Ansicht Domplatz 1, sog. "Bischofskurie".

Ansicht Domplatz 1 (Bischofskurie) mit Nachbargebäuden; im Vordergrund links der Ekkehard-Brunnen, dahinter Grünanlage mit vierarmiger Straßenlaterne. Goldleistenrahmen. Die Malerei ist dilettantisch aber detailiert und gibt einen schönen Eindruck von der Fassadengestaltung des Gebäudes in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das Bild wurde als "Dachbodenfund" angekauft und war in einem den Umständen entsprechend ordentlichen Zustand. Allerdings wies die Leinwand im mittleren unteren Bereich eine ca. 4cm lange Schramme auf, die bis auf den Malgrund reichte. Die Herzblatt-Leiste des Rahmen war an mehreren Stellen durch Fehlstellen gezeichnet. Als restauratorische Sofortmaßnahme wurde die Oberfläche gereinigt, die Beschädigung retouschiert und der Rahmen provisorisch ergänzt.

Bildausschnitt vor (links) und nach (rechts) der Reinigung.

Der Handschuhdehner [Handschuhspanner]

Ein Neuankömmling liegt auf meinem Schreibtisch.

„Gefunden bei einem Rundgang durch das Haus zu den drei Schwanen in der Jakobsgasse“ ist alles, was ich an Informationen zu diesem Objekt habe.

Gut, ein bisschen mehr gibt es schon: ich kann mir den Neuzugang immerhin genau anschauen. Es handelt sich um ein hölzernes Instrument, das aus den beiden Hälften eines längs geteilten, gedrechselten und klar lackierten Stabes besteht, der auf einer Seite über ca. zwei Drittel der Länge in eine abgerundete Spitze zuläuft. Die beiden Hälften sind durch ein gedrechseltes Gelenkstück in der Mitte aneinander befestigt und gleichzeitig ca. 1cm auf Distanz gehalten. Das andere Ende ist wie ein Griff geformt, den man gegen eine ebenfalls zwischen den Hälften angebrachte (rostigen) Spiralfeder zusammendrücken kann, so dass sich der vordere, konisch zulaufende Teil des Gerätes etwa zwei cm öffnet. „Was ist das?“ frage ich mich. Im Haus zu den drei Schwanen war lange Zeit ein Gasthaus untergebracht – vielleicht eine Art Gurkenzange? Aber der Druck der Feder ist zu schwach, um irgendetwas wirklich festzuhalten. Wie sahen denn Wäscheklammern vor 100 Jahren aus? Nicht so!

handschuhweiterEtwas ratlos versuche ich mein Glück im Internet. Und tatsächlich werde ich nach einigem Suchen fündig, es lassen sich ähnliche Gebilde finden. Etliche Bildunterschriften scheinen ebenfalls nur Mutmaßungen zu sein, überzeugend wirkt jedoch die Bezeichnung „Holzzange zum Dehnen von Handschuhen“. Weitere Recherchen, insbesondere auch im französischen („pince à gant“) und englischen („glove stretcher“) Sprachraum, bestätigen diese Erklärung. Mir fallen gleich die engen Glacéhandschuhe ein, die vor allem für Damen im 19 Jahrhundert in Mode waren. Der Name glacé kommt aus dem Französischen und heißt so viel wie vereist oder mit Zuckerguss überzogen und bezieht sich auf die weiße Färbung des Leders. Das sehr weiche Ziegenleder hat einen leichten Glanz und bringt den Vorteil mit sich, dass es gewaschen werden kann. Einige dieser sehr feinen und vor Allem engen Lederhandschuhe befinden sich in der Sammlung des Stadtmuseums.

Bei genauerem Hinsehen fällt mir nun auch die kleine „6“ auf, die jeweils mit Bleistift auf die beiden Innenseiten der Zange geschrieben wurde. Handelt es sich dabei um die Handschuhgröße? Größe 6 entspricht heute einem Handumfang von 17 cm und passt somit einer schmalen Frauenhand.

Nun stellt sich die Frage, warum in einer Ecke des ehemaligen Speisesaals in einem Gasthaus ein Handschuhspanner zu finden ist. Ein Blick in das Naumburger Adressbuch von 1910 verrät aber, dass in der Jakobstraße 28 damals auch zwei Schuhmachermeister und ein Schneidermeister gewohnt haben – durchaus vorstellbar, dass einer von dieses ein solches Werkzeug genutzt hat.

Und da wären wir bei der spannenden Frage, wie dieser Handschuhspanner benutzt wird. Da sich Lederhandschuhe, wenn man sie oft trägt, leicht weiten, ist es von Vorteil, wenn sie beim Kauf sehr eng sitzen. Damit der Handschuh im Laden problemlos anprobiert werden kann, wird er mit dem Handschuhspanner bis in die Fingerspitzen hinein vorsichtig gedehnt, so dass er sich leichter anziehen lässt. Ist das Anziehen dann immer noch schwierig, kann der Handschuhspanner auch als Anziehilfe benutzt werden.

Wenn sich die modebewusste Dame aus dem 19. Jahrhundert ein paar Glacéhandschuhe gönnte, war es nur von Vorteil, wenn sie den entsprechenden Handschuhweiter gleich miterwarb. Besonders nach dem Waschen war es meist äußerst schwierig, einen leicht geschrumpften Lederhandschuh anzuziehen. Mit Hilfe des Handschuhweiters konnten die einzelnen Handschuhfinger wieder in ihre ursprüngliche Größe ausgedehnt und leichter angezogen werden. Und Frau war nicht nur glücklich, sondern auch noch voll im Trend.

handschuhspannerEin Handschuhweiter, konnte recht einfach und schmucklos sein, so wie der hier abgebildete. Für die etwas Betuchteren gab es jedoch auch Exemplare aus Bein und Silber mit reichen Verzierungen. Als die engen Glacélederhandschuhe zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Mode kamen, verloren auch die Handschuhspanner ihre Funktion.

In bestimmten Bereichen werden heute wieder Handschuhspanner eingesetzt, die jedoch eine gänzlich andere Form und Funktionsweise haben, so zum Beispiel zum Dehnen von Golflederhandschuhen.

Nora Spielvogel-Strauß

Literatur:

Loschek, Ingrid: Reclams Mode- und Kostümlexikon, 3. rev. und erw. Aufl., Stuttgart 1994.

Jettmar, Josef: Die Lederhandschuhfabrikation : Die Geschichte ... des Lederhandschuhes ... seine Rohmaterialien und Herstellung, Leipzig 1915.

Stadtansicht von 1750

Die meisten Ansichten der Stadt Naumburg vor 1800 gehen auf eine Zeichnung von Johann Wilhelm Dilich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und einen danach angefertigten Kupferstich von Caspar Merian zurück. Auch der hier abgebildete Stich von Friedrich Bernhard Werner (Zeichner, 1690-1778) und Johann Georg Ringlin (Stecher, 1691-1761) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts beruht auf diesen Vorlagen, doch ist die Darstellung - nicht untypisch für das Genre - weit mehr als seine Vorbilder idealisiert. Die wichtigen Gebäude sind stark überhöht dargestellt, die Stadt ist in ihrer Ausdehnung erheblich gestaucht und viel zu klein geraten. An den Details wird deutlich, dass die Künstler Naumburg wohl nie mit eigenen Augen gesehen haben. Interessant ist der Vordergrund: Hier wird dargestellt, wofür Naumburg über lange Jahrhunderte auch überregional bekannt war: Der Handel nämlich (man sieht Merkurs Insignien, Warenbündel und einen Geldsack) und die Bierbrauerei (neben dem Brauzeug sind auch ein Bierwagen und eine Gruppe beschwingter Zecher zu entdecken).

Legende: 1. Arx Freyburg. 2. Fluv. Sala. 3. Arx vetusta. 4. Templ. S. Michaelis. 5. Cathedrale Templ. 6. S. Odomarii Templ. 7. Porta Salis. 8. Porta B.V.M. 9. S. Mariae Templ. 10. Curia. 11. Templ. urbis paroch. 12. Gymnasiu. 13. Porta Jacobaea 14. Pecorum porta. 15. Dom Iaculatoria. - 1. das Schlos Freyburg. 2. Saal Flus. 3. das alte Schlos. 4. S. Michaels kirch. 5. Dom kirch. 6. S. Odmar. 7. das Salssthor. 8. Frauen thor. 9. S. Marien kirch. 10. das Rath-Haus. 11. die Statt Pfarr kirch. 12. die Schul. 13. Jacobs thor. 14. das Viehthor. 15. das Schies Haus

Ansicht von Süden. Wenzelskirche, Dom und Moritzkirche sind deutlich vergrößert dargestellt, die Stadtbefestigung erscheint massiver als in Realität.  Die Vordergrundstaffage zeigt Baum- und Strauchwerk, dazwischen Winzer und eine rastende Gruppe. Am oberen Rand befindet sich die von Löwenköpfen begrenzte Titelkartusche mit der Inschrift "NAUMBURGH Aan der Saale". Links davon das Siftswappen, rechts davon das sächsische Wappen mit Rautenkranz. Im unteren Fünftel der Bildfläche eine ausführliche Legende. Rechts unten: "Zu Amsterdam bei Friedrichen de Witt".

Aus: Der getreue Reiß-Gefert durch Ober- und NiederTeutschland. Das ist: Grundrichtige und ausführliche Abhandlung derer jenigen Residenzien/ Städte/ Schlösser/ Vestungen/ Städtlein und nahmhafften Markflecken/ welche so wol in Ober- als Nieder-Teutschland/ einem Reisenden sich hin und wieder vorstellig machen/ ... Nürnberg (Riegel) 1686

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    Reformationspropaganda für den Geldbeutel

    Spottmedaillen

    Kehr- oder Doppelkopfmedaillen waren ein beliebtes Mittel der Reformationspolemik. Sie nahmen wahrscheinlich das Vorbild päpstlicher Schaumünzen auf, die seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert Papstbildnisse trugen und verkehrten deren propagandistische Wirkung ins Gegenteil. Durch die Drehung der Kehrmedaillen um 180 Grad wird beispielsweise aus dem Papst- ein Teufelskopf. In der Regel – nicht immer – verstärken die überwiegend lateinischen Umschriften die ohnehin grob polemische Bildwirkung noch, indem die Grundaussage, die lutherische Gleichsetzung des Papstes mit dem Antichristen, verbal und unmissverständlich variiert wird. Die Kehrseiten der Medaillen zeigen in der Regel eine Kombination aus Kardinal und Narr, wobei der Narr in seiner traditionellen Bedeutung als dummer, törichter Mensch zu verstehen ist, der den Willen Gottes nicht zu erkennen vermag.

    Der Großteil dieser Spottmedaillen wurde wohl in den beiden Jahrzehnten nach 1539 hergestellt. Die Bildmotive wurden mehrfach kopiert und variiert und die Legenden finden sich in verschiedenen Kombinationen, so dass man vermuten kann, dass die Spottmedaillen in der Zeit der heftigsten konfessionellen Auseinandersetzungen ein gutes Zusatzgeschäft für ihre Hersteller bildeten, zumal nicht zuletzt die lateinischen Legenden auf ein gebildetes und damit zahlungskräftiges Zielpublikum schließen lassen. Ein Zusammenhang mit dem Naumburger Bischofsstreit wurde oft vermutet und Nikolaus von Amsdorf direkt als Initiator genannt. So habe Amsdorf eine hier nicht vertretene Doppelkopf-Medaille (Kardinal/Narr, revers ohne Bild) mit der Legende „EFFIGIES CARDINUM MUNDI/ EFFEMINATI DOMINABVNTUR EIS 1544“ von „Monstranz und Kirchenornat“ des Domes schlagen lassen. [Köhler, Münz-Belustigung, S. 244] Unsere Inv.-Nr. SG02177, deren ungewöhnliche Bildzusammenstellung Bischof/Kardinal – Kaiser/Papst in Verbindung mit den Legenden („Du wirst sie bestellen als Herrscher über die Erde“) mit unerwartet feinsinniger Ironie daherzukommen scheint, wurde ebenfalls Amsdorfs Initiative zugeordnet, ohne dass dies allerdings nachweisbar wäre. Es ist kaum möglich einzelne – oder gar alle – Spottmedaillen der Reformationszeit konkret auf diesen Ursprung zurückzuführen. Wenige – hier nicht vertretene – Exemplare werden bekannten Medailleuren wie Friedrich Hagenauer (um 1500-1546), Peter Flötner (um 1485/90-1546) und Hans Reinhart d. Ä. (um 1510-1581) zugeschrieben, in den meisten Fällen bleiben jedoch sowohl Medailleure als auch Hersteller und Herstellungsorte unbekannt.

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