Naumburg als Garnisonsstadt

Soldaten gehörten für Jahrhunderte zum Naumburger Stadtbild. Die Errichtung mehrerer großer Kasernen und einer Kadettenanstalt um die Jahrhundertwende machte das Militär zu einem bedeutender Einkommenszweig für die Garnisonsstadt.

Vom Quartier zur Kaserne

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begannen die größeren deutschen Staaten, darunter auch Kursachsen, mit der Errichtung stehender Heere. Ständig unter Waffen stehende Soldaten sollten eine effektivere Militärmacht garantieren. Naumburg wurde erstmals 1716 Standort eines beachtlichen militärischen Verbandes, des Kursächsischen Kreisregiments zu Fuß, dem weitere Einheiten folgten. Die Bedeutung als Garnisonsort wuchs, nachdem Naumburg nach dem Wiener Kongreß 1815 zu Preußen gekommen war.
Ab 1841 wurden erstmals besondere Kasernen für die Soldaten eingerichtet. Zuerst ergänzten diese die Unterbringung in Privatquartieren nur, dann ersetzten sie diese vollständig. Als Folge der wilhelminischen Rüstungspolitik entstanden um die Jahrhundertwende mehrere große Kasernenkomplexe und eine Kadettenanstalt, die fortan das Stadtbild wesentlich mitbestimmten. Die zahlreichen hier stationierten Soldaten, Offiziere und Offiziersschüler beeinflußten die Gesellschaftsstruktur der Stadt erheblich. Aber auch auf die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse hatten sie spürbaren Einfluß.

Demobilisierung und Wiederaufrüstung

Nach dem 1. Weltkrieg (1914-1918) wurden als Folge des Versailler Vertrages alle Naumburger Kasernen geräumt. Die Gebäude konnten während der Weimarer Republik als Gewerbe- und Wohnraum genutzt werden. Erst die Wiederaufrüstung des NS-Regimes brachte die Soldaten nach Naumburg zurück. Der Bau neuer Kasernen und die Errichtung des "Heereszeugamtes" folgten. Die Bombardierungen Naumburgs im April 1945 waren wohl diesen Einrichtungen zu verdanken.
Nach 1945 wurden die Kasernen zum größten Teil von der Armee der Sowjetunion bzw. GUS-Staaten genutzt (bis 1992).
Seit dem 18. Jahrhundert mußten die in Naumburg stationierten Truppen an allen größeren Kriegshandlungen Sachsens, Preußens, des Deutschen Reiches und Hitlerdeutschlands teilnehmen. Auch an der Niederschlagung der Revolutionen 1848/49 in Berlin und Baden und 1918 in Berlin waren sie beteiligt.