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Stadtmuseum Hohe Lilie Naumburg
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Über die Ursprünge des Kirschfestes gingen und gehen die Ansichten auseinander. Heimatforscher überboten sich im Wettbewerb, ein möglichst frühes Geburtsdatum zu finden und wähnten sich mal im 15., mal im 14. Jahrhundert, im „Mittelalter” oder in der „Vorzeit” fündig. Dabei schreckte man vor gewagten Schlüssen nicht zurück.

  • Das Kirschfest entwickelte sich unbestritten aus einem Schulfest. Schulfeste gab es, wo es Schulen gab und seit es Schulen gab. Gibt es daher das „Kirschfest”, seit es in Naumburg eine Schule gab? 
  • Statt von den Hussiten wurde Naumburg um 1450 während des Sächsischen Bruderkrieges von böhmischen Hilfstruppen des Herzogs Wilhelm bedroht. Nach dem Friedensschluss stiftete Wilhelm Geld für eine jährlich zu wiederholende feierliche Messe, aus der die Heimatliteratur ein „Volks- und Friedensfest” gemacht hat. Hat das etwas mit dem „Kirschfest” zu tun? 
  • Die nachromantische Begeisterung für die „Vorzeit” führte dazu, dass man alles, was man „deutsche Sitte und Brauch” nannte, irgendwann einmal auf die germanischen Vorfahren zurückführte, so auch das Kirschfest. Ein sinnvolles Argument gab es für diese Spekulation aber nie. 

Mit Sicherheit lässt sich nur feststellen, dass der Begriff „Kirschfest” um 1527 erstmals in den städtischen Abrechnungen auftaucht. Schon im Jahr zuvor war den Schulknaben erlaubt worden, in einem Obstgarten Kirschen zu essen. Ein kleines Festmahl zum Schulfest war schon länger üblich, neu war das Kirschenmahl. Es scheint zur Gewohnheit geworden zu sein.

Apropos Kirschen: Die Veredelung der bekannten Obstsorten hatte erst seit dem Spätmittelalter raschen Aufschwung genommen. Der Genuss von frischem Obst blieb dennoch eher verpönt, üblicherweise wurde das Obst durch dörren haltbar gemacht und galt in diesem Zustand als bekömmlicher. Die Kirsche bildete in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Zwar wurden auch diese teilweise gedörrt, der Genuss frischer Süßkirschen – ihre Reifezeit ist kurz und sie sind nur wenige Tage haltbar – galt jedoch als ausgesprochener Luxus. Ein Vormittag in einem Kirschgarten war für Schüler deswegen auch ohne jede weitere Unterhaltung ein unbezahlbares „Fest”. Ein Ereignis für die ganze Stadt war es damit aber noch lange nicht.

Man kann also mit guten Grund behaupten, die Kirschfestgeschichte nehme in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts ihren Anfang. Ob das auch bedeutet, dass das Fest seither kontinuierlich gefeiert wird und ob es über die Jahrhunderte dasselbe Fest geblieben ist, das sind allerdings ganz andere Fragen...

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