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Stadtmuseum Hohe Lilie Naumburg
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Die Kinder und das Kinderfest

Die Beteiligung der Kinder am Kirschfest stellte immer ein Problem dar. Zum einen waren längst nicht alle Kinder beteiligt:

  • Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erstattete der Rat nur der städtischen Knabenschule die Kosten, nämlich für das „Kirschfestgratial” der Lehrer, für Musik, für Vögel, für die Tambours, für das „Aufbauen und Wegnehmen des Laubes” und für Bedienung bei den Vogelstangen, insgesamt ca. 20 Reichstaler. Die Mädchen mussten sich das Geld bis dahin durch das sogenannte „Bittegehen” erbetteln.
  • Lange Zeit nahmen nur die Schulen der Bürgerstadt teil – das Kirschfest galt eben als Schulfest der (Knaben-)Bürgerschule. Erst mit der Zeit kamen die vorstädtischen Schulen, die Volksschule, das Realgymnasium hinzu. Das Domgymnasium beteiligte sich 1924 erstmalig.

Zum anderen wurde es, je mehr das Kirschfest zum Volksfest wurde, um so schwieriger, die Kinder in das Fest zu integrieren. Mehrere Schulrektoren beschwerten sich 1911:

  • „Wenn, wie alte Leute versichern, das Naumburger Kirschfest in früheren Zeiten ein schönes Familien- und Kinderfest gewesen ist, so hat es doch in der Gegenwart diesen Charakter längst nicht mehr. Es ist vielmehr eine Art Volksfest eine ganze Woche hindurch, bei dem die Kinder am allerwenigsten auf ihre Rechnung kommen. Und der Schaden, der von der Kirschfestwoche auf Zucht und Unterricht der Kinder aller Schulen ausgeht, ist gewaltig."

Die Schülerumzüge wurden mehr und mehr zum Schauspiel, die Kinder oft genug vergessen, sobald die Vogelwiese erreicht war. Nicht zuletzt die Schulbehörden drangen schon seit der Jahrhundertwende immer wieder darauf, die Dauer des Festes zu reduzieren, um Störungen des Unterrichts zu vermeiden.

Dennoch: Immer wieder wurde Klage darüber erhoben, dass sich die Lehrerschaft nur unwillig am Kirschfest beteilige und dass sich die Kinder beim obligatorischen Vogelschießen (die Mädchen warfen mit dem „Stechvogel” nach „Sternen”) langweilten, weil jedes Kind nur einmal schießen durfte, dafür aber warten musste, bis alle anderen auch geschossen hatten. Alle Bemühungen, dies zu ändern, führten zu keinem befriedigenden Ergebnis. kirschfestmaedchen_frei_100i

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