[Sixtus Braun]

Album civium naumburgensium

1600

An den Lesern

Sixtus-Braun-Vorrede-1Günstiger Herr und Leser. Es hatt mich, die Zeit vber bey einem erbarn Rhat alhier ich in diensten gewehssenn, und hernachmals vnwirdig in Rhatsstull zuegleich mit gesessen, offt und Vielfeltiglichen vordeuchtett, daß durchaus keine sonderliche nachrichtung und verzeichnus der jhenigen Personen, so alhier zue Bürgere vff und angenommenn wordenn, zue befindenn. Dann ich mir nicht die Gedanken gemachet, Wie eine solche Vornehme Stadt nicht eine sondere matriculam gehaltenn und darin Ihre geschworene Bürgere mit nahmenn vfgezeichnet und gebracht habenn sollte. Kann aber die Uhrsach leichtlicheenn ermessenn. Demnach sehr viel brände und feuersnoth Gemeine Stadt erduldet und erliedenn, das dahero die meiste und fürnembste nachrichtung verdorben und vmbkommen sein muege.

Und ob mir woll vorzuwerffen wehre, Wie dergleichen aus den Geschoßbüchern oder auch aus des Rhats Rechnungen zu ersehenn, so seindt doch des orts sonder Zweifell die Bürgere darumb nicht verezeichnett, daß es pro albo Ciuitatis zuhalttenn, Besonderen Vielmehr, das die Gelder, Welche vonn denn Bürgern in specie genommen, berechnett wurdenn. Sixtus-Braun-Vorrede-2De|rohalben und darmit den Nachkommendenn hierinnen weitere anleitung gegebenn, auch itzo wolgedachtenn Rhat eine gewißheitt der Personenn und Bürgere, daruon mann nachrichtung haben kann, gemachett, und sonsten die Vebellnachrede disfalls verhüttett. So bin ich bewogenn, mehrbenembten Rhats Geschoß Büchere und Rechnungen, so viel derer vorhandenn, vmzuschlagenn und daraus folgende matriculam dergestalt zuuorfertigenn, das nemblichenn ano 1342 aus dem Geschoßbuche, Aldiweill kein elteres bey den Rhat anzutreffen, und in ihren behaltnussen ist, alle die Bürgere, so damals in solchem Jhare Ihr Geschoß gereichett und gegeben habenn, ins Alphabeth getragen und derer nahmen in specie vgezeichnett. Und obleich von solchem ihare an, des Rhats rechnungen, so viell derer vorhandenen, ausweisenn, das die Einnahme vnd gebuer von den neuen Bürgernn berechnet, So ist doch folgents kein Specificirtes Verzeichnus weder in den Geschoßbücherenn, noch Vermeltten Rhatsrechnugenn, außer Ao 1365. 66. 71. 91. 93 und 96 sich vff des Rhatsrechnungenn allenthalber gezogenn, Daraußer zuenehmen, das man einigen neuen Bürger mit nahmen habenn und erlangen kontte, auch also in deme Viel Jhar hernacher verflossen und unterdessen etzliche naue Burger sonder Zweifell vffgenommen, das in dem folgenden Hunderten Jhare, aus dem ersten Geschoßbuche, so vorhanden, und anno 1401 gehaltenn, Ich anderweit aller Bürgerer nahmen, zum Alphabet bringenn müssen, bis vff das 1432, desgleichen 38 vnd 41 Jahr, in welchenn Geschoßbücheren wiederumb der neuen Bürgerer in specie gedacht und ihre Namen anhero gezogenn worden.

Sixtus-Braun-Vorrede-3Und damit anderweitt der Burger nicht vorgessenn, Seindt ao. 1452 als aus demersten Geschoßbuche des halb Hunderten Jhares abermals aller Burger nahmen vfgezeichnet, der Jhenigenn so albereitt vorhanden gewesenn, außengelassenn und solche vnter das Alphabet wiederumb getragenn.|

Und demnach auch hiermit nicht jhärlichem fortzukommen gewesen, Sintemal von itztgedachtem Jhare ahn, usq. ad annum 1469, weder in den Rhatsrechnungenn, noch Geschoßbucheren, noch sonsten einige Nachrichtung sich ereignet, und entlichen von diesen 69 Jhare die schreiber vndt Einnehmere sich etwas vleißiger angelassenn, auch folgents alle Jahr die nahmen der Neuen Bürger, bis uff das 1500 Jhar, darann zwar das 1498 mangelt, gezeichnet, So seindt diese genannte Jhare allezuegleich in die matriculam gebracht vnd entlichen in erwentem 1500 Jhare, die nahmen aus dem Geschoßbuche revidirt, vnd welche nicht albereit vnter dem Alphabeth verzeichnet gewesenn, hierzue gesetzet. Dergestalt, das nunmehr von diesem Jahre anzurechnen, die nauenn Bürgere richtig vfgeschrieben vnd weitter von Jharen zu Jharen verfolget wordenn.

Dorbey dann Vorgut angesehenn, die Bürgere nicht nacheinander einzuzeichnenn, besonderen vnter eines ieden ersten Buchstaben die nahmen zuebringenn, zue dem ende, damit ohne einige Bemühung, wann eines iederen nahmen zuesuchen, derselbe sich an Ihme selbsten gebe, vnd woferne einer mehr nachrichtung haben wollte, dessen in den Geschoßbüchern vnd des Rhats Rechnugnen vndter demselben Jhare sich erkunden könntte.

Wann aber dieses von mir wohlgemeinet und zue eines Erbarn Rhats besser nachrichtung vorgenommenn wordenn, Als Zweifel ich nicht, bitte auch darumb dienstlich und freundtlich, der gunstige Leser wolle es ebener maßen nicht anderst deutten, noch vorstehen vnd fürnemblichen darauf achtung geben, do ein nauer Bürger seinen Aydt geleistet, das er Vernachlessiglichen alsobalde herein mit seinem Tauff vnd Zuenahmen, Hernachmals von wannen Er sey, vnd im fall Er einer Dignitet, oder Handtwerges, beneben dem Jhare tag und Monden, deßgleichen ob er ein Bürgersohn sey, einuorleibet werdenn muege.

Unser lieber Gott gebe seine Gnade, das alles das Jhenige, so bessere anordnunge requirirt, vnd erfordert, in richtigkeit, guten standt vnd aufnehmen gebracht, vnd Gotfürchtige, Ehrliebende getreue und fromme Unterthanen vnd Bürger angenommen, hierein vorzeichnett und geschrieben wurdenn.

Signatum Naumburgk, am Neuen Jharestage des angehenden 1600 Jhares. Sixtus Braun mpp.|


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[Sixtus Braun]

Bericht wegen des Bürger Rechts.

Sixtus-Braun-Vorbericht-4Damit den Herrn Lesern auch wissent sein muege, wie es vor Zeiten mit dem Bürgerrecht gehalten wordenn, So erscheinet aus den altten Rechnungen, das ano 1349 ein neuer Bürger 20 gr., auch ein halbes Sexagen gr. zum Bürgerrecht entrichtet, vnd dieweil kein gewisses gesetzt gewesen, ereignet sich, das ao 1366 ein Sexagen, anderthalbes, auch 2 Sexagen berechnet worden, R. R. fol. 50. Inmaßen das dieses biß in das 1391 ihar also gehalten, das einer ein Sexagen mehr und weniger, auch wohl 1 m Haber gegeben, fol. 236. Ferner wird befunden, das ao. 1393. 6. 7. 8. auch 15 Soliden, Item ½ Sexagen item 1 Sexagen erleget und haben etzliche neue Bürgere, auch 20 und wohl 40 gr. reichen müssen. Ist also das Bürgerrecht diese Jhar vber gar vngleich gewesen.

Anno 1400 ist zuersehen, das 3. 4. 6. 9 Sexagen seindt genommen EB. RR ao 1432. Folgents 1469 ist angefangen, 2. 3. 4 auch 9 a schock zu nehmen, und darbey eine Büchßen, Inmaßen dan, vnd das eine büchßse zuegleich erfordert. Ao 1471 beneben 12 ß. das Geschoßregister giebett Anno 1500 hat der Rhat vor die Büchßen 2 und zum Bürgerrecht 4f 5 a sch, 1 n ß, auch wohl 6 fl. genommen, und ist Ihnen solch Bürgerrecht geborgett worden. Ein Bürgers Sohn aber hat 1 f. auch wohl 10 a. gr. gegeben, und sonsten aus den Rechnungen zu uernehmen, das auch Spritzen erfordert und dem Rhate überliefert werden.

Anno 1537 haben die frembden 4 f. 4 schock, ein Bürgerssohn aber gar nichts und der eines Bürgers Tochter gefreyet, 1 f. erleget.|

Anno 1560 ungefehrlichen, hat der Rhat ein gewisses geordenett und Sixtus-Braun-Vorrede-5| 6 f. von einem frembden, von einem Bürgerssohn aber 1 fl. genommen und solches keinem geborget. S. B. ao. 70. fol. 40.

Nach Absterben der Eltern, habenn die Kinder, sie wehren Unmündig oder nicht geweßen, innerhalb ihar und tag, das Rechengeschoß erleget, und ihre guttere vorsteueren mussen, S. B. fol 1525. Wann aber einer eines Burgers Tochter geelichett, und binnen Jhar und Tag das Bürgerrecht nicht erlangett, ist er vor einen frembden erachtet worden.

Ingleichnus, wan die Kinder nicht mehr in ungetheileten guttern mit den Eltern gesessen und ihar und Tagk vorüber, haben sie das Bürgerrecht so teuer als ein frembter erlangen müssen. S. R. ao. 49.

Damit nun diesen sachen eine gewißheit gegeben wurde, haben sich Rhat und Rhäte dergestalt miteinander vereinigt, das ein ieder, er sey ein frembder oder einheimischer, vor allen Dingen Zeugnis seiner ehelichen geburth schrifftlichen, daraußer zuersehen, daß seine eltern nach Christlicher ordnung zur kirche und straßen gegangen, vorlegenn und wann er an andern ortenn albereit seßhaftig gewesen, einen Abschiedbrieff und das er keiner Stadt mehr verpflichtet, besonderen seines Bürgerrechts, mit gutem willen, seiner Obrigkeit sich erlediget, darbringen, Ein Bürgerssohn aber zum wenigsten Zween Mann vorstellig machen soll, welche wissen, das seine eltern alhier zur kirche und strassen gegangen und er in rechten ehebett erzeuget wehre. Mit denen uf der Freiheit aber und hinwieder, ist diese Voreinigung geschehen, daß der Rhat zween hinauss, und das Dom Capittell Ihr zween hereiner schicken, welche bezeugen, das das Domcapittell oder der Rhat ezliche Zeugen gehöret, die gründlichen Bericht von des neuen Bürgers ehelicher geburth gethan hätten. Darauf den ein Bürgerssohn einen Reinischen goldtgulden in specie und derihenige, so allhier ein |Sixtus-Braun-Vorrede-6 Witben oder Bürgerstochter freyet, 5 fl. zum Bürgerrecht entrichten soll. Von einem frembden aber, soll nach gelegenheitt seines standes, wehsens auch Reichthumbs und anderer Umstanden, 50. 40. 30 mehr und weniger thaler erfordert und uffs allerwenigste von einem armen Manne 16 fl. genommen werden.

Und dieweill nunmehr die vergleichung zwischen dem Domcapittell und dem Rhat dergestalt erfolget, wenn einer uf der Freyheit im Weichbilde guther hat, das er dieselben in allewegen verschossen müsse, So soll hinfürder in der Stadt Naumburgk nach absterben der Eltern, ein iedes Kind, wenn es sich getheilett oder seine gutern auß dem vorigen geschoß kommen lesset, schuldig sein, sein rechengeschoß sonderlich zu begreiffen und darum dem Rhate dasihenige, was ein anderer thun muß, verrichten, darein dann die guttere, bahrgeldt und was er vermag zueziehen ist, und darfür keiner gefreyet sein, noch sich darmit behelffen, wie er künftig sein Bürgerrecht, als ein frembder erlangen wolle, und woferne dergleichen in vergessen gestellet, undt einer hernachmals bürger zu werden, oder sich hinwegk zuewenden gedenket, soll er den Rechengeschoß von seinen guttern Jharen zu iharen richtig machen und sonsten zum Bürgerrecht nicht gelassen, noch ihme sich von hinnen zuebegeben verstattet werden, und uf solche Fall, wan seine gutter verschosset, gibt er nicht mehr als einen Reinischen goldgulden zue Bürgerrecht wie oben.

Hette aber der Bürgerssohn keine güttere, besonderen alleine bahrgeldt, so soll es damit ingleichnus gehalten und ein ieder Unmündiger darum den geschoß Jherlichen Zuuerrichten verpflichtet sein. |Sixtus-Braun-Vorrede-7 Wehre es der sache, das ein Bürgerskindt weder goldt noch gutter von seinen Eltern hätte, und vor sich das Bürgerrecht mit 1 fl. Jherlichen nicht erhielte, soll er als ein frembder geachtet werden, Und soll kein frembder zu einem Bürger angenommen werden, er hette dan zum wenigsten 100 Thaler werth, und also etwas zu verlieren, damit er nicht nach angerichteter Unruhe, sobalde daruon laufen könne.

Und ein ieder, der ein eigen Hauß hatt, soll binnen vier Wochen burger werden und in 2 Monatten sein Rechengeschoß begreiffenn. S. B. 70 fol. 60.

Wenn nun dieses alles an dem Jhenigen so ein neuer Burger zu werden gedenket, richtig gemachet, soll er seinen Bürger Eydt wirklichen leisten*, und Ihnen darauf das Bürgerrecht im Namen Gottes zugesaget und in den album Civitatis versetzet werden.

*[am rechten Rand:] Eydesleistung soll vorgehen, ehe einem dass Burgerrecht zugesagt, vnnd er in album civitatis geschrieben wirdt. v[ide] s[ub] f[olio] 4. |


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Naue Bürgere.

Sixtus Braun VorredeDen 8 Octobris Anno 1621 Ist von den Herren von dreyen Rhäten beschloßen worden, daß hinfürdero ein Bürgersohn 10 Thlr., der so eines Bürgers Dochter oder Wittbe freyhet, 15 Thlr. Und dann ein frembder uffs wenigste 20 Thr. zu erlangung des Bürgerrechts erlegen soll.

Sonnabendts den 4 Octobris Anno 1623 haben die Herren Seniores von dreyen Räthen beschlossen, daß hinführo Ein Bürgers Sohn drey Reinische Gulden in specie, Wer aber eines Bürgers Dochter oder Witbe nimbt, Sechs Reinische gulden in specie, Undt ein frembder Zehen Thaler in specie. Mit denjenigen aber, So etwas Vermögens Sein, es nach gelegenheit Ihres Vermögens gehalten werden soll.

NB. Bei bisherigen Unruhigen und Kriegerischen Zeitten, hat es mit den Frembden wegen erlegung 10 Thlr zum Bürgerrechte, so stricte nicht genommen werden können, sondern man hat tispensiren und nach der Person gelegenheit 5. 6. 7. 8 auch weniger Thaler nehmen müssen, wie es denn noch bis dato wegen überauß großen geldtmangell und Unvermögens fast nicht höher zu bringen ist.

Signat, den 11 Nov. ao. 1654.


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