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Dorothea Buck Rede (deutsche Fassung) beim WPA Kongress 2007

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Einladung zur Filmvorführung: 11.12.15: 16 Uhr
Im Schlösschen, Markt 6, Naumburg.


Dorothea Buck

dorothea buck mutter mit kind 900Dorothea Buck: Mutter mit KindSeit diesem Wochenende bereichert eine kleine Plastik die derzeitige „Euthanasie“-Ausstellung im Schlösschen. Es handelt sich um das Bronze-Modell eines Denkmals, das 1964 vor der Schule an der Gartenstadt in Hamburg aufgestellt wurde und den Titel „Mutter mit Kind“ trägt. Schöpferin der Plastik ist Dorothea Buck, deren Lebensweg das Ausstellungsthema und die Stadt Naumburg miteinander verbindet.

Krankheit und Genesung

Dorothea Buck ist nämlich 1917 in Naumburg geboren. Ihr Vater war damals als Prediger in die Saalestadt versetzt worden, so dass sie ihre ersten Lebensjahre in Naumburg verbrachte, bevor die Familie zunächst nach Oldenburg und dann auf die Insel Wangerooge verzog. Dort erlebte sie mit 19 Jahren einen psychotischen Schub, der zur Diagnose „Schizophrenie“ und einer langen Reihe von traumatischen Erfahrungen mit der klinischen Psychiatrie in Deutschland führte. „Das schlimmste, was ich im Laufe meiner Klinikaufenthalte erlebt habe, war in Bethel“, erinnerte sie sich später an ihren ersten Psychiatrie-Aufenthalt, denn dort wurde sie nicht nur den üblichen, an Folter gemahnenden „Behandlungen“ unterzogen, dort wurde das junge Mädchen auch von einer ärztlichen Kommission im Sinne des „Erbgesundheitsgesetzes“ für „erbkrank“ erklärt und – ohne ihr Wissen – zwangssterilisiert. Dass Dorothea Buck das Nazi-Reich und seine Mordaktionen an psychisch Kranken überlebt hat, ist glücklichen Umständen zu verdanken und ihrem ungebrochenen Lebensmut. Im Lauf der Jahre konnte sie ihre Krankheit besiegen. Von 1969 bis 1982 war sie als Lehrerin für Kunst an der Fachschule für Sozialpädagogik in Hamburg tätig, sie arbeitete als Bildhauerin mit eigenem Atelier und schrieb mehrere Bücher, die sich mit ihren Erfahrungen beschäftigten und sie engagierte sich für mehr Menschlichkeit in der Psychiatrie. Im Jahre 1997 wurde sie dafür mit dem Bundesverdienstkreuz, 2008 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Unlängst gründete Dorothea Buck eine eigene kleine Stiftung, deren Ziel es ist, die Einbeziehung des Erfahrungswissens von Betroffenen in die psychiatrische Versorgung zu fördern. Professor Frank Schneider (Aachen), der die Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“ in Naumburg Anfang November eröffnete und die nun in Naumburg gezeigte kleine Plastik als Leihgabe zur Verfügung stellte, erhielt am 21.11.2015 den Preis des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ überreicht. Die Hälfte seines Preisgeldes übertrug er an die Dorothea-Buck-Stiftung.

Filmvorführung

Am Freitag, dem 11.12.2015, um 16:00 Uhr wird in der Ausstellung im Schlösschen der Film „Himmel und Meer. Dorothea Buck auf der Spur“, ein anrührendes Interview-Porträt der inzwischen hochbetagten Künstlerin gezeigt werden. Der Eintritt ist frei.