8.-23.12.12 Galerie im Schlösschen - Architekturwettbewerb

Entwürfe für die Kulturinsel

arttwb-005Die ersten Besucher zeigten sich tief beeindruckt von der Qualität der eingereichten Arbeiten.Galerie im Schlösschen, Markt 6, 06618 Naumburg
8.–23. Dezember 2013 | Mittwochs 14-17 Uhr; Samstag/Sonntag 10-17 Uhr oder nach Vereinbarung


In der Galerie im Schlösschen sind ab 8. Dezember die Ergebnisse des jüngst von der Stadt Naumburg europaweit ausgeführten Architekturwettbewerbs zu sehen. Die dem Wettbewerb zugrunde liegende Aufgabenstellung hatte es dabei durchaus in sich. Von der ursprünglichen Absicht, der städtischen Bibliothek einfach nur ein neues Domizil zu errichten, war man schon seit längerem abgekommen. Seit Bibliothek, Archiv und Museum vor einigen Jahren verwaltungsmäßig zu einem Sachgebiet vereint wurden, verfolgte man auch das Ziel, diese Einrichtungen zukünftig in einem Gebäude zusammenzuführen. Die Vorteile dieses Vorgehens liegen auf der Hand: wo zur Zeit für Archiv, Bibliothek, Kinderbibliothek, Museumsverwaltung und (dies ist besonders dringlich) Magazine insgesamt sechs teils nur energetisch prekäre, teils desolate Liegenschaften unterhalten werden müssen, soll in Zukunft ein einziges, energetisch und funktional optimiertes Gebäude diese Funktionen übernehmen. Geringere Unterhaltskosten sind dabei nur eines der angestrebten Ziele. Die Zusammenführung der Einrichtungen soll auch Synergien freimachen, die es erlauben, mit dem notorisch geringen Personalschlüssel (der auch in Zukunft nicht erhöht werden wird) zusätzliche Angebote zu übernehmen. Die Bibliothek wird sich in Zukunft sicher von der Bücherausleihe wegbewegen zum Informationsmanagement, sie wird verstärkt Treffpunkt für jüngere und – angesichts der demographischen Entwicklung besonders wichtig – für ältere Mitbürger, wofür sie in viel höherem Maß als bisher eine gediegene Aufenthaltsqualität bieten muss. Auch Archiv und Museum werden ihre Sammlungen (darunter die bisher kaum zugängliche Bibliotheka Lepsiana) weiter öffnen können, werden interessierten Bürgern, Heimatforschern, Schülern und Wissenschaftlern die Möglichkeit geben, direkt mit historischen Schriftstücken und Objekten zu arbeiten – und zwar in einem Maße, wie dies bisher aufgrund der inadäquaten räumlichen Verhältnisse nicht möglich ist. Didaktische Angebote für alle Altersgruppen werden dabei helfen, die städtischen Sammlungen zu einem festen Baustein der demokratischen Kultur zu machen, in der jeder teilhaben kann an der Klärung der Frage nach dem eigenen woher und wohin.


 

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Den Wettbewerbteilnehmern war diese Zielstellung wohl bewusst, doch wurde die Aufgabe noch etwas kniffliger durch die Beschaffenheit der zu bebauenden Liegenschaft. Obwohl etliche Alternativen geprüft worden waren, hatten sich Verwaltung und Gemeinderat auf das brachliegende Grundstück am Reußenplatz 6/7 geeinigt, erweitert durch das imposante barocke Bestandgebäude Nr. 6 und das genauso malerische wie ruinöse Fachwerkhaus Nr. 9. Beide historischen Bauten sollen in den Komplex integriert werden, wobei ihr Denkmalcharakter nicht beeinträchtigt werden darf – eine Aufgabe, die den teilnehmenden Büros einiges an Kopfzerbrechen bereiten musste, denn allein die unterschiedlichen Geschosshöhen der Altbauten, die heutigen Anforderungen natürlich nicht entsprechen, verlangten den Planern viel Erfindungsgabe ab.

Was sich den Mitgliedern der Jury am 9. November an Entwürfen präsentierte, zeigte denn auch, dass sich die meisten Büros intensiv mit der Aufgabenstellung auseinandergesetzt hatten und entsprechend positiv überrascht zeigten sich insbesondere die Sachpreisrichter (also der Naumburger OB, die Mitarbeiter der städtischen Sammlungen, die Vertreter der Naumburger Bürgerschaft) über die Vielfalt und die Qualität der vorgeschlagenen Lösungen.

Allerdings vermochte keiner der Entwürfe zu 100% zu überzeugen, was zum erheblichen Teil daran lag, dass sich insbesondere die Naumburger Preisrichter – aber zu deren Erleichterung durchaus auch die als Fachpreisrichter agierenden Architekten und Ingenieure – mit vielen Fassadenlösungen nicht abfinden konnten, die ihnen zu sprachlos und zu modisch-austauschbar erschienen und vielfach die Befürchtung erweckten, sie könnten schon zum Zeitpunkt, wenn das Geld für den Bau endlich akquiriert ist, hoffnungslos out of Fashion sein. (Die zur Zeit als mega-hip betrachteten erratisch verteilten Fenster wird man hoffentlich schon bald zu den architektonischen Irrwegen zählen - so der zugegeben unqualifizierte Wunsch eines Sachpreisrichters).

Die Jury unter der Leitung des Vorsitzenden der Architektenkammer Sachsen-Anhalt Prof. Ralf Niebergall entschied sich daher dafür, keinen ersten Preis, dafür aber zwei zweite Preise zu verleihen, dazu einen fast ebenso starken dritten Preis zu vergeben und eine Arbeit mit einer Anerkennung zu versehen. Zweite Preise erhielten das Büro RKW Rhode Kellermann Wawrowsky, Leipzig und Thomas Müller, Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin. Der dritte Preis ging an Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin / Atelier für Architektur & Denkmalpflege, Köthen. Mit einer Anerkennung wurde das Büro Weis & Volkmann, Leipzig, bedacht.

Die drei Preisträger wurden gebeten, ihre Entwürfe anhand von Anregungen der Jury noch einmal zu überarbeiten, so dass dann im Februar 2013 anhand der modifizierten Entwürfe eine endgültige Entscheidung darüber gefällt werden kann, welcher Entwurf ausgeführt werden soll.

In der Zwischenzeit bietet sich Gelegenheit, alle Entwürfe nebst den Modellen eingehend zu studieren – für jeden, der sich für Architektur im Allgemeinen, für das Bauen in historischer Umgebung im speziellen interessiert, ein äußerst reizvolles Angebot.