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Stadtmuseum Hohe Lilie Naumburg
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Metamorphosen eines Volksfestes

Das einzig Bleibende ist der Wandel. Diese schlichte Wahrheit vergisst allzuleicht, wer glaubt, je älter etwas gemacht wird, desto besser sei es. Es ist wie beim „Stille-Post”-Spiel: der erste Spieler formuliert einen Satz und flüstert ihn dem zweiten ins Ohr und so fort. Was aus dem Satz wird, bis der Zehnte ihn laut ausspricht, ist unvorhersehbar – ist es noch derselbe Satz? Wie dieses Spiel funktioniert lebendige Tradition. Das Kirschfest ist ein Beispiel hierfür. Es hat sehr klein angefangen, es gab viele Krisen und zahlreiche, jahrelange Unterbrechungen. Was heute als Kirschfest gilt, hat nichts mehr gemein mit dem, was es einmal war, es hat mehrere Metamorphosen durchgemacht, die seinen gesamten Charakter veränderten. Jede Zeit brachte ihre eigenen Bedürfnisse und Moden ins Spiel, die ihreseits oft genug in kürzester Zeit zum „althergebrachten Traditionsgut” erklärt wurden, bevor sie dann doch irgendwann Neuem weichen mussten. Auch Kommerz und Politik forderten ihren Anteil. Man kann mit einigem Recht behaupten, das Kirschfest sei fast 500 Jahre alt. Genausogut kannn man aber auch sagen, das Fest wurde und wird ständig neu erfunden, wie der geflüsterte Satz im Kinderspiel.

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