28. April bis 11. August 2013 - Romanisches Haus Bad Kösen.

Unterm Strich – Karikatur und Zensur in der DDR.

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- Karikaturen sind „optisches Juckpulver“: Sie reizen, stacheln auf, bringen zum Lachen. Stets spiegeln sie die Zeit ihres Entstehens. Die Wanderausstellung zeigt die Spielräume und Grenzen der Karikatur in der DDR. Sie ermöglicht tiefe Einblicke in Wesen und Wirklichkeit der SED-Diktatur.
„Eine gute Pointe muss eben sitzen!“ Diese Faustregel jeder Satire hatte in der DDR einen Hintersinn, den der Berliner Zeichner Manfred Bofinger 1970 in einer Karikatur
unverblümt offenbarte: Er legte den Satz einem Sträfling in den Mund und spielte so darauf an, dass die wirklich treffenden Pointen in der SED- Diktatur nicht erlaubt waren – kein Wunder, dass auch die Zeichnung selbst unveröffentlicht blieb. Gleichwohl fanden Karikaturen gerade in der DDR ein großes Publikum. Ausstellungen zogen in den 1980er Jahren sogar Zehntausende Besucher an, weil sie zum Thema machten, was die staatlich gelenkten Medien verschwiegen.
Mit typischen Propagandazeichnungen zeigt die Ausstellung das stereotype Weltbild der SED. Zahlreiche Beispiele beanstandeter oder verbotener Karikaturen veranschaulichen die Grenzen des Erlaubten und dokumentieren die Willkür der Zensur. „Schubladenarbeiten“, die nicht veröffentlicht werden konnten, verweisen auf die allgegenwärtige „Schere im Kopf“. Im Herbst 1989 bricht sich der Unmut Bahn. Nach dem Ende des SED-Regimes zeichnen viele Künstler aktuelle Karikaturen. Kritisch kommentieren sie den Ruf nach der deutschen Einheit, skeptisch begleiten sie den Prozess der Vereinigung im Jahr 1990. Die Ausstellung präsentiert Karikaturen aus Privatbesitz, Museen und Archiven, eingebettet in den historischen Kontext. Zahlreiche Fotos, Dokumente und audio-visuelle Medien machen die Rahmenbedingungen der Entstehung gezeichneter Satire anschaulich. Der Rückblick auf die Karikaturen bietet einen unterhaltsamen Gang durch die Geschichte der DDR. Wer die DDR erlebt hat, wird vieles wiedererkennen, wer nicht, kann vieles besser verstehen. Schmunzelnd Geschichte erleben!


Ausstellungsbegleitender Vortrag:

Am 20. Juni um 18:30 Uhr referiert der wissenschaftliche Mitarbeiter der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/Zeitgeschichtliches Forum Leipzig Dr. Daniel Kosthorst in seinem Vortrag „Karikatur und Zensur in der DDR“ über das Ausstellungsthema.