Fritz Rentsch

Fritz Rentsch SelbstbildnisFritz Ernst Rentsch wurde am 17. April 1867 in Dresden geboren. Vater und Großvater waren ebenfalls künstlerischen Berufen nachgegangen. Nach dem Kunststudium in Dresden und München wandte sich Rentsch zunächst sehr erfolgreich dem Kunstgewerbe zu, bevor er 1904 Lehrer an der Akademie der Bildenden Künste in Leipzig wurde. 1908 erhielt er die Ernennung zum Professor. Das akademische Lehramt übte er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1933 aus. Noch in jenem Jahr siedelte er – dem Beispiel seines ehemaligen Akademiekollegen Max Klinger folgend – zusammen mit seiner Lebensgefährtin Anny Schäfer nach Naumburg über, um sich hier zur Ruhe zu setzen. Durch das hohe Alter und die Entbehrungen des Krieges geschwächt, wurde ihm der berüchtigte Hungerwinter des Jahres 1946/47 zum Verhängnis. Fritz Rentsch starb am 26.12.1946 in Naumburg

Kunsthandwerkliche Arbeiten

Schon in seiner Dresdener Zeit hatte Rentsch begonnen, künstlerische Entwürfe für “Stickereigemälde” zu machen, die zumeist von seiner Frau Helene ausgeführt wurden. Zeitweise unterhielt er in Leipzig eine “Damenschule für kunstgewerbliche Entwürfe und dekoratives Malen”. Die stark vom Jugendstil beeinflußten Stickereien fanden internationale Beachtung, wovon mehrere Auszeichnungen sprechen: internationale Kunstausstellung Dresden 1897 (Goldene Plakette), London 1900 (silberne Med.), internat. Kunstgewerbeausst. Turin 1902 (Goldmed.), Weltausstellung St. Louis, USA (Goldmed.), Dt. Kunstgewerbeausst. Dresden 1906 (Silbermed.).

Das Kunstgewerbemuseum in Berlin und das Grassi-Museum Leipzig kauften schon damals einige der Arbeiten an, die jedoch – wie die meisten Stickereien – nicht erhalten geblieben sind (Ausnahmen: Ein “Ehrenteppich der Stadt Leipzig von 1916 und die Fahne der dortigen Universität von 1909). Die renommierte Zeitschrift “Die Kunst” urteilte zur Weltausstellung 1904: “Die gestickten und gemalten Panneaux von Fritz Rentsch, besonders das eine große mit der Darstellung lustwandelnder Frauengestalten, sind in ihrer Zeichnung und besonders in ihrer feinen Tonstimmung wertvoll. Rentsch hat sich das Genre selbst zurecht gemacht und steht in dieser vornehmen Dekorationsweise noch unerreicht da; – wieviel in derselben Art neuerdings auch von Anderen versucht worden ist, Ebenbürtiges im Geschmack sahen wir noch nicht.”

Eine weitere Sonderstellung innerhalb des Gesamtwerks haben einige zur Ausführung gekommene Wandgemälde. Zu nennen sind hier besonders die Plafondmalereien des Zentraltheaters in Dresden und die Wandgemälde in der Deutschen Bücherei Leipzig, aber auch das Wandbild im Standesamtszimmer des Rathauses zu Döbeln (“Hochzeit zu Kana”) und das “Faust-und-Gretchen”-Bild in Auerbachs Keller (Leipzig).

Ein Meister der Stimmung

Mit zunehmendem Alter wandte sich Rentsch mehr und mehr der Landschaftsmalerei zu. In seinen Naumburger Jahren entstanden zahlreiche Ölbilder und Aquarelle, denen die Domstadt selbst oder aber die Landschaft an Saale und Unstrut die Motive lieferten. Nicht zuletzt die stumpfe Oberfläche der Ölbilder (teilweise in Tempera-Öl-Mischtechnik gemalt) sorgt dafür, daß selbst die Frühlingsbilder zumindest eine gewisse Skepsis auszustrahlen scheinen. Auch den fast fröhlich zu nennenden Aquarellen bleibt doch immer jene Tiefgründigkeit eigen, die sich bereits 1914 in einer Beschreibung des Lehrkörpers der Leipziger Akademie durch Julius Zeitler findet: “Neuerdings”, heißt es dort, “wandte sich Rentsch aufs Intensivste der Temperamalerei zu, deren Vermögen an Ausdrucksmitteln ihm eine erhebliche Bereicherung verdankt. Farben des vergehenden Herbstes und des blassen Frühlings liebt er am meisten, alles in gebrochenen, halblauten, zarten, morbiden Tönen, in denen ihm die Verwirklichung ungeahnter Stimmungen sterbender oder orgiastischer Landschaften, Stimmungen der seelischen Atmosphäre um einen Menschen, bis zu einem sehr hohen Suggestionsgrade gelingt.”