Plakat Zarathustra6. April bis 31. Oktober 2008

Vergiss die Peitsche!
125 Jahre Zarathustra

Vor 125 Jahren hat Friedrich Nietzsche in nur zwei Wochen den ersten Teil seiner Dichtung „Also sprach Zarathustra“ zu Papier gebracht, berauscht von dem Gedanken, der Menschheit ihr „tiefstes Buch“ geschenkt zu haben.
Um so merkwürdiger ist die Wirkungsgeschichte dieser seltsamen Mischung aus Poesie und Philosophie. Im Alltagsbewusstsein wird Nietzsche meist auf einen Satz aus seinem „Zarathustra“ reduziert: „Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht ...“ Wer dann noch das berühmte „Peitschen-Foto“ mit Lou von Salomé kennt, auf dem die Studentin sich Nietzsche und dessen Freund Paul Reé vor ihren Wagen spannt, für den ist die Sache klar: Weil die Angebetete, mit der er den Sommer 1882 in Tautenburg, einem Dorf zwischen Naumburg und Jena, verbracht hatte, ihn abwies, gehören alle Weiber für den Philosophen ausgepeitscht. War es so?
Die Ausstellung zeigt, dass ungleich mehr in dem vieldeutigen Werk verborgen liegt, das im besten Sinne des Wortes auch nach 125 Jahren noch fragwürdig bleibt.

Zum ersten Male wird im Rahmen dieser Ausstellung der „Lebensfries“ mit den wichtigsten Stationen des Wanderers auf seinem Weg in die Zarathustra-Einsamkeit zu sehen sein, den der Weimarer Maler Dieter Weidenbach für die Ausstellung geschaffen hat.