Newsflash

Geschafft! Seit Juni 2021 sind Stadtmuseum Hohe Lilie, Romanisches Haus Bad Kösen (mit Käthe-Kruse-Sammlung) und Max-Klinger-Haus in Großjena wieder geöffnet. Seit September gilt dies auch mit Einschränkungen für den Wenzelsturm.
Die Hygieneregeln gelten weiterhin (med. Masken, AHA-Regeln).

Ellen Bauer, Herscheid (1942-1945)

Harte Arbeit

Nach meiner Entlassung aus der Schule in Naumburg, Schulstraße mußte ich ein Pflichtjahr ableisten. Vom 15.4.1941 bis 31.3.1942 war ich bei Familie Karl Weber in Heraleben, Plan 4 tätig. Eine harte Zeit begann für mich als 14 Jährige, 3/4 5 Uhr aufstehen, Kühe melken, Schweine füttern.

BauerE02Erst nach dieser Verrichtung durfte ich mich waschen und frühstücken, abwaschen saubermachen, Feldarbeiten verrichten wie Heuwenden, Rübenverziehen, Getreidegarben binden, von Futterrüben mit einer Sichel die Köpfe abschlagen. Nach arger Verletzung des linken Zeigefingers, ich .war froh, daß er noch dran war, mußte ich allein zu Fuß nach Wiehe einen Arzt aufsuchen, wurde von diesem krank geschrieben und Frau Weber ließ mich nur für einen Tag nach Hause fahren, ich könne mit der rechten Hand behilflich sein. Über Weihnachten bis nach Neujahr bekam ich Urlaub, und den genoss ich in meinem Elternhaus. Als Entgelt erhielt ich 12 Reichsmark monatlich. Keine Eltern mußten auch für Arbeitskleidung wie Schürzen und Holzpantoffeln sorgen.

Ich habe es als Strafjahr empfunden, habe aber diese Familie Weber im August 1983 während meines Besuches in Naumburg aufgesucht, auf beiliegenden Bild ist es zu sehen, und sie gaben ihr Bedauern Ausdruck über die schwere Arbeit bei ihnen. Am 15.4.1942 begann ich meine Lehrzeit als Anwalts- und Notarsgehilfin bei Rechtsanwalt Gleuwitz in der Jenaer Straße. Mein Vorteil war, dass ich mit 12 Jahren Stenografie erlernte. Sämtlicher Schriftverkehr wurde diktiert und in Steno aufgenommen und mußte fehlerfrei in die Maschine übersetzt werden. Ein täglicher Gang zum Oberlandesgericht gehörte auch dazu um Schriftstücke zu überbringen und Eingänge abzuholen. Am 31. Mai 1944 mußte die Kanzlei von Rechtsanwalt Gleuwitz aufgegeben werden, er wurde infolge der teilweisen Verlegung des Oberlandesgerichts nach Magdeburg versetzt. Rechtsanwalt und Notar Dr. Zimmer in Nbg., Jakobstraße 33 übernahm mich ab 1.6.1944 als Lehrling. Im 3. Lehrjahr erhielt ich monatlich 45 Reichsmark. Am 5.4.1945 bestand ich laut beigefügtem Gehilfenbrief meine Prüfung als Rechtsanwaltsund Notarsgehilfin. In dieser Anwaltskanzlei war ich bis 31. August 1945 tätig. Als Vorsitzer der Zementfirma in Karsdorf hielt sich Dr. Zimmer vorübergehend auf und wurde beim Eindringen sowjetischer Besatzungssoldaten erschossen, der genaue Tag ist mir nicht mehr in Erinnerung. Vom 1.10.1945 war ich bei der Kriminalpolizei tätig, nahm Anzeigen auf und führte Vernehmungen, Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Am 1.11.1946 wechselte ich zur Verwaltungs polizei, eine Gewerbeabteilung wurde von mir und einem Kollegen aufgebaut und der Polizei - Meldedienst übernommen.