Apothekenprivileg Wolff 1645

Apothekenprivileg

für Jacobus Wolff, Naumburg, ausgestellt durch Johann Georg I. von Sachsen, 1645

(Stadtmuseum Naumburg Inv. Nr. SG003194)


 

Apothekenprivileg 1645 Seite 1

[p1] Von GOTTES Gnaden / Wier JOHANNS GEORGKurfürst Johann Georg I. von Sachsen (* 5. März 1585 in Dresden; † 8. Oktober 1656 ebenda). Hertzogk zu / Sachsen, Jülich, Cleve undt Bergk, des Heiligen Römischen Reichs / ErtzMarschalck undt Churfürst, Landtgraff in Düringen, Marckgraf / zur Meißen, auch Ober- undt NiederLausitz, Burgkgraff zur Magde/burgk, Graff zur der Marck und Ravenßburgk, Herr zu Ravenstein, / Vor Unß undt Unserer im Stift Naumburgk Nachkommen, Hiermitt / vhrkunden, Dass Uns Jacobus Wolff1575–1644 zuo Naumburgk, unterthänigst zur / erkennen gegeben, Welcher gestaldt, von seinem Vater Pancratio Wolffes / er von Jugendt an auff Zur ApotheckerKunst gehaltten worden, Dorinnen er / auch durch GOTTES Hülffe, in: undt außerhalb Landes, so weit profi/ciret, Dass er vor sich, mit nutz ein Corpus anrichten, formiren und dirigiren / köndte, Gestaldt er dann willens wehre, nunmehr nach seines Vaters Pan/cratii Wolffens Seel. Todt in seinem Vaterlande eine neue wohlbestalte / Officin undt Apothecken absonderlich anzurichtten, Dieweil aber / ein solch Corpus, von neuen, ein merckliches kostete, undt dahero billich daß / er hiervor eine ergetzligkeit haben möchtte, hat er ferner unterthänigst gesuchet / undt gebethen, Daß ihme hierüber vor sich undt seine Erben, wie auch künfftige / Besitzere, ein Privilegium uff gewisse Jahr, gnädigst ertheilet werden möchtte. / Wenn dann Ein Ehrwürdig Dom Capitul Zu Naumburgk, ihme dissfalls guttes / Zeugknüß giebet auch unterthänigst vor ihn intercediretdazwischen getreten undt gebeten, Wier auch / durch Unsere Räthe, bei Jüngster Rathsbestettigung Zur Naumburgk, soviel / in erfahrung bracht, Dass Zur Naumburgk, wohl zwey Corpora PharmaceuticaApotheken / anzuerichtten, undt zwar fürnehmblich zu abwendung des schädlichen monopolii / undt daß man an einen alleine dann die Leuthe öffters übersezet nicht gebunden |


Apothekenprivileg 1645 Seite 2 [p2] sein müste, auch gemeiner Stadt, wie auch männiglich darahn gelegen, dass tüchtigen, / gelahrten, undt in der ApotheckerKunst wohlgeübten ein Corpus ahnvertrauet.

Alß haben Wir, diss sein suchen gnädigst angesehen, undt die aufrichttung einer Neuen / Apothecken, neben der alten bewilliget. / Bewilligen demnach aus Churfürstlicher Macht und Gewaltt, vor Unß undt Unsere im Stifft / Nachkommen, aus obengedachten: undt andern mehr gewissen uhrsachen, undt Bewegknüßenn, / daß genandter Jacob Wolff ein neu Corpus Pharmaceuticum anrichten magk, mit welchem / er vor sich, seine Erben undt künfftiger Besitzere uff Zwantzigk Jahr langk, crafft dieses / Brieffes, befreihet, begnadet undt privilegiret sein soll, Dergestaldt undt also, / Daß er solche seine Apotheck iederZeit inmaßen er sich unterthänigst verpflichtet, / auch sonst zur Chur schuldigk mit gutten tüchttigen undt frischen materialibusMaterialien, Vorräten / und simplicibusEinzelzutaten bzw. Grundstoffe, richtig- undt wohlzubereitteten compositiszusammengesetzten Medikamenten, Arzneimitteln undt chymicisChemikalien, Insonderheit mit den / pretiosis speciebuskostbaren Bestandteilen und Kräutern versehen, undt wohl bestalt haltten, Item, frembde oder ausländische, / süße undt andere zur Artzney benöttigte, undt brauchende Spanische undt Italienische Wein / undt Malvasirgriechischer Wein aus der Gegend um Monemvasia, in Vorrath haben, Sich auch auf wohlerfahrne Gesellen befleißigen, Die medi/camenta undt anders, männigklich in gebührlichen Tax, welcher auf einer Tafel gezeichnett, / undt öffentlich soll ausgehänget werden, zukommen lassen, Sonderlich aber gegen armen / Leuthen, im dargeben, sich willigk undt Barmhertzigk erzeigen, undt überal also verhalten / soll, Damit Niemandt, unbillicher Steigerung sich Zurbeschweren haben möge. / Die Materialia, so er einkaufft soll er nicht eher, aus dem Faß, Pack oder Kasten nehmen, undt / in die Büchssen thun, Es habe Sie dann, wofern es anders füglich, allezeit geschehen kan, der / Medicus, ob Sie tüglich, Zuvor besichttiget, Darneben, des Materialisten oder Kauffmanns / unterschriebenen Außzugk fürzeigen, Damit man sich wegen des Taxes darnach zu richten, / Hierkegen wollen Wier, binnen denen Zwantzigk Jahren, Niemande verstatten, über diese, Jacob Wolffens Apothecken, mehr andere aufzurichten, noch daß die Stöhrer, Landtfährer, / -Cramer, Zuckermacher undt Materialisten, medicamenta purgantia, simplicia et com/positaAbführmittel (Grundstoffe sowie Arzneimittel), so zur Artzney gehörigk, alß SyruposZuckersaft, Sirup, ConservasZuckerpulver vermischt mit frischen Pflanzen, conditaüberzuckerte Pflanzenteile, morsulosZuckertäfelchen mit beigemengten zerkleinerten Pflanzenbestandteilen, TrochiscosSchluckkügelchen, Ro/tulasso genannte "Zeltchen", kleine flachrunde Kügelchen, Aquas destillatas, simplices et compositasdestilierte Wässer, Grundstoffe und Arzneimittel, vel Aquas vitæwörtlich: Lebenswässer, Kornbranntwein mit verschiedenen Zusätzen, Olea destillata et coctadestillierte und gekochte Öle, / UnguentaSalben, EmplastraPflaster, Pierer (1861): äußere Mittel, welchen klebende Substanzen zu Grunde liegen, u. welche auf Leder, Leinwand od. Taffet gestrichen, auf eine Hautstelle aufgelegt werden., AxungiasSchmelzen, PurgierpulverPulver, das einen dünnflüssigen Stuhl verursacht, Pillen, LattwergenMischungen zwischen zähen Flüssigkeiten und Pulvern, TheriakWikipedia: Theriac war eine ursprünglich als Antidot entwickelte Arznei, die im Mittelalter als Universalheilmittel gegen alle möglichen Krankheiten und Gebrechen angewandt wurde, MithridatWikipedia: Mithridat war eine (variable) Rezeptur, die ehemals ein Universalheilmittel (besonders als Gegengift) darstellte., Gülden EyEleonora Maria Rosalia Troppau und Jägerndorf: Freywillig-auffgesprungener Granat-Apffel dess christlichen Samaritans: Oder ... Wien 1737: – Umb ein Ay/stich ein kleines Löchl am Spitz / laß das Weisse her aus / füll das Ay mit Saffran / stopff das Löchl zu / und laß braten / biß die Schäller braun wird / darauff nimb weissen Senff / stoß den mit den Ay zu gar subtilen Pulver / nimb weissen Diptam / Cardobenedict / Nägl / Rapontica / Rhabarbara / gebrennt Hirschhorn / lindene Kohlen / jedes ein Loth / solches alles klein zerstossen / und untereinander vermischt / wäge so viel Theriac / als das Pulver schwär ist / stoß alles wohl durcheinander zu einer dicken Massa / behalt es in einer Büchsen / so bleibt es gut 3. oder 4. Jahr. Wann einem Menschen die Pest ankombt / so gib ihm eines Ducaten schwär in Weinrautten-Wasser abgetrieben ein / und laß ihn schwitzen / so es aber mit Frost ankombt / gibt mans mit Wegrich-Wasser ein / einer jungen Persohn etwas weniger / wer alle Tag dieses einnimbt / ist befreyt vor der Pest / auch wann man zu solchen Leuthen gehet; wann eine solche Kranckheit ankombt / so soll man nicht feyren / ehe es 10 oder 12 Stund anstehet. / sonst ist es gefährlich., Confectionenüberzuckerte Pflanzenteile, AlkermesWikipedia: Kermesbeeren oder -körner, Scharlachbeeren, Purpurkörner, Alkermes, (lat. Grana kermes, frz. Grains d'écarlate, engl. Scarlet berries) bestehen aus den getrockneten trächtigen Weibchen einer Schildlaus (Coccus ilicis)., AgaricumSchwammpilz, Aloën Epatie et SuccotrinLeberaloe und Succotrinische Aloe, ColoquinenWikipedia: Die Koloquinte (Citrullus colocynthis), auch Pomaquinte, Koloquintenkürbis, Purgiergurke oder Teufelsapfel, ist eine giftige Pflanze aus der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae), Gum/mi GuttæWikipedia: Gummigutta (auch Gamboge, Gummigutt, Gutti, lat. gummiresina guttae, trivial Kaisergelb) bezeichnet ein Gummiharz und den daraus gewonnenen dunkelsenfgelben Pflanzenfarbstoff, JelapuWikipedia:Jalape (Ipomoea purga, Syn.: Exogonium purga, Convolvulus purga) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Prunkwinden (Ipomoea) aus der Familie der Windengewächse (Convolvulaceae). Das Vorkommen der Pflanze liegt in Mexiko und Panama, Mannam MechocannamMechoacanna-Wurzeln, Pierer (1860): weiße Jalape, Rhabarbarum RhaponticumRhapontik-Rhabarber oder Sibirische Rhabarber (Rheum rhaponticum): Er kommt im südlichen Norwegen und südlichen Sibirien vor. Verwendet wurden die Wurzeln., Folia SenæBlätter der Sennapflanze, mildes Abführmittel., ScammoPurgierwinde, convulvus scammonia|


Apothekenprivileg 1645 Seite 3 [p3]neamPurgierwinde, convulvus scammonia, Radices alkannæaeWurzel der Ochsenzunge, angelicæArznei-Engelwurz, ChinæChinarindenbäume, chinin-haltige Rinde; Adelung: Die China, oder China-Chinä, die Rinde eines Baumes, welcher auch der China-Baum genannt wird, in dem Königreiche Peru in Süd-Amerika wächset, und durch die kräftige Wirkung seiner Rinde in dem kalten Fieber bekannt geworden ist, die daher auch Fieberrinde, und der Baum der Fieberrindenbaum genannt wird; Cinchona, L. Der Nahme China ist eine Verstümmelung des Amerikanischen Nahmens dieses Baumes., curcumæKurkuma, japanische Gelbwurz; Adelung: Die Curcuma, oder Curcumey, plur. car. die gelbe Wurzel eines Ostindischen Gewächses, welche sowohl in der Färberey, gelb damit zu färben, als auch in der Arzeney gebraucht wird. Die Pflanze, Curcuma, L. wird im Deutschen auch Gurkumey, Gelbwurz und Schwalbenwurz in Ostindien aber Caha oder Kua genannt. Crucum, wovon auch das Latein. Crocus, Safran, abstammet, soll im Arabischen eine Benennung mehrerer gelben Wurzeln seyn., ElleboriHelleborus: Nieswurz albi et nigriSchneerose;Wikipedia (Schneerose): Seit Plautus ist die Bezeichnung elleborum, elleborus (mittellateinisch helle-) gebräuchlich und bezeichnet zwei als Nieswurz gebräuchliche Giftpflanzen: Einerseits den Weißen Germer (Veratrum album) wie auch die Nieswurz (Hellborus), die jeweils als ellebrus albus oder candidus bzw. als elleborus niger bekannt waren. Die Unterscheidung durch das Farbadjektiv wird durch Plinius den Älteren erwähnt. Die Pflanzen wurden vor allem als Mittel gegen Wahnsinn und Epilepsie geschätzt, da nach der antiken Säftelehre psychische Erkrankungen durch einen Überschuss an schwarzer, bitterer Galle erklärt wurden und Niesen als beste Abhilfe galt., EnulæWikipedia: Echter Alant(Inula helenium) ist eine Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Sie wird bereits seit der Antike als Heil- und Gewürzpflanze verwendet., EsulæEsels-Wolfsmilch oder scharfe Wolfsmilch, / Iridis IlliricæIris Illyrica, Unterart der I. pallida, bleiche Schwertlilie, PolypodiiPolypodium: gewöhnlicher Tüpfelfarn, PyrethriWikipedia: Deutscher Bertram?(Anacyclus officinarum) war eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Er wurde etwa bis zum Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert seiner Wurzel wegen als Heilpflanze kultiviert und gilt heute als ausgestorben., Sarsa parillæStechwinden, Capillum VenerisFrauenhaarfarn, HirschzungeHirschzunge, SavonbaumSadebaum, BalauistienBalaustium, die Blüthe des wilden Granatapfelbaums, blaue ViolenWikipedia: Das Duftveilchen (Viola odorata), auch Märzveilchen oder Wohlriechendes Veilchen genannt, gehört zu der Familie der Veilchengewächse (Violaceae). Es ist im Mittelmeergebiet bis hin zum Kaukasus und Kurdistan beheimatet und in weiten Teilen Europas eingebürgert. ... Spätestens seit dem frühen Mittelalter wurde es auch in Mitteleuropa als Zier- und Heilpflanze angebaut, Cocculos delavandoWikipedia: Die Scheinmyrte (Anamirta cocculus), auch Indische Scheinmyrte, Kokkelskörnerstrauch und Kokkelspflanze genannt, ist ... in Südasien und Südostasien beheimatet: Die Samen dieser Art enthalten das Gift Pikrotoxin., CoccognidiumSeidelbastsamen, Staphis agriæStephanskraut, Wikipedia: Das giftige Stephanskraut (Delphinium staphisagria), auch Stephanskorn, Giftiger Rittersporn, Läusepfeffer, Läusezahn, Läusesamen, Kräusesamen genannt, gehört zur Gattung der Rittersporne (Delphinium), in der Familie der Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae). Die Pflanze ist giftig., MajoranMajoran; Pierer (1860): dient in Theeaufgüssen u. Latwergen als gelind reizende, Schleim auflösende, expectorirende Mittel, äußerlich frisch zu zertheilenden Umschlägen auf verhärtete Brüste, als Niesemittel bei Stockschnupfen, ferner zur Bereitung der Majoranbutter (Butyrum maioranae), indem das frische Majorankraut mit ungesalzener Butter, ed. reinem Schweinefett gekocht od. Butter mit Majoranöl vermischt wird, dient äußerlich als Hausmittel bei Verstopfung der Nase kleiner Kinder; , / Wurm KrauttMittel gegen Wurmbefall, Wikipedia: Wurmkraut, oder ZitwersahmenDer Wurmsamen (Artemisia cina, auch Zitwerbeifuß, Zitwerblüte, Zitwersamen oder Wurmsaat genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Er ist eine aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion stammende Art aus der über 350 Arten umfassenden Gattung Artemisia zu der etliche Arznei- und Zierpflanzen gehören., noch derengleichen Wurtzeln, Kräutter, Bluhmen undt Sahmen, / Bittere MandelkernKerne der Bittermandel, blausäurehaltig, daher giftig, DattelnFrüchte der Dattelpalme; Pierer (1858): Früher wurden sie wegen ihres Schleimgehaltes bei Brustkranken unter Kräuterthee u. Tränke verordnet., JujubosWikipedia: Die Chinesische Jujube (Ziziphus zizyphus, syn. Ziziphus jujuba), auch Chinesische Dattel oder Rote Dattel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae). Sie stammt aus Nord- und Nordostchina und wird heute weltweit kultiviert. Sie bringt kleine, ovale und essbare Früchte hervor., SebestenFrüchte des Brustbeerbaums, chinesische Jujube, Ziziphus zizyphus; Meyers Konv. Lex. (1906): ... trägt eiförmige, orangerote, eßbare Früchte, die getrocknet fast schwarz sind (Sebestenae, Myxae, Jujubae nigrae, Sebesten, schwarze Brustbeeren) und weiches, süßes, schleimiges Fleisch besitzen. Sie kamen sonst getrocknet nach Europa und wurden gegen Husten und Heiserkeit benutzt., Nuces pineasPinienkerne, pistaciasPistazien, vomicasWikipedia: Die Gewöhnliche Brechnuss (Strychnos nux-vomica, auch Strychnos colubrina Wight, Strychnos lucida R.Br., Strychnos spireana, Strychnos vomica), auch kurz Brechnuss oder Krähenaugenbaum, Strychninbaum oder Brechnussbaum genannt, ist eine Baumart aus der Familie der Brechnussgewächse (Loganiaceae), die in Südostasien beheimatet ist., CitronenZitronen, / BomerantzenPomeranzen, Bitterorangen, GranatenGranantäpfel, LimonienKleinere Sorten der Zitronen, noch der Schalen, CappernKapern, Oliven, Lignum AloësAdlerholzbaum, guajacumlignum guajacum. Wikipedia: Guajak (Guaiacum) bezeichnet eine Gattung der Familie der Jochblattgewächse (Zygophyllaceae). Sie enthält sechs bis acht Baum-Arten aus dem tropischen und subtropischen Amerika. Dem Holz wurde Wirkung gegen Syphillis und Pocken („Pockholz") zugeschrieben., / SaßafrasWikipedia: Der Sassafrasbaum (Sassafras albidum), auch Fenchelholzbaum oder Nelkenzimtbaum genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Lorbeergewächse (Lauraceae). Sie ist im östlichen Nordamerika weit verbreitet., Santalum albumSandelholzbaum, liefert Sandelholz und Sandelholzöl. Lemery, Materiallexikon: Der weisse Sandel, lateinisch, Santalum album, frantzösisch, Santal blanc, ist von dem gelben nicht alleine an der Farbe unterschieden, sondern er ist auch bey weiten nicht so geistig, noch so wol riechend. Er wird aus der Insel Timor gebracht. Er soll frisch und schwer seyn, weiß und von so starckem Geruch, als nur will möglich seyn., citrinumLemery, Materiallexikon: Der citronengelbe oder gelbe Sandel, lateinisch, Santalum citrinum, ... ist der beste unter allen; wird aus China und Siam gebracht. Er muß frisch seyn, harte, dicht und schwer, citronengelb von Farbe oder gelblicht, von süssem, lieblichen Geruch. Die Parfumirer brauchen ihn., rubrumLemery, Materiallexikon: Der rothe Sandel, lateinisch, Santalum rubrum, frantzösisch, Santal rouge, riechet unter allen am wenigsten. Er wird aus Tanassarim gebracht und von der Küste Coromandel, disseits des Flusses Ganges. Er soll frisch seyn, harte, dicht und schwer, von Farbe dunckelroth, und schwärtzlicht aussenher., Asam foetidamWikipedia: Asant (Ferula assa-foetida), auch bekannt als Stinkasant oder Teufelsdreck, ist eine Pflanzenart in der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Das Verbreitungsgebiet reicht vom Iran, Afghanistan, Russland bis ins westliche Pakistan, DulcinReduktionsprodukt der Glukose, auch Dulcit, Dulkose etc. AmmoniacumDer Ammoniacum (dorema ammoniacum) ist ein bis zu zwei meter hoher Doldenblütler, der in Kleinasien und im mittleren Osten heimisch ist und aus dessen weissem Milchsaft ein harziges Gummi gewonnen wird. Das Gummiharz soll krampflösend und schleimlösend sein und wurde daher gegen Husten eingesetzt., Stellium{?}, / CamphoramKampfer, Campher; Pierer (1857): In geringen Mengen in den Organismus gebracht, wirkt der C. reizend auf das gesammte Nervensystem, er vermehrt die Thätigkeit der Secretionsorgane, namentlich wird die Hautausdünstung gesteigert; man wendet ihn innerlich an bei Typhus, Blattern, Masern, rheumatischen Fiebern, Rheumatismus, Epilepsie, äußerlich gegen Brand, Frostbeulen, Quetschungen, Gichtgeschwülste, Lähmung etc.; in größeren Quantitäten genossen, bewirkt der C. Brennen im Halse, Erbrechen, Schwindel, Entkräftung, Convulsionen u. selbst den Tod., EuphorbiumHarz einer nordafrikanischen Euphorbia-Gattung (Wolfsmilch)., GalbanumWikipedia: Galbanharz (Mutterharz, gummiresina Galbanum) ist der eingetrocknete Milchsaft von Ferula erubescens, einer Doldenpflanze Persiens und der Gegend östlich vom Aralsee., LaudanumWikipedia: Opiumtinktur, im Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert auch als Laudanum oder Meconium bezeichnet, ist eine Lösung von Opium., MasticemWikipedia: Mastix (Mastiha) ist das Harz der Mastix-Pistazienbäume (Pistacia lentiscus)., MyrrhamMyrrhe Pierer (1860): M. gehört unter die wirksamsten, die Lebensthätigkeit der Schleimhäute u. des Gefäßsystems erhebenden Mittel u. wird daher bei Verschleimungen, chronischem, feuchtem Asthma, Schleimflüssen der Gebärmutter, Amenorrhöe, auch äußerlich bei übeln Geschwüren, Mundfäule, schlaffem, blutendem Zahnfleisch, cariösen Zähnen, als heilendes u. antiseptisches Mittel mit Erfolg angewendet., OpopanacemWikipedia (en): Opopanax chironium, also known as sweet myrrh or bisabol myrrh, is a herb that grows one to three feet high and produces a large, yellow inflorescence. The plant thrives in warm climates like Iran, Italy, Greece, Turkey and Somalia, but also grows in cooler climates. Some view opopanax grown in cooler climates as being of inferior quality. A consumable resin can be extracted from opopanax by cutting the plant at the base of a stem and sun-drying the juice that flows out. Though people often find the taste acrid and bitter, the highly flammable resin can be burned as incense to produce a scent somewhat like balsam or lavender. The resin has been used in the treatment of spasms, and, before that, as an emmenagogue, in the treatment of asthma, chronic visceral infections, hysteria and hypochondria. Opopanax resin is most frequently sold in dried irregular pieces, though tear-shaped gems are not uncommon. Opopanax is also used in the production of certain perfumes., OlibanumWeihrauch, / OpiumOpium, SagapenumPierer ():Sagapen (Sagapengummi, Sagapenum), Schleimharz, von knoblauchartigem, starkem, unangenehmem Geruch u. bitterlich scharfem Geschmack; besteht aus zusammengebackenen, weißlichen, röthlichen, braunen, mehr od. weniger durchscheinenden Klümpchen; stammt wahrscheinlich von Ferula persica u. enthält ein durch Destillation mit Wasser zu gewinnendes, blaßgelbes, dünnflüssiges, knoblauchartig riechendes ätherisches Öl, Sanguinem DraconisDrachenblut ist ein rotbraunes Naturharz verschiedener Pflanzen, das als Phytopharmakon (pflanzliches Heilmittel) ... und Farbstoff verwendet wird., SuccinumBernstein, Storacem calamit. verum, vel liquidumHarz des Storaxbaumes, / TherebinthinamTerpentin; Wikipedia: Als Terpentin (Balsamöl, Kiefernöl) werden die frischen Harzausflüsse verschiedener Koniferen, wie insbesondere von Kiefern (Pinus), bezeichnet. Sie sind Gemische von Harz und ätherischen Ölen, die zu den Balsamen gehören. Sie gehen erst beim Eintrocknen unter Verlust der flüchtigen Stoffe in Harz über., TragacanthumTragakant, Wikipedia (en): Tragacanth is a natural gum obtained from the dried sap of several species of Middle Eastern legumes of the genus Astragalus, including A. adscendens, A. gummifer, A. brachycalyx,[1][2] and A. tragacanthus. Some of these species are known collectively under the common names "goat's thorn" and "locoweed". The gum is sometimes called "shiraz gum" , "gum elect" or gum dragon. The name derives from tragos and akantha, which means in Greek "goat" and "thorn", respectively. Iran is the biggest producer of the best quality of this gum., Succum liquiritiæSüßholzsaft, Lakritze, CastoreumWikipedia: Bibergeil, auch Castoreum, ist ein Sekret aus den Drüsensäcken (Castorbeutel, Geildrüsen, Geilsäcke) des Bibers. Das Sekret besteht aus einem komplexen Gemisch von chemischen Verbindungen, die wahrscheinlich aus Sekundärmetaboliten des Urins gebildet werden. Der Biber nutzt das fetthaltige Sekret zur Fellpflege und zum Markieren seiner Reviergrenzen., Spermam CoetiWikipedia: Der oder das Walrat, auch als Spermazeti / Spermaceti bezeichnet, ist eine fett- und wachshaltige Substanz aus dem stark vergrößerten Vorderkopf des Pottwals. Sie unterscheidet sich in ihrer Zusammensetzung von den Substanzen in den Melonen anderer Wale. Die Eignung von Walrat zur Herstellung feiner Kerzen sowie als Schmierstoff machte den Pottwal zu einem bevorzugten Objekt des Walfangs., Ossam SepiæPierer (1857): Os sepiae, Wallfischschuppe, Weißes Fischbein, das kalkige Rückenschild, der einzige Knochen des Tintenfisches, länglich-oval, einer Hand groß, in der Mitte fingersdick, nach den Rändern zu abnehmend, auf der oberen, gewölbten Fläche mit einer harten Kruste bedeckt, übrigens leicht, zerreiblich, aus dünnen, durch sehr seine, hohle Säulchen verbundenen Lamellen bestehend; wird häufig auf dem Mittel- u. Atlantischen Meere schwimmend gefunden., Terram sigillatamHeilerde aus dem Mittelmeerraum mit Herkunfts-Siegel, SalmiacAmmoniumchlorid; Pierer (1857): Der Sálmiak, des -es, plur. inus. ein flüchtiges Mittelsalz, welches aus der Säure des gemeinen Kochsalzes und einem flüchtigen Alkali bestehet, und einen dem Kochsalze ähnlichen, aber doch schärfern und urinösen Geschmack hat. Der natürliche kommt aus dem Lande der Kalmucken, wo er an den Felsen ausschlagen soll. Der künstliche wird in Ägypten aus dem Ruße des verbrannten Thiermistes bereitet. Der Nahme ist aus dem Latein. Sal Ammoniacus zusammen gezogen., BezoarBezoarsteine, die sich aus unverdauten Materialien z. B. in den Mägen von Wiederkäuern bilden. , MaschumMoschus: Sekret aus einer Drüse am Bauch des Moschushirsches, AmbramWikipedia: Die Ambra oder der Amber (arab.) ist eine graue, wachsartige Substanz aus dem Verdauungstrakt von Pottwalen. Sie wurde früher bei der Parfümherstellung verwendet., CibethumPierer (1865): Zibeth, Zibethum, eine dem Moschus ähnliche Substanz; ist das Secret einer unter dem After gelegenen doppelten Drüse der asiatischen (Viverra zibetha) u. afrikanischen Zibethkatze (V. civetta). , Lapides pretiosiPulver von Edel- und Halbedelsteinen, AntimoniumLamery (1721): Das rohe Antimonium gekochet, treibet den Schweiß. Wird aber etwas saures drunter gemischet, so erreget es Brechen. Zu Pulver gestossen thut es desgleichen, wann man es von zwey bis auf acht Gran einnimmt., ArsenicumArsenik: hochwirksames Gift, auch zur äußeren Anwendung, z. B. um Hühneraugen zu entfernen, / AuripigmentumRauschgelb, gelbe Arsenblende, meist als Malfarbe genutzt., BanacemPanaxPanax, Ginseng, Mercurium vivum et sublimatumreines Quecksilber und Quecksilberchlorid, FliegenPulverAdelung: Das Fliegengift, ein durch den Zusatz eines brennbaren Wesens sublimirter Arsenik, welcher eine schwarze Farbe hat, und wenn er in Wasser gethan wird, die Fliegen tödtet, wenn sie davon trinken; das Fliegenpulver, auch wohl der Fliegenstein, Oberd. Muckengift. , CantharidesPulver aus zermalenen Ölkäfern ("Spanische Fliegen"), Carda/momumKardamom, Cassiam ligneamCassia-Zimt, Cubebensog. Schwindelkörner, Schwanzpfeffer, Kubeben-Pfeffer, CalmußKalmus_(Art), GalgantIngwer, ZitberZitwerwurzel, weiße Curcuma, Hirschen- undt BöckinunschletUnschlitt (Talg) von Hirschen und Böcken., SpickSpiköl, Öl des Speik-Lavendels, / LohrÖl aus den Früchten des Lorbeerbaums,- Wacholder- PetrociniumSteinöl, Petroleum, Erdöl.- MußcatenÖl aus den Früchten des Muskatnussbaums- Mandel- noch WeinsteinöhlWeinsteinöl, entsteht bei der trockenen Destillation von Weinstein., Spiritum vitrioliVitriolgeist, Schwefelsäure, NitriSalpetersäure, SalisSalzsäure, SulphurisSchwefelsäure, Aquas fortes vel regiasScheidewasser, Königswasser, oder auch vermischtes RäuchwergkGrimm: Zum Räuchern zubereitete Stoffe, noch andere Stücken mehr, / so in die Apothecken eigentlich gehören, undt in denen Dispensatoriis gefunden werden, weder heimlich / noch öffentlich, außer der Zweyen JahrMärckte, sonderlich der examinirten SteinschneiderAdelung: Ein Wundarzt, welcher den Stein in dem menschlichen Leibe durch den Schnitt heilet, ihn vermittelst eines Schnittes heraus nimmt. undt O/culistenAdelung: aus dem Lat. Oculus, ein Wundarzt, welcher sich vorzüglich der Heilung der Augenschäden befleißigt; der Augenarzt., welche uf vorgezeigten Schein, uf gewiße maße, iederzeit passiret werden, führen, feil haben / undt verkäuffen, Sondern sich deß enthaltten sollen, Es sey in der Stadt, uff der Freyheit, oder in / den Vorstädten, Undt do solchen Unserm, ihme gnädigst ertheiltem Privilegio zu wieder, sich Jemandt / dißfalls, etwas unterstehen würde, So soll solches ieder Zeitt, von Unseren Gerichtten Zu Naumburgk, / uff der Freyheit, undt in den Vorstädten, abgeschaffet, undt er biß an Unß, gebührlich geschüzet werden, / Jedoch, so viel daß Süß Holtz undt außwerttige Früchte, wie auch gestoßene undt ganze Gewürtz ma/terialien undt grobe Wahren betrifft, Soll denen Jenigen, so in Naumburgischen Marckt damit Zue / handeln gepflogen, undt außerhalb desselben, solche Handlung bestendiger weise herbrachten / hierdurch an ihre Befügknuß nicht benommen sein.

Undt weil auch die erfahrung giebet, Daß die Apothecker, Materialisten, Zucker Cramer undt / andere der Artzney Unerfahrene, sich bißweilen unterfangen, denen Leuthen die Urinas zue / besehen, von ihren morbislat. morbus, Krankheit zu judicirena. d. lat.: urteilen, undt darauff Artzney Zu geben, Darauß offtmals, denen, so solche Medicamenta gebrauchen, gefahr ihres Lebens erfolget, So wollen Wier Daß / der Apothecker, oder seine Gesellen undt andere so die Artzney Kunst nicht studiret, noch von / einer bewehrten Universitet gut Zeugknüß fürgelegt, undt das Juramentum, Collegio MedicoApothekereid vor dem collegio medico, einer Einrichtung zur Kontrolle und Unterweisung von Ärzten, Wundärzten und Apothekern., / wie sichs geziemt præstireta. d. lat.: leisten, seine Aufgabe erfüllen, sich deßen allen, bey Unserer Straffe gänzlich enthalten, undt solches / alleine, denen Medicis, so publice promoviret, oder wie gemeldet, gute Testimonia aufzuweisen,|


Apothekenprivileg 1645 Seite 4 [p4] auch das Juramentum abgelegt, Zuverrichtten Zuestehen. Jedoch soll ihme ungewehret / sein, in jählingen Krankheitten, Zuemahl des Nachts, do man etwa des Medici nicht / mächttig sein kann, Usualia: alß KinderBalsam, SchlagkPierer (1862): über gewürzige Stoffe abgezogener, sehr feiner Branntwein; soll gegen Schlagflüsse schützen.- undt andere WaßerDestillate folgen zu laßen, / wie auch CompositaPierer (1858): zusammengesetzte Mittel, im Gegensatz der einfachen (Simplicia): Es sein PurgantiaAbführmittel, oder andere ConfectionesHahnemann (Apothekerlexicon 1793): ... sind Latwergen, welche aus vielen und mancherlei Ingredienzien mit einem süßen Safte durch bloße Vermischung zusammen gesetzt sind., denen Leuthen, Wann Sie / selbst solche fordern Zuverkauffen, soll dem Apothecker unbenommen sein. Do auch Jemandt in gemein, sonderlich arme Leuthe, vor eine Kranckheit, etwas begehren würde, / soll ihme vor dieselbe, nichts anders alß Häupt PillenKopf(schmerz)pillen, Pillulas pestilentialesPestpillen, Manus ChristiMit Zucker aufgekochtes Rosenwasser, / Syrupum violarumPierer (1867): Veilchensyrup, durch Aufguß der von den Kelchen befreiten blauen Blumenblätter des wohlriechenden Veilchens in einem zinnernen Gefäß mit heißem Wasser u. Auflösung des feinsten Zuckers in der Colatur bei gelinder Wärme bereiteter, veilchenblauer Syrup, zur Versüßung u. Färbung von manchen Arzneien, aber auch, da er durch Säuren roch, durch Arzneien grün gefärbt wird, als Reagens für diese Stoffe angewendet. Nicht selten aus den Blumen der Aquilegia vulgaris u. Veilchenwurzel nachgekünstelt., rosarumRosensyrup, Schlagk- undt andere gebrandte WaßerPierer (1862): über gewürzige Stoffe abgezogener, sehr feiner Branntwein; soll gegen Schlagflüsse schützen., Säffte undt dergleichen andere simplicia zu ereichen, nachgelaßen sein. Die Materialisten undt Zucker/macher in der Stadt, uf der Freyheit undt in Vorstädten aber, aller Compositen undt ge/brandten Waßer, so in die Apotheck gehörigk, Wofern Sie solches von Unß in specie nicht / erlanget, Zuuerkäuffen gänzlich sich enthalttenn.

Wier haben ihm auch mit ernst eingebunden, Daß er sich uf gutt BaumöhlOlivenöl, in leidlichen Kauff / bevleissigen soll.

Wann Wier dann diese Bewilligung, mehrgenandten Jacob Wolffes fürnehmblich dieser uhrsach / halber wiederfahren laßen, auf daß Unsere Unterthanen Zur Naumburgk, undt sonst män/niglich, mit gutten, tüchttigen undt unvorlegenen Materialien undt Medicamenten, Zu ieder / Zeitt versehen sein mögen, So wollen Wier, Daß die Apothecke, ie nach dreyen Jahren, oder so offt / es von nöthen Zue sein erachttet oder Unß gefallen wirdt, Durch derer Dinge verständige undt / darzu genugksam qualificirte, mit vleiß visitiret, undt do sich verlegene, verdorbene undt / untüchttige Simplicia oder Composita befinden, solche von stundt ahn, öffentlich hinweg gethan, / Keine böße verfälschte, oder ungerechtte materialia undt Wahren gestattet, der Apothecker / wegen willkührliche Straffe, So wohl abschaffung undt moderation, ungebührlich erhöhten / TaxenPreise, bey welchen man sich, nach der Zeit, ob nehmblich die materialia steigen oder fallenn, / zu richtten, hiermitt ausdrücklichen vorbehaltten bleiben soll.

Wier wollen auch ferner, Daß die Apothecker Gesellen undt Discipuli, so baldt Sie von dem Apo/thecker aufgenommen, in gegenwartt des Medici, an Eydesstadt angeloben undt zuesagen, / daß Sie sich der Erbarkeit befleißigen, verschwiegen undt nüchtern sein, böser versoffener Gesell/schafft sich enthaltten, alle Artzney mit Vleiß undt Treue, dem Armen alß dem Reichen, bey Tage / und Nacht, iedesmahl unvordroßentlich, unsäumblich undt vorsichttigk zurichten, nicht eines vor / das andere nehmen, keine untügliche undt veralte Simplicia in die Recepta einmischen noch / verkauffen, auch einem jeden recht Gewicht undt Maß geben wollenn.

Über dieses soll der Apothecker mit seinen Gesellen undt Discipulis, alle Dinge, treulich, vleißigk |


Apothekenprivileg 1645 Seite 5 [p5] sauber undt rein machen, undt bereitten, auch tügliche Instrumenta undt VasaGefäße zu solchem / Wercke gehörende, verschaffen, undt iede Syrupos undt simplicia, an bequehmen, unverderblichen / ortten, haltten undt haben, undt hierinnen das verordnete Medici, anleittung sich gebrauchen, / der dann dorauff, in alle Wege, gute achttung geben, undt bey allen dispensationibus der / Artzneyen bleiben undt verharren soll.

Es soll auch der Apothecker darauff achttung geben, daß kein ungeschickt Recept gemacht werde, / welches von Leuthen gestellet, die es nicht verstehen, Sonderlich, Waß in Leib gegeben, oder genommen / werden soll, Weill sich offt begiebet, Daß auch die Landtfährer, Balbierer undt Bader, wie auch / alte Weiber, Recepta zue stellen, sich unbedächttig unterstehen, Davon Sie doch keinen verstandt / haben, noch rechten grundt wißen, Waß aber zur Wundt Artzney, für Oculisten undt Bar/birer gehört, Dass mögen Dieselben, iederzeit Zur notturfft zurichtten, hette auch sonst / der Apothecker bey den recepten einen scrupel, soll er sich bey den Medico Berichts erholenn, / Wie dann auch, do etwaß in eill versehen, Daßelbe nicht ehe verferttigen, er habe denn mit demselben darauß geredet,

Do auch weiter der Apothecker vermercket, Dass Jemandt Gifft oder Menses provocantiaMittel, die die Menstruation auslösen, bzw. zum Schwangerschaftsabbruch führen., undt ins gemein solche Medicamenta bey ihme fodert, welches Menschen undt Vieh, am Leben undt gesundtheit / schaden bringen, oder sonst mit denselben, ungebührlich gebahret werden möchtte, Die soll Er ihnen / nicht reichen, Es sey dann, Daß er die Leuthe, welche Sie begehren, wohl kenne, undt ohn einigen / verdacht haltte, auch vor allen Dingen von ihnen vernehme, Worzu Sie die Zuegebrauchen bedacht, undt darbey dermaßen versichert werde, daß solche Medicamenta, weder Menschen noch Vieh, / einige gefahr oder Unheil undt schaden bringen sollen, Inmaßen Er dann allezeit die Jenigen, / welche dergleichen medicamenta fordern, undt abholen laßen, mit Nahmen in die Receptbücher / mit vleiß soll einzeichnenn.

Er soll auch durch sein Weib oder andere, so sich uff artzney: undt Apothecker Sachen nicht verstehen, / nicht laßen Artzney hingeben, oder verkauffen, darzu das Gifft an einem besondern oder wol/versperrten orth verwahren, Niemandt darüber gehen lassen, Sondern selbst die Venenalat. venenum: Gift, stark wirkende Substanz, / außwägen, darzue sonderliche Wage, Gewicht undt Geschirr, haben, Darinnen nichts anders hin/gewogen werde.

Über daß soll der Apothecker die Syrupos, Conservas, undt eingemachte dinge, anders nicht / dann mit Zucker, bereitten, damit hierinnen bey seinen selbst, undt der seinen Pflichtten in ver/käuffen keine gefehrde gebrauchet werde. Waß aber mit Honige pfleget condiretwie kandieren: mit Zucker überziehen zu werden, / daß wirdt billich dahin gestellet, Er soll aber bey diesen allen, undt waß sonderlich die Sy/rupos anlanget in exprimirenausdrücken, coquirenvon lat. coquere: kochen undt zurbereitten, guten vleiß ahnwenden, undt denen Gesellen undt Jungen, alleine nicht in Händen laßen.

Dieweill auch oberzehlte süße undt andere frembde Weine, in der Artzney nicht stetts abgehen, |


Apothekenprivileg 1645 Seite 6 [p6] Jedoch Väßleinsweise zue stündlicher Handthabung, in der Apothecken nothwendigk einge/leget werden müßen, offt aber darbey ümbschlagen undt verderben können, soll der Apothecker / zu abwendung dieses schadens berechttiget sein, Darvon etwaß Maaßweißin ganzen, definierten Maßen, umbs geldt / und billichen werth, anderen hinzuelaßen, Aber eher undt anderer gestalt nicht, alß wann / dergleichen tüchttiger undt gutter Wein, im Weinkeller Zur Naumburgk nicht zuebefinden. / Demnach auch wohl geschicht, Daß die Apothecker, von den vormeinten ChymistenZedler: Chymist, Chymicus, wird derjenige genennet, welcher in der Scheide-Kunst erfahren oder geschickt ist, die Cörper in ihre wahren Principia zu resolviren [aufzulösen] und wieder miteinander zu vereinigen., ExtractaAuszüge, / BalsamosPierer (1857): stark u. angenehm riechende Flüssigkeit von dicklicher Consistenz., LiquoresPierer (1860: künstlich bereitete Flüssigkeit, bes. zum pharmaceutischen Gebrauch, OleaÖle, SpiritusPierer (1863): eine durch Auflösen od. Destillation von verschiedenen Substanzen mit Alkohol erhaltene Flüssigkeit, welche meist als Medicament angewendet wird, SaliaSalze, FloresPierer (1858): zum Arzneigebrauch getrocknete, od. sonst zubereitete Blüthen, TincturasPierer (1863): in kühler Temperatur bereitete Auszüge von arzneilichen Stoffen undt dergleichen, so ex mine/ralibus zurgerichttet werden, umb schlechttes geldt einkäuffen, So wollen Wier hier/mitt ernstlich, Daß der Apothecker, solche Stücke selbst, treulich undt fleißigk, wie eines / ieden arth undt Process erfordert, præpariren undt separiren, oder darzue geschicktte / Gesellen, die ex fundamento gelernet, aufnehmen, die dergleichen, in seinem Beysein, mit / allem Vleiß zuerichten mögen, Undt weill bey diesen spagyricis medicamentisalchemistische Medikamente in pon/dereGewicht et mensuraMaß, Menge, hochnothwendiges auffsehen erfordert wirdt, Soll der Apothecker, ver/möge seiner Pflicht, darauff vleißig auffmerckens haben, auff daß hierinnen kein / error begangen werde, Hiergegen, undt zwar, zue desto weniger Verhinderung, undt / erleichtterung solcher großen Mühewalttung, soll er wieder seines Willen, mit gemeinen / Stadt Ämpttern undt personal Beschwerungen, hinführo, Maßen die Apotheker sonst be/rechttiget, verschonet bleiben, Sonsten soll, wie auch Zum theil droben gemeldet, / keinen frembden MaterialistenMaterialhändler LandfährerLandfahrer, Hausierer, vermeintten EmpiricisHeiler, die sich auf ihre Erfahrung, nicht aber auf ein Medizinstudium berufen können, TyriacksmanneTheriak-Händler, / undt dergleichen, außer der JahrMärckte Zur Naumburgk, in der Stadt, uff der Freyheit, / oder in den Vorstädten, feil zue haben, verstattet werden. Do aber einer doselbst ankom/men, welcher zuvor alda nicht gewesen, sol Ihm einn Tagk fei zuhaben vergönnett sein, / Do er aber hierüber, noch ferner sich deßen über Verwarung, unterstehen würde, soll er, uf / angebrachtte Clage undt anzeige des Apotheckers, Ein Neu Schock zur Straffe verfallen / sein, halb unsern Gerichten, undt die andere Helftte, dem Rathe Zue Naumburg p.

Auff daß nun allen undt ieden Puncten undt Articuln, hierinnen begriffen, stett, vhest, / undt unverbrüchlich, unterthänigst nachgelebet werde, Wollen Wier, daß der Rath / Zur Naumburgk, Jacob Wolffen darauff gebührlichen soll vereyden, undt heronach / denselben, bey diesem Unsern Privilegio undt Begnadung biß an Unß schützen undt / handthaben. Eß soll sich aber daßelbe ferner nicht, alß uff iezt ge/nandten Jacob Wolffen, seine Erben undt künfftige rechttmäßige Besitzere, uff / zwantzigk jahr erstrecken, Jedoch mit dieser außdrücklichen Erclehrung, Würde Er / uffn fall seine Erben undt künfftige Besitzere, die Apothecke nicht dermaßen, Wie / obstehett undt sonst die Notturfft erfordert, versehen undt versorgen, Sondern |


Apothekenprivileg 1645 Seite 7 [p7] dieser Unser Befreyhung ungemeß sich verhaltten, Das Privilegium mißbrauchen, / oder die Leuthe mit dem Tax übersetzen, auch so Wier derentwegen, dem Rath undt Ge/richtten Unserer Stadt Naumburgk, gebührende Verordnung thun ließen, er doch deme / unterthänigst nicht gehorsamen würde, Auff solchen, wie auch andere begebende Fälle, undt der Sachen erheischender Notturfft nach behaltten Wier Unß gnädigst bevor / Diß Privilegium undt Begnadung entweder gänzlich Zue cassiren undt auff/zueheben, oder ihn in willkührliche Straffe Zue nehmen, Es auch sonsten nach Unserm / gefallen Zue ändern, / Zu Uhrkundt haben Wier Unsers Stiffts Naumburgk, größer Insiegel an diesem / Brieff hängen laßen, der gegeben ist, auff Unserm Schloß zue Zeitz, Montagk nach / Judica, den vier undt zwantzigsten Martii, Unsers Erlösers undt Seligmachers / Christi Geburth, im Sechtzehenhundert, fünff undt Vierzigsten Jahre.

Stephan von Friesen [manus propria]eigenhändig
Nathanael Zader [manus propria]eigenhändig

Apothekenprivileg 1645 Seite 8 Apothekenprivileg 1645 - Siegel

Übertragen und annotiert von Christiane Backhaus und Siegfried Wagner)

Literatur

Für die Erschließung des Textes wurden neben der Wikipedia hauptsächlich folgende Nachschlagewerke benutzt, wobei die Quellen danach ausgewählt wurden, ob sie kurze Definitionen liefern können, die den Wissensstand der frühen Neuzeit noch reflektieren: Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Leipzig 1793-1801. - Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon , Leipzig 1793-99. - Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. - Nicolai Lemerys vollständiges Materialien-Lexikon, Leipzig 1721. - Pierer's Universal-Lexikon, 4. Auflage, Altenburg 1857-1865. - Johann Heinrich Zedlers grosses vollständiges Universallexicon aller Wissenschafften und Künste, Leipzig 1732-1764.