Einladung zum Vortrag: 16.12.2015, 18:30 Uhr
Im Schlösschen, Markt 6, Naumburg


Vortrag anlässlich der Ausstellung „erfasst – verfolgt – vernichtet: Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“

Die skandalöse Nachgeschichte eines Verbrechens ...

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Vom Verschweigen zur Anerkennung der Opfer – Umgang mit der Geschichte der Krankentötungen in Deutschland zwischen 1945 und 2010
Felix M. Böcker, Naumburg

Obwohl erste Berichte über die sogenannte „Euthanasie“ schon 1946 erarbeitet wurden und der Bericht von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke über den Nürnberger Ärzteprozess schon 1947 vorlag, ist in Westdeutschland erst in den sechziger Jahren allmählich eine Auseinandersetzung mit der Zwangssterilisierung von kranken und behinderten Menschen seit 1933 und ihrer Tötung seit 1939 in Gang gekommen. Erst 2007 hat der Deutsche Bundestag das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ als nationalsozialistisches Unrecht geächtet, und nicht früher als 2010 hat der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde die Opfer und deren Angehörige um Verzeihung für das Leid und das Unrecht gebeten, das ihnen im Namen der deutschen Psychiatrie und von deutschen Psychiatern angetan wurde, und für das viel zu lange Schweigen, Verharmlosen und Verdrängen in der Zeit danach.

Im Vortrag soll zur Diskussion gestellt werden, warum die historische Aufarbeitung so spät begonnen hat und wie die Täter selbst den Diskurs mitbestimmt haben. Der Referent, Chefarzt der Klinik für psychische Erkrankungen am Klinikum Burgenlandkreis, hat als junger Arzt und später Zeuge der Geschehnisse einige Meilensteine des Gedenkens miterlebt und wird einige Bücher vorstellen, die ihn über vier Jahrzehnte immer wieder mit dem Thema konfrontiert haben.