zu erlegen schuldig sein, und bei dem Handwerke Zeit vorzubitten, so sollen die Obermeister solches ins Retardatbuch aufschreiben und hernach zu erlegen ihm Zeit dazu gegeben werden.

24. Nachdem zu Erhaltung solcher guten Ordnung der Gehorsam und Zwang von nöten, also sollen hiermit alle Goldschmiede vermahnt, pflicht und schuldig sein, den zwei Obermeistern in allen billigen Sachen gehorsam Folge zu leisten, alle demjenigen, wenn sie von wegen eines ganzen Handwerks ihnen gebieten oder verbieten werden, unwiderzetzt gehorsam nachleben. Würde aber einer hierinnen sich widersetzig machen und eine ganzen Handwerks einhelligen Schluß, es sei in Strafe oder andern, verächtlich hinansetzen, so sollen die beiden Obermeister Fug und Macht haben, mit Zuziehung des Rats seinen Laden zuzumachen, seinen Gesellen abzuschaffen und für keinen Handwerksgenossen zu erklären, bis so lange er sich dem Handwerke untertänig machen und gehorsam erzeigen wird. Wird aber der Rat befinden, daß er sich zu Ungebühr wider das Handwerk und desselben Obermeister aufgelegt, so soll jeder der Verbrecher allen Schaden und Unkosten dem Handwerke abtragen und 6 Gulden zur Strafe verfallen sein.

25. Ein jeder Goldschmied soll von seiner ausgemachten Arbeit nach Billigkeit derselben sein Macherlohn erfordern und nehmen und damit die Bürgschaft nicht belästigen und beschweren. Schließlich und zum letzten, damit sich keiner zu entschuldigen haben möge, als wisse er diese Ordnung und Inhalt nicht, sollen beide Obermeister alle Quartale die Ordnung von Artikel und Punkten zu Punkten den Handwerke vorlegen und sich die Handwerksgenossen danach mit Fleiß vermahnen und verwarnen. 

[übertragen von Friedrich Hoppe ]